Internet-Liebesfalle

1000 Euro weg: Duisburger tappt in die Internet-Liebesfalle

Wenn das Internet zur Liebesfalle wird, kann es für die Betroffenen bitter werden – und teuer.

Wenn das Internet zur Liebesfalle wird, kann es für die Betroffenen bitter werden – und teuer.

Foto: Sven Hoppe / dpa

Duisburg.  Ein 40-jähriger Duisburger verliebte sich im Internet in eine Frau und tappte in die Betrugsfalle. 1000 Euro sind weg. Was die Polizei sagt.

Er wollte im Internet die große Liebe finden oder zumindest eine neue Frau an seiner Seite. Über die App Mico lernte ein 40-jähriger Mann aus Duisburg in den vergangenen drei Jahren mehrere meist deutlich jüngere Damen kennen. Eine gewisse – nennen wir sie mal Tatjana – hatte es ihm besonders angetan. Sogar von Heirat war die Rede. Nun nach zehn Monaten Chatten und heißen Liebesschwüren ihrerseits ist bei ihm die Ernüchterung groß. Außerdem ist er um 1000 Euro ärmer. Der Redaktion hat der Duisburger, der anonym bleiben will, seine Geschichte erzählt.

Junge Frau verdrehte Duisburger den Kopf

„Ich war dumm“, sagt der 40-Jährige selbst. Es seien mehrere Frauen gewesen, die ihn über die App bereits kurz nach der Kontaktaufnahme und banalen Fragen („Wie geht es Dir? „Was machst Du beruflich?“) um Geld gebeten hätten. Er sei darauf nie eingegangen – bis im vergangenen September jene „Tatjana“ in sein Chat-Leben trat. Sie stellte sich als 23-jährige US-Amerikanerin vor, die in Nigeria lebe. Schnell wird der Nachrichtenaustausch immer intensiver.

Sie sieht gut aus. Sätze wie „Du gefällst mir“ oder „Du bist so schön“, später „Ich liebe Dich“ , garniert mit Kussmündchen, verfangen bei dem Duisburger. „Wenn du eine Frau suchst, hörst du das natürlich gerne. Irgendwie brauchte ich das auch.“

Dann allerdings habe auch „Tatjana“ von ihren vermeintlichen Geldsorgen berichtet. „Anfangs sind es Kleinigkeiten wie eine Aufladekarte fürs Handy“, so der 40-Jährige. Später habe sie um finanzielle Unterstützung für ein vermeintliches Stipendium gebeten und davon erzählt, dass ihr Vermieter sie unter Druck setzen würde.

100 Euro monatlich über Western Union

Der Duisburger ist zu diesem Zeitpunkt längst bis über beide Ohren verliebt und überweist über Western Union 100 Euro monatlich. 1000 Euro kommen so im Laufe der Zeit zusammen. „Ich habe sie dann auch mal um einen Video-Chat gebeten, um sie näher kennen zu lernen. Bis dahin hatten wir uns nur geschrieben.“ Aber dazu ist es bis heute nicht gekommen. Ihre Begründung: Die Kamera an ihrem Handy sei angeblich kaputt.

Irgendwann dämmert es dem Duisburger, dass da irgendetwas nicht stimmen kann. Er möchte wissen, wer diese Frau ist. „Ich hab mir ein Foto von ihrem Pass schicken lassen. Der war aber gefälscht. Ich hab’s überprüfen lassen“, so der 40-Jährige. Mittlerweile hat er bei der Duisburger Polizei Anzeige wegen Betrugs gestellt. Doch so ganz lässt ihn diese „Tatjana“ immer noch nicht los.

Uwe Kothes bekommt solche Fälle immer wieder auf den Schreibtisch. „Wir sprechen hier vom Internet Love Scam, einem Vorschussbetrug mittels einer fiktiven Liebesgeschichte“, sagt der Dienststellenleiter im Dezernat für Computerkriminalität bei der Polizei in Duisburg. „Dabei benutzen Frauen, aber auch Männer alle möglichen Sozialen Medien und oft falsche Profile. Sie gehen äußerst geschickt vor, versuchen nach der Kontaktaufnahme die jeweilige Erwartungshaltung bei der Partnersuche herauszufinden und spielen dann auf der Gefühlsebene das komplette Programm.“

Gegen den gesunden Menschenverstand

Was dem 40-jährigen Duisburger aktuell passiert ist, sei dafür ein klassisches Beispiel. „Da werden immer wieder auch Geschichten gestrickt von angeblich hilflosen oder unterdrückten Frauen, die den Männern dann noch die dollsten Komplimente machen“, so Kothes. „Die Opfer, oft aus der Mitte Gesellschaft, sind irgendwann blind vor Liebe und tun Dinge gegen jeden gesunden Menschenverstand.“ Das könne richtig bitter werden – und teuer. Er kennt Fälle, bei denen Menschen ihr gesamtes Erspartes an die vermeintlich neue große Liebe verloren haben. „Wir sprechen da von Beträgen bis in den sechsstelligen Bereich.“

Das Geld werde oft an Konten im Ausland überwiesen. „Das sind meistens Länder, mit denen wir kein Rechtshilfeabkommen haben“, so Kothes. Keinen Euro sehen die Opfer deshalb in der Regel wieder – bei Bargeldtransferdiensten wie Western Union spätestens dann, wenn das Geld in irgendeiner Filiale auf der Welt abgeholt worden ist, so der Experte. „Die Ermittlungen sind auch deshalb grundsätzlich schwierig, weil die Betrüger alle Verschleierungsmechanismen im Internet kennen.“

Trotzdem sei es wichtig, Anzeige zu erstatten – allein schon deshalb, um die Öffentlichkeit zu warnen und immer wieder Infos über das Vorgehen der Täter zu bekommen. Kothes: „Die Dunkelziffer wird aber sehr hoch sein, weil viele oft aus Scham nicht zur Polizei gehen.“

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