Ausstellung

Chinesischer Künstler macht vor Venedig Station in Duisburg

Die Ausstellung „Trümmer der Wirklichkeit“ mit Bildern von Zeng Yang ist in der Cubus-Kunsthalle im Duisburger Kantpark zu sehen.

Die Ausstellung „Trümmer der Wirklichkeit“ mit Bildern von Zeng Yang ist in der Cubus-Kunsthalle im Duisburger Kantpark zu sehen.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Cubus-Kunsthalle in Duisburgs Kantpark zeigt in den nächsten Wochen Ausstellungen mit Künstlern aus China. Zuerst „Trümmer der Wirklichkeit“.

Das Interesse chinesischer Künstler, in Europa auszustellen, ist groß. Und umgekehrt ist Europa neugierig auf aktuelle Kunst aus China, wie schon das Ausstellungsprojekt „China 8“ im Jahr 2015 in den Ruhrkunstmuseen gezeigt hat. Dass es mehr als Ai Wei Wei gibt, zeigt jetzt die Cubus-Kunsthalle mit zwei Ausstellungen chinesischer Künstler in den kommenden sieben Wochen.

Auf die Ausstellung in Duisburg folgt die Biennale in Venedig

Heute wird unter dem Titel „Trümmer der Wirklichkeit“ eine Ausstellung mit Bildern von Zeng Yang in der Cubus-Kunsthalle im Kantpark eröffnet, dessen Kunst ab 21. August auch bei der Biennale in Venedig zu sehen ist. Ebenso wie die Arbeiten von Jiny Lan, die in Bochum lebt, in der Cubus-Kunsthalle ausgestellt und den Kontakt zu den chinesischen Künstlern hergestellt hat. Am 1. September folgt Yuan Liao mit der Ausstellung „Die Elegie des Flusses“.

Der Künstler Zeng Yang baut eine „irreale Realität“

Das große Thema des 1983 geborenen Zeng Yang, der in Chengu in der Provinz Sichuan lebt, ist der heftige Wandel, den das Riesenreich in den vergangenen Jahrzehnten vom kommunistischen Bauernland zum kapitalistischen Wirtschaftswunderland durchlebt hat, und das Aufeinanderprallen traditioneller und westlicher Kultur. Aus diesen „Trümmern“ ist eine neue Wirklichkeit entstanden. Der Maler baut in seinen Bildern auf beeindruckende Weise eine neue, sozusagen irreale Realität, in der die Menschen orientierungslos und deplatziert wirken.

Er bringt auf der 200 mal 250 Zentimeter großen Leinwand ein grünes, nostalgisches Jahrmarkt-Karussell zusammen mit einer bäuerlichen Szene und einem traditionellen Holzhaus und nennt das Bild „Märchen und Mythen“, er zeigt eine Straßenszene mit Menschengruppen in traditioneller Kleidung oder Jeans, die rauchend beieinander stehen, ein Strichcode wirkt wie ein Zebrastreifen, auf dem Kühler eines Militärfahrzeugs sitzt ein Beobachter, eine Pagode kippt. „Mohist’s Party“ heißt dieses Motiv, das mit seinen Dunkel-Hell-Effekten und seiner Dynamik den Betrachter nahezu anspringt.

Mao-Denkmal, eine Lokomotive und Quietscheentchen

In einer anderen Szene erkennt man ein Mao-Denkmal, das größtenteils hinter einem Plakat verschwindet, eine nahende Lokomotive und ein Quietscheentchen – und wieder Gruppen von Menschen, die allerdings irgendwie unscharf blieben. Zeng Yang malt keine Individuen, seine Figuren bleiben unpersönlich und haben keinen Bezug zur künstlichen Kontext. Er verschiebt Größenverhältnisse, baut chinesische Schriftzeichen oder Barcodes ein, malt verschlungene Linien, verändert Perspektiven. Er verwirrt das Auge, er verschlüsselt seine Bilder, er lässt vieles zeitgleich passieren.

Die Realität genau beobachtet

Dabei beruhen seine Motive auf ein sorgfältiges Studium der Realität. Wie der aufwendig gestaltete Katalog zeigt, beobachtet und zeichnet Zeng Yang Haltungen und Bewegungen von Menschen intensiv, bevor er sie unkenntlich macht, tanzend, plaudernd, Fahrrad fahrend oder als Liebespaare in seine Bilder einbaut. Auch die Militärangehörigen, die er in kleineren Formaten porträtiert, sind eher Typen.

Zu dieser „irrealen Wirklichkeit“ hält der Künstler Distanz. Das gelingt dem Betrachter nicht, weil er hineingezogen wird in einen Strudel von Assoziationen. Vielleicht über wirtschaftlichen Erfolg und unmenschliche Arbeitsbedingungen, über die chinesische Hochkultur und die Armut der Bauern, über rasanten Fortschritt und begrenzte Freiheit.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben