„Trickdiebstahl“

Zwei Millionen Euro teurer Ferrari in Grevenbroich gefunden

Der gestohlene Ferrari stand für 2,35 Millionen Euro zum Verkauf.

Der gestohlene Ferrari stand für 2,35 Millionen Euro zum Verkauf.

Foto: Polizei Düsseldorf

DÜSSELDORF/NEUSS.   Ein „Interessent“ hat bei einer Probefahrt einen Ferrari gestohlen. Nun hat die Polizei das Auto gefunden und sucht mit einem Foto nach dem Mann.

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Die Polizei hat den gestohlenen zwei Millionen Euro teuren Ferrari nach Zeugenhinweisen am Dienstagabend in Grevenbroich gefunden. Das seltene Fahrzeug war dort in einer Garage versteckt worden. Das bestätigte ein Sprecher am Mittwochmorgen.

Darüber hinaus haben die Beamten inzwischen ein Bild des Verdächtigen veröffentlicht. Zeugen können sich unter 0211/8700 melden. Zur Frage, wem die Garage gehörte, machte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Der Sportwagen hat erstem Anschein nach keinen Schaden von dem Diebstahl davon getragen. Der Ferrari soll nun an einem geheimen Ort von Spezialisten der Polizei untersucht werden.

Die Beamten hatten den ungewöhnlichen Diebstahl am Dienstag publik gemacht: Der Täter kam am Montagmittag mit dem Taxi zur Classic Remise in Düsseldorf, wo die teuren Oldtimer stehen. Sein Objekt der Begierde: Ein Ferrari 288 GTO, 42.532 Kilometer auf dem Tacho, Erstzulassung im Januar 1985, 400 PS. Bei mobile.de steht das Schätzchen zum Verkauf - für 2.350.000 Euro.

Zwei Stunden später war der Wagen verschwunden - gestohlen nach einer Probefahrt und auf dreiste Weise. „Ein Trickdiebstahl“, sagt Bernhard Kerkloh, Geschäftsführer des Händlers „Movendi. The spirit of classic cars“. Ein ähnlichen Vorfall wie diesen hatte er noch nie.

Probefahrt auf dem Gelände reicht dem Dieb nicht

Der Unbekannte habe sich seit zwei oder drei Wochen für den Ferrari interessiert, sagt Kerkloh, er habe angerufen und E-Mails geschrieben. Am Montag gegen 12.30 Uhr kam es zu dem vorab vereinbarten Termin zwischen Händler und „Interessent“ in der Remise. „Ruhig und entspannt“ habe der englisch sprechende Mann noch im Büro gewirkt, ein „seriöses Auftreten“ gehabt. Eine Probefahrt auf dem Gelände reichte ihm nicht.

Mit einem Verkäufer ging es noch auf die Straße, bis an die Auffahrt zur A 46 an der B 9 in Neuss-Uedesheim. Als ein Movendi-Mitarbeiter gegen 14.30 Uhr ausstieg, um den Wagen wieder zu übernehmen, nutzte der Unbekannte den Moment und brauste davon: über die Bundesstraße in Richtung Dormagen. Erfolglos blieb die Fahndung der Polizei, auch ein Hubschrauber war eingesetzt worden.

Wagen gehörte Diamentenhändler und Eddie Irvine

Nach Angaben von Sprecher Andreas Czogalla war von „einer gezielten Tat“ auszugehen: „Das war keine Zufallsnummer.“ Von dem mutmaßlichen Täter kursierten Fotos bereits kurz nach dem Diebstahl im Internet. Auch die Polizei arbeitete schon am Dienstag nach eigenen Angaben auf Hochtouren daran, einen richterlichen Beschluss für eine Öffentlichkeitsfahndung zu bekommen.

Der Ferrari in Originalzustand ist laut Anzeige in den 80er Jahren an einen Diamantenhändler in Antwerpen erstausgeliefert worden. Ex-Formel-1-Rennfahrer Eddie Irvine gehörte zu den Vorbesitzern. Fraglich ist, was der Dieb oder die Hintermänner mit dem Ferrari anfangen wollen. „Regulär verkauft werden kann der nicht“, sagt Polizeisprecher Czogalla. „Sie können das Auto nicht in den Markt bringen“, sagt auch Händler Kerkloh, „der Wagen ist viel zu auffällig.“ Insider wüssten sofort, dass der Ferrari aus einer Straftat stamme: „Den können Sie nur in die Garage stellen und nie irgendwelchen Leuten zeigen. Die wenigen Modelle, die gebaut worden sind, sind alle bekannt.“

„Ich kann das nicht nachvollziehen“, so ist der Händler noch immer verblüfft. Kerkloh hätte stutzig werden können, dass der Interessent überhaupt auf einer Probefahrt bestand. „Das ist sehr unüblich. Die meisten, die Klassiker kaufen, machen das nicht.“ Der Anteil an Probefahrten für solche Liebhaberstücke liege vielleicht bei zehn Prozent. Schon als der Wagen noch verschwunden war, war der Händler bereits zuversichtlich, dass der Dieb gefasst wird - nicht nur wegen der Fotos. Auch Fingerabdrücke habe der Unbekannte hinterlassen. Gegen Diebstahl ist der Wagen grundsätzlich versichert.

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