Bauernprotest

Bauernprotest gegen Politik: Das sagen Duisburger Landwirte

Traktorkolonnen: Bauern aus ganz Deutschland machten sich auf den Weg zur Demo in Bonn.

Traktorkolonnen: Bauern aus ganz Deutschland machten sich auf den Weg zur Demo in Bonn.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Duisburg.  Bauern aus ganz Deutschland haben in Bonn gegen das Agrarpaket der Bundesregierung demonstriert. Das sagen Duisburger Landwirte zum Protest.

Bundesweit haben am Dienstag Landwirte in Bonn gegen die Agrar- und Umweltpolitik der Bundesregierung demonstriert. Ein Protestzug zog sich am frühen Morgen auch durch Duisburg. Am Walsumer Rathaus vorbei, über den Sternbuschweg oder die Düsseldorfer Straße fuhren die Trecker laut hupend in einer Kolonne und sorgten für Staus im innerstädtischen Verkehr.

Reinhard Mosch, als Ortslandwirt auf der rechten Rheinseite der Sprecher für die Duisburger Bauern, machte sich selbst nicht auf dem Weg nach Bonn. „Einer muss sich ja um den Hof, um die Tiere, kümmern“, sagt der Mündelheimer Landwirt, der unter anderem 350 Hühner zu verpflegen hat. „Dafür ist aber meine Frau zur Demo gefahren.“

Auch Duisburger Bauern bei der großen Demo in Bonn

Es sei wichtig, ein Zeichen zu setzen, obwohl er das Agrarpaket der Bundesregierung nicht in Bausch und Bogen verdammen möchte. „Es gibt auch gute Ansätze“, so Mosch. „Dass wir etwa Düngemittel zum Schutz des Trinkwassers reduzieren müssen, ist ja völlig richtig. Aber es kann nicht sein, dass wir als Bauern als alleinige Sündenböcke für das Insektensterben herhalten sollen. Jeder Autofahrer zum Beispiel und auch jeder, der sich für einen Steingarten entschieden hat, ist genauso verantwortlich.“

Wenn das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, wie jüngst vom Bundeskabinett beschlossen, zurückgefahren und Ende 2023 komplett verboten werden soll, drohten künftig ganze Ernten wegzubrechen. „Uns gehen die Insektizide aus, um zum Beispiel die Blattlaus zu bekämpfen“, so Mosch. „Und uns nur noch auf den Bioanbau zu konzentrieren, wird nicht funktionieren. Der Verbraucher wird nicht bereit sein, einen runzeligen Apfel zu kaufen, der auch noch 20 Cent mehr kostet.“

Auch Hermann Blomenkamp hält „den sinnvollen Einsatz von Glyphosat für absolut angemessen“, so der Kartoffelbauer aus Serm. „Es ist wissenschaftlich nicht bewiesen, dass es krebserregend ist.“ Ohne Glyphosat sei es künftig viel aufwändiger, Unkraut zu bekämpfen. „Es muss mehr Humusmasse bewegt werden, wodurch Stickstoff freigesetzt wird, das irgendwann im Grund- und Trinkwasser landet“, so Blomenkamp. „Das kann niemand wollen.“

„Es kommen mehr Kosten auf die Landwirte zu“

Das ganze Agrarpaket der Bundesregierung sei nicht zu Ende gedacht. „Es kommen mehr Kosten auf die Landwirte zu, die vor allem die Existenz der kleinen Höfe gefährden“, so Blomenkamp. Und Mosch stellt klar: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Politik vor solch weitreichenden Entscheidungen mit uns gesprochen hätte.“ (mit dpa)

Die Protestzüge in Duisburg waren laut Polizei nicht separat angemeldet. Da die Traktoren auf dem Weg nach Bonn sind, reicht es aber aus rechtlicher Sicht, dass die Versammlung dort mit der Polizei abgesprochen ist.

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