Kranbergung

260-Tonnen-Verladekran aus dem Rhein bei Duisburg gehoben

Der zerstörte Kran hängt nach seiner Hebung aus dem Rhein am Haken. Die beiden Schwimmkräne hatten die Stahlseile an mehreren Haltepunkten befestigt.

Der zerstörte Kran hängt nach seiner Hebung aus dem Rhein am Haken. Die beiden Schwimmkräne hatten die Stahlseile an mehreren Haltepunkten befestigt.

Foto: Thomas Richter

Duisburg.   Es ist vollbracht: Der wichtigste Teil der Bergung ist abgeschlossen. Seit 16.45 Uhr liegt der aus dem Rhein gehobene Kran auf einem Ponton.

Der im Rhein bei Duisburg versunkene Verladekran ist gehoben. Seit Donnerstagnachmittag um 16.45 Uhr liegt der zerstörte 260-Tonnen-Koloss, der am 9. März von Sturmtief „Dragi“ vom Ufer in die Fluten gerissen worden war, nun auf einem Ponton. Auf diesem wird er vermutlich bereits noch am Donnerstagabend nach Rotterdam transportiert, wo er später auch verschrottet werden soll. „Es ist alles sehr, sehr gut verlaufen“, freute sich Reimer Druschel vom Bergungsunternehmen Hebo Maritime GmbH mit Sitz auf dem Logport-Gelände in Duisburg-Rheinhausen.

Einige Haken und Ketten mussten umgesetzt werden

Um 7 Uhr am Donnerstagmorgen hatte das neunköpfige Hebo-Team die seit Dienstag laufenden Vorbereitungsarbeiten fortgesetzt. Und sie kamen dabei derart gut voran, dass bereits am Nachmittag die Bergung des versunkenen Kolosses beginnen konnte. „Es ist dann noch zu leichten Verzögerungen gekommen, weil wir noch einmal einige Ketten und Haken umsetzen mussten“, erklärt der deutsche Hebo-Niederlassungsleiter Druschel. „Außerdem war in einem der Ausleger des untergegangenen Krans Wasser eingedrungen. Das haben wir rausgepumpt.“

Um 15.18 Uhr begann dann der Drahtseilakt: Die beiden Schwimmkräne zogen an der 260 Tonnen schweren, im Wasser versunkenen Last. Und Zentimeter für Zentimeter erhob sich der zerstörte Verladekran aus den Fluten. „Heute haben wir optimale Bedingungen für die Bergung“, bestätigte auch Wolfgang Rulofs. Der 52-Jährige ist Meister beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) mit Sitz in Meiderich.

Vorbeifahrende Binnenschiffer über Funk informiert

Kurz nach dem Unglück hatte der Rhein noch einen Wasserstand zwischen sechs und acht Metern. Das Hochwasser brachte zudem eine deutlich höhere Strömungsgeschwindigkeit mit sich. Alles das machte eine Bergung zu diesem Zeitpunkt unmöglich. „Heute zeigt der Pegel in Ruhrort 3,15 Meter an. Das Wasser ist ruhig. Und wir informieren über Funk alle vorbeifahrenden Binnenschiffer über die Bergung und bitten sie, ihr Tempo anzupassen“, erklärte WSA-Mann Rulofs.

Bergung des Krans bei Duisburg hat begonnen

Kran, der am 9. März bei Sturmtief „Dragi“ vom Ufer in Hochfeld hinab in den Rhein stürzte, wird nun geborgen.
Bergung des Krans bei Duisburg hat begonnen

Die WSA-Kräfte waren es auch, die bereits am Morgen die auf dem Rhein verteilten Bojen an Bord des Verkehrssicherungsschiffes „Homberg“ aufgenommen hatten. Diese Bojen plus ein so genanntes „Warschau-Floß“ hatten dem Schiffsverkehr seit dem Unglückstag jenen Bereich angezeigt, in dem der untergegangene Kran gelegen hatte und den es deshalb zu beachten galt.

Das WSA stellt mit der „Erft“ bei diesem Einsatz noch ein zweites Boot. Dieses hat eine Peilanlage an Bord. Mit deren Hilfe kann nach vollbrachter Bergung des Krans noch untersucht werden, ob an der Unglücksstelle weitere kleinere Schrottteile am Grund des Flusses liegen. Dieselbe Aufgabe übernimmt auch ein 50-Tonnen-Magnet, der von einem der Schwimmkräne ins Wasser gelassen wird und ebenfalls weiteren Schrott anziehen und danach an Land holen soll. „Erst wenn wir sicher sind, dass alles frei ist, werden wir auch diese Verladestelle wieder für den Schiffsverkehr freigeben“, so Rulofs.

Kranfahrer schauten sich die Bergung vor Ort an

Es dauerte ab Bergungsbeginn um 15.18 Uhr etwa eine halbe Stunde, bis der Kran einige Meter über der Wasseroberfläche an den Stahlseilen befestigt in der Luft hängt. Wasser läuft an vielen Stellen noch heraus. Kabel und Drähte baumeln herunter. „Aber meine Taschenlampe hängt noch dort, wo sie hingehört“, sagt Aleksander de Kastrozza und zeigt auf das zerstörte Fahrerhaus des gehobenen Verladekrans. Der 48-Jährige ist seit acht Jahren bei der Firma Masslog, auf deren Firmengelände in Duisburg-Hochfeld sich das Unglück am 9. März ereignet hatte, als Kranführer beschäftigt. Er und sein Kollege Sascha Steinkamp (43), der ebenfalls vor Ort ist, haben den Kran in den vergangenen Jahren im Arbeitsalltag bewegt, gewartet und gepflegt.

„Das war ein Riesenschreck, ja fast ein Schock, als ich am Unglückstag hierhin kam und den Kran völlig zerstört im Wasser liegen sah“, schildert de Kastrozza seine Erinnerungen. Zum Kran hatte er im Laufe der Jahre eine emotionale Beziehung aufgebaut. „Die war mindestens so eng wie die Beziehung, die man zu seinem ersten Auto aufbaut“, so de Kastrozza.

Schienenzangen des Krans waren angezogen

Natürlich achteten die beiden Kranfahrer nach der Bergung sofort auf das wichtigste Detail: Waren die Schienenzangen angezogen oder nicht? Aus versicherungstechnischer Sicht ist das von enormer Bedeutung, weil der auf Schienen fahrende Kran nach Dienstende mit Hilfe besagter Zangen befestigt werden muss. „Zum Glück sieht man eindeutig, dass die Zangen angezogen waren“, sagen nicht nur die beiden Kranfahrer, sondern auch Franz Bahner, der stellvertretende Betriebsleiter von Masslog. Auch er wohnt der Bergung am Donnerstagnachmittag bei. Das Sturmtief am 9. März war also so heftig, dass es den 260-Tonnen-Kran aus der Verankerung reißen und in den Rhein abstürzen lassen konnte. Ein anwesender Sachverständiger und Gutachter machte sich entsprechende Notizen.

Vermutlich noch am Donnerstagabend wird ein Schubboot den Ponton samt zerstörtem Kran nach Rotterdam transportieren. Dort soll der gehobene Koloss zeitnah verschrottet werden.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben