Kritische Infrastruktur

Corona: Pandemieplan der Stadtwerke läuft auf höchster Stufe

Weithin sichtbares Duisburger Wahrzeichen: der Turm der Stadtwerke. Beim Mutterkonzern DVV dürfen auch während der Coronakrise die Lichter nicht ausgehen.

Weithin sichtbares Duisburger Wahrzeichen: der Turm der Stadtwerke. Beim Mutterkonzern DVV dürfen auch während der Coronakrise die Lichter nicht ausgehen.

Foto: Zoltan Leskovar / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Stadtwerke, DVG, Netze Duisburg: Ihre Dienste dürfen in Duisburg trotz Corona nicht ausfallen. Wie der Pandemieplan der DVV das sicherstellt.

Verabredungen dürfen ausfallen, Einkaufsbummel und Konzerte ebenso. Das private und städtische Leben lässt sich ein paar Wochen auf Eis legen. Was keinesfalls ausfallen darf, ist die sogenannte kritische Infrastruktur: Wasser, Strom, Internet, Wärme, Gas, ÖPNV. Damit das trotz Coronakrise sichergestellt ist, gibt es bei der DVV (Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft, unter deren Dach sowohl Stadtwerke als auch DVG und Netze Duisburg firmieren) etwas mit dem sperrigen Namen Epidemie- und Pandemievorsorgeplan. Er regelt, wie der Betrieb weiterlaufen kann, obwohl gerade ein ansteckender Virus die Welt lahmlegt. Auch bei der DVV gibt es bereits Corona-Verdachtsfälle. Diese Maßnahmen sieht der Plan vor:

Das „reicht von der Ausgabe von Desinfektionsmitteln bis hin zu Bereichsschließungen und Notbetriebsszenarien“, sagt DVV-Sprecher Thomas Kehler. Stadtwerke, Netze Duisburg und DVG trennen die Schichten räumlich so weit wie möglich, zum Beispiel über einen versetzten Schichtbeginn.

Außendienstmitarbeiter beginnen ihren Einsatz nicht wie gewöhnlich an einem zentralen Ort, sondern an unterschiedlichen Startpunkten. Die Zähler der Netze Duisburg lesen statt DVV-Mitarbeiten nun die Kunden ab, die Kundencenter von Stadtwerken und DVG sind geschlossen, in Bussen dürfen Passagiere nur noch hinten einsteigen. Wer nicht raus muss, arbeitet möglichst mobil statt im Büro; außerdem gilt: Telefonkonferenzen ersetzen Besprechungen, Dienstreisen sind verboten, die Kantinen geschlossen.

DVV: Maßnahmen gegen Corona werden täglich neu bewertet

Stufe 3 von 4: Das klingt, als wäre die höchste Alarmstufe im DVV-Konzern noch nicht erreicht. Tatsächlich ist sie das aber: Während Stufe 4 von einem Abschwächen der Pandemie ausgeht, ist Stufe 3 die höchste Bekämpfungsphase einer weltweiten Bedrohung wie der aktuellen Coronakrise. Der Pandemieplan bedeutet dabei keinen Automatismus: Die Stufen beschreiben mögliche Maßnahmen – ob sie umgesetzt werden, „wird täglich neu bewertet“, sagt Kehler.

Unter anderem steht die DVV dazu in Kontakt mit dem Duisburger Gesundheitsamt. „Die lokalen Fallzahlen und Erkrankungsfälle im Konzern fließen in die tägliche Neubewertung der Lage ein.“ Im Notbetrieb ist noch kein Unternehmen der DVV: „Der Normalbetrieb ist nicht von der Pandemie oder unseren Maßnahmen beeinträchtigt.“

Pandemieplan wurde nach der Ehec-Epidemie erarbeitet

Seit 2011 besitzt die DVV einen Pandemieplan. Er orientiert sich an Einrichtungen, die in Deutschland und der Welt führend auf dem Gebiet der Viren sind: an den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, am Robert-Koch-Institut. Auslöser für die Erarbeitung des Pandemieplans war Ehec: Eine der bis dahin größten Epidemien, die Deutschland je erlebt hatte, betraf damals knapp 4.000 Menschen, von denen mehr als 50 starben.

Das Coronavirus befällt zwar – noch – immer mehr Menschen, die Erzeugungsanlagen der Stadtwerke und die Verteilnetzsysteme der Netze Duisburg seien davon aber nicht beeinträchtigt, versichert Thomas Kehler. In vielen Bereichen gebe es „einen hohen Automatisierungsgrad“, so dass es nur vergleichsweise weniger Mitarbeiter bedarf, um sie am Laufen zu halten. Die Systeme seien so aufgebaut, dass sogar der Ausfall einzelner Anlagenteile keine Konsequenzen für die Kunden hätte: „Die Versorgung der Duisburger mit Trinkwasser, Strom, Gas und Fernwärme ist zu jeder Zeit sichergestellt.“

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