Coronavirus

Coronavirus: Duisburger Urlauber hängen im Ausland fest

Andreas Gonschior und Susanne Stölting wollten den tristen Tagen in Duisburg entgehen. Als sie flogen, lief das Leben in NRW und Spanien noch normal. Nun sollen alle Deutschen binnen einer Woche die Insel La Palma verlassen. Das Problem: „Es gibt für uns noch keine Rückflüge.“

Andreas Gonschior und Susanne Stölting wollten den tristen Tagen in Duisburg entgehen. Als sie flogen, lief das Leben in NRW und Spanien noch normal. Nun sollen alle Deutschen binnen einer Woche die Insel La Palma verlassen. Das Problem: „Es gibt für uns noch keine Rückflüge.“

Foto: Foto: Susanne Stölting / RR

Duisburg.  Unbeschwerte Urlaubstage werden für eine Duisburger Familie zum Horrortrip. Rückflüge aus Marokko sind storniert worden, die Grenzen dicht.

Das Coronavirus beeinflusst zahlreiche Ferienpläne – von Duisburgern, die rund um Ostern in den Urlaub starten wollten, aber auch von Duisburgern, die derzeit im Ausland festhängen. Das Auswärtige Amt bemüht sich nach Kräften, alle Deutschen, trotz gestrichener Flüge, wieder zurück zu holen. Darunter sind auch Duisburger, die aktuell nicht wissen, wie es weiter geht.

Als Susanne Stölting mit ihrem Mann vor ein paar Tagen nach La Palma flog, schien die Lage zunächst normal – in NRW gingen die Kinder noch zur Schule. „Und wir haben erst bei der Ankunft erfahren, dass es überhaupt einen Corona-Fall auf La Palma gibt.“

Duisburgerin erfährt erst bei der Ankunft auf La Palma vom ersten Corona-Fall

Die Insel gehört zur Susanne Stöltings Lieblingsorten, sie wollten für ein paar Tage dem tristen Wetter in Deutschland entfliehen. Doch nun gilt seit Sonntag in ganz Spanien eine Ausgangssperre. „Uns geht es noch ganz gut. Die Ausgangssperre wird hier streng kontrolliert von der Guardia Civil“, beschreibt die Duisburger Stadtsprecherin via Whatsapp die Lage. Man dürfe nur noch in den nächstgelegenen Supermarkt, zur Apotheke oder mit dem Hund raus. Im Laufe des Donnerstags spitzte sich die Lage dann zu: Alle Touristen müssen das Land binnen einer Woche verlassen. Allerdings: Derzeit gibt’s für die beiden keinen Rückflug. Nervig sei, dass beim Ferienflieger „Condor“ ständig die Hotline überlastet sei und es auch auf Mails keinerlei Reaktion gebe.

„Wir haben gerade alles in der Luft, was fliegen kann und holen allein in dieser Woche 50.000 Urlauber zurück“, betont Condor-Sprecherin Magdalena Hauser. Zudem beteilige sich das Unternehmen an der Aktion „Luftbrücke“ des Auswärtigen Amtes. Man habe eine Internetseite eingerichtet, auf der sich Kunden registrieren können. „Kein Flieger geht leer aus den Urlaubsregionen zurück“, so Magdalena Hauser. Im Falle des Ehepaars aus Duisburg will Condor nun schauen, was möglich ist.

Familienurlaub von Duisburgern in Marokko spitzt sich zu

Dramatischer stellt sich die Lage im Fall von Ahlam Gandura-Kourich dar. Inzwischen hat sich sogar das Büro der Bundestagsabgeordneten Bärbel Bas eingeschaltet und das Auswärtige Amt informiert. „Unsere Flüge sind komplett gestrichen worden.“ Die Duisburgerin ist mit ihrem Mann Mourad und Sohn Malik (2) in einer Ryanair-Maschine von Eindhoven nach Fes geflogen, um die Verwandtschaft des Gatten zu besuchen. „Die Familie hat den Kleinen nach eineinhalb Jahren nicht mehr gesehen“, erzählt sie.

Auch ihr Flug liegt schon einige Zeit zurück. Anfangs schien auch alles ganz normal. „Bei der Einreise gab es überhaupt keine Probleme. Wir haben nur ein Formular bekommen, wo wir uns eintragen sollten, dass man kein Fieber hatte und wo genau wir hinfahren. Im Falle eines positiven Corona-Falls hätte man uns wohl informiert“, vermutet sie. Nach einer Woche in einem Dorf im nordmarokkanischen Fes, habe der Kleine allerdings plötzlich Fieber bekommen. „Ich habe gar nicht an Corona gedacht. Wir sind dann erst nach Fes zum Arzt. Der war der Meinung, dass es wahrscheinlich eine normale Erkältung sei.“

30 Stunden Wartezeit in marokkanischem Krankenhaus

Trotz Medikamenten ging die Temperatur allerdings nicht zurück. Also folgte ein Besuch im Krankenhaus. „Dort haben sie uns einfach nicht mehr rausgelassen. Wir saßen mit einem Franzosen und anderen Touristen 30 Stunden im Krankenhaus und wurden auf Corona getestet. Aber wir hatten natürlich nichts dabei, weil wir nur mit einer kurzen Untersuchung gerechnet haben.“ Inzwischen haben sie Gewissheit: Niemand von ihnen ist an Corona erkrankt.

Doch nun sind die Grenzen zu Europa dicht. Und nach und nach schließen vor Ort Geschäfte, Restaurants, Hotels sollen geräumt werden und Ausländer das Land verlassen. Alle Flüge von Ryanair sind allerdings storniert und bei der Hotline des Auswärtigen Amtes oder der Botschaft ist kein Durchkommen. „Momentan sind wir wieder bei der Familie im Dorf und warten auf unsere Ausreise, die eigentlich für vergangenen Sonntag geplant war. Wir wissen nicht, wie es weiter geht.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilt die Stadt mit, dass man als Kommune keinen Überblick habe, wie viele Duisburger derzeit im Ausland seien. Sämtliche Rückhol-Programme werden derzeit von der Bundesregierung koordiniert. Ein weiterer Anruf unserer Redaktion in Berlin hat zumindest bewirkt, dass die Familie nun auf der Liste des Auswärtigen Amtes steht. Ahlam Gandura-Kourich hatte versucht, sich dort zu registrieren, doch auch diese Internetseite ist überlastet.

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