Gericht

Berufungsprozess: Duisburger schubste Mann auf U-Bahn-Gleis

Das Hauptportal des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Das Hauptportal des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz.

Foto: Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Weil er einen Fahrgast mit einem Dieb verwechselte, schubste Duisburger (43) ihn auf ein U-Bahn-Gleis. Nun muss er in die Entziehungsanstalt.

Ein Fahrgast, der am 14. Juli 2018 am Gleis 1 des U-Bahnhofs am Hauptbahnhof auf seine Straßenbahn wartete, hatte noch irritiert seine Ohrstöpsel herausgenommen, als ein ihm unbekannter Mann laut schreiend auf ihn zu gerannt kam. Er konnte nicht damit rechnen, dass der Mann ihn auf die Gleise stoßen würde und wohl erst recht nicht damit, dass der Angreifer ihn auch daran zu hindern versuchte, aus dem Gleisbett wieder heraus zu krabbeln.

DVG-Bedienstete hielten den tobenden 43-Jährigen schließlich fest. In zweiter Instanz fand sich der Laarer am Freitag vor dem Landgericht wieder.

Dem Geschädigten war bei der Attacke zum Glück nichts geschehen. Er geht seit dem Vorfall nur nicht mehr gerne in U-Bahnhöfe. Bereits im Mai 2018 war ein Rentner mit einem blauen Flecken davon gekommen, als der Angeklagte ihm an einer Bushaltestelle im Duisburger Süden in die Leiste trat. Der Rentner hatte für die Attacke keine Erklärung gehabt. Der zur Tatzeit volltrunkene Angeklagte erinnerte sich später nicht einmal mehr daran.

Mehr als zwei Promille Alkohol im Blut

Auch beim Angriff in der U-Bahn hatte der 43-Jährige mehr als zwei Promille Alkohol im Blut gehabt. „Ich war am Tag zuvor überfallen und bestohlen worden“, versuchte er die Tat zu erklären. „Ich dachte, dass sei einer der Täter gewesen. Es war eine Verwechslung.“

Das Amtsgericht hatte den vielfach vorbestraften Angeklagten, der nicht zum ersten Mal unter dem Einfluss von Alkohol aggressiv geworden war, im Januar zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.

Der zog dagegen in die Berufung. Mit diesem Ausgang des Verfahrens, das ausgezeichnet als Thema einer Hausarbeit für angehende Juristen dienen könnte, hatte der 43-Jährige aber wohl nicht ernsthaft gerechnet: Die Berufungskammer senkte die Strafe wegen versuchter Körperverletzung und Vollrausches zwar aus diversen juristischen Gründen auf zweieinhalb Monate, ordnete zugleich aber eine Unterbringung des Alkoholikers in einer Entziehungsanstalt an. Für den 43-Jährigen könnte das - theoretisch - bedeuten, dass er deutlich länger als die ursprüngliche sechsmonatige Strafe hinter Gittern zubringen darf. Theoretisch könnte sich sein Aufenthalt auch noch um weitere sechs Monate verlängern: Zur Tatzeit hatte er bereits unter Bewährung gestanden.

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