Kitaplatz-Vergabe

Darum warten viele Duisburger weiter auf einen Kitaplatz

In Duisburg warten viele Eltern noch auf einen Kindergartenplatz für das kommende Kita-Jahr.

In Duisburg warten viele Eltern noch auf einen Kindergartenplatz für das kommende Kita-Jahr.

Foto: Monika Skolimowska

Duisburg.  Obwohl das Kita-Jahr im August beginnt, sind erst rund die Hälfte der Kita-Plätze vergeben. Jugendamtsleiter bietet beunruhigten Eltern Hilfe an.

Zweieinhalb Monate vor dem Start des neuen Kindergartenjahres am 1. August sitzen viele Duisburger Eltern nach wie vor auf heißen Kohlen. Sie haben noch keine Gewissheit, ob sie einen Betreuungsplatz für ihre Kinder bekommen. Die Zeit drängt vor allem für Mütter und Väter, die in den Beruf zurückkehren wollen und deshalb auf einen Platz angewiesen sind. Jugendamtsleiter Hinrich Köpcke beruhigt: „Wir sind weiterhin sehr zuversichtlich, dass wir eine Punktlandung hinbekommen und am Ende alle versorgen können.“

Rund 5000 Plätze für die U3 (unter dreijährige Kinder) und Ü3 (über dreijährige Kinder) werden nach Erfahrung des Jugendamtes alljährlich in Duisburg neu vergeben. „Zum 30. April waren 1750 Verträge geschlossen, am 15. Mai waren es 2190“, so Köpcke. Das heißt: Noch gut die Hälfte der Plätze sind noch nicht vergeben in den Kitas und in der Tagespflege. Tagesmütter und Väter sowie eine wachsende Zahl so genannter Großtagespflege-Einrichtungen bieten in Duisburg insgesamt 1895 Plätze für U3-Kinder und weitere 210 für Ü3-Kinder.

Vor zwei Jahren hat die Stadt das Anmeldeverfahren von der Papierform auf ein Online-Verfahren (kitaplatz.duisburg.de) umgestellt. Eltern können im Internet-Portal mit sechs Monaten Vorlauf ihr Kind für bis zu acht Wunscheinrichtungen vormerken lassen. Vergeben werden die Plätze darüber allerdings nicht. „Es ist ein reines Vormerkportal“, erklärt Hinrich Köpcke.

Anspannung bei Duisburger Eltern steigt

Die Folge: Weil der Vergabeprozess intransparent bleibt, steigt die Anspannung bei den Eltern mit fortschreitender Wartezeit. Nicht wenige, die in Nachbarstädten arbeiten, melden auch dort vorsichtshalber ihre Kinder an, um ihre Chancen auf einen Betreuungsplatz zu erhöhen. Was wiederum die Ungewissheit über die Zahl der tatsächlich verfügbaren Plätze in Duisburg steigen lässt.

Kann früher Gewissheit für die Eltern geschaffen werden? „Das ist schwierig“, sagt der Jugendamtsleiter. Denn im Kinderbildungsgesetz NRW (KiBiz) habe das Land den 15. März als Termin festgesetzt für die Bedarfsanmeldung der Städte – sie dient der Finanzplanung. Erst danach bestehe Gewissheit über die Kapazitäten im nächsten Kindergartenjahr, erst dann könne die konkrete Planung beginnen.

Der Vergabeprozess, an dem nicht nur städtische Einrichtungen, sondern auch Kitas kirchlicher und freier Träger sowie die Einrichtungen der Tagespflege beteiligt sind, verlaufe höchst unterschiedlich, erklärt Köpcke: In einigen Einrichtungen gebe es vor Vertragsabschluss Elterngespräche in anderen Info-Abende mit den Bewerbern: „Wir setzen deshalb keine Frist für die Platzvergabe, aber bis Ende Mai/Anfang Juni sollte es für alle Eltern Klarheit geben.

Darauf deutet auch die Entwicklung hin mit 440 Verträgen, die allein in den vergangenen zwei Wochen geschlossen wurden.“ Eltern, die etwa wegen der Rückkehr an den Arbeitsplatz nicht mehr länger warten können, bietet Hinrich Köpcke Hilfe an. „Sie sollen sich an das Jugendamt wenden. In Notsituationen versuchen wir, rechtzeitig Klarheit zu schaffen.“

„Dem Jugendamt Druck gemacht“

Seit einigen Tagen ist Kathrin Schenk deutlich entspannter. Nach langer Suche hat sie den Vertrag für den Kita-Platz von Tochter Lili unterschrieben. Weil die Bergheimerin im Herbst in ihren Job als Industriemechanikerin bei der Bahn zurückkehrt, ist sie dringend auf eine Betreuung angewiesen.

Bislang haben Duisburger Eltern – im Gegensatz zu anderen Städten – ihren Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz noch nicht einklagen müssen. Ohne Zusage wäre Kathrin Schenk wohl die erste gewesen. „Ich hätte auch den Verdienstausfall eingeklagt“, sagt sie. Weil ihr die Ungewissheit zu groß wurde, hatte zuletzt über ihren Anwalt beim Jugendamt Druck gemacht. „Danach ging’s plötzlich.“

Eigentlich wollte die Bergheimerin schon seit einem Jahr wieder arbeiten. „Beworben hatte ich mich um einen Platz für Lili schon vor ihrem ersten Geburtstag.“ Doch im vergangenen Herbst ging sie leer aus, musste ihre Elternzeit noch einmal verlängern. „Zum Glück habe ich einen Arbeitgeber, der das mitgemacht hat“, sagt sie.

Mehrfach habe sie auch jetzt wieder beim Jugendamt angerufen, ihre Situation geschildert. „Doch man hat mich hingehalten, mich gedrängt, mein gewünschtes Kontingent von 25 Stunden aufzustocken, weil das angeblich meine Chancen erhöhen würde“, berichtet die Mutter. Nach der Zusage überwiegt die Erleichterung den Ärger: „Es ist zwar nicht die Erstwunsch-Kita, aber die Einrichtung ist nur einen Kilometer entfernt – es ist für mich eine gute Lösung.“

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