Jugendarbeit

Das Haus 45 in Homberg kämpft ums Überleben

Auch auf dem Foto wollen Konrad Donaubauer und seine Kollegin Doris Schulz nicht im Mittelpunkt stehen. Wichtiger sind ihnen die Kinder, die ins Haus 45 in Hochheide zur Hausaufgabenbetreuung kommen. Foto:

Auch auf dem Foto wollen Konrad Donaubauer und seine Kollegin Doris Schulz nicht im Mittelpunkt stehen. Wichtiger sind ihnen die Kinder, die ins Haus 45 in Hochheide zur Hausaufgabenbetreuung kommen. Foto:

Foto: schäffer / Evangelische Kirche

Homberg.  Die Stadt will der kirchlichen Jugendeinrichtung in Hochheide Zuschüsse kürzen. Mit den Jugendlichen macht Leiter Konrad Donaubauer dagegen mobil

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

In aussichtslosen Situationen hilft Gottvertrauen. Das muss Konrad Donaubauer haben, denn er leitet das Haus 45, die Einrichtung der evangelischen Kirche für die offene Kinder- und Jugendarbeit in Hochheide, die von der Schließung bedroht ist. Darüber wird in der nächsten Woche am Freitag der städtische Jugendhilfeausschuss entscheiden. Gestern haben der 41-Jährige, der seit zwölfeinhalb Jahren in der Einrichtung arbeitet, und seine Kollegin Doris Schulz mit den Jugendlichen ein Video über die Einrichtung gedreht und was es für sie bedeuten würde, wenn sie schließt.

Der Film soll kommenden Dienstag ebenso wie die Unterschriften, die sie gegen die Schließung sammeln, Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann (SPD) und Klaus Radny (CDU) übergeben werden. Ein paar hundert werden es schon werden, schätzt Donaubauer, der mit den Jugendlichen am vergangenen Samstag auf dem Markt in Hochheide Unterschriften gesammelt hatte. „Da haben wir gespürt, dass die Leute unsere Arbeit schätzen.“ Zu Unterschriften gebeten werden mussten sie nicht lange. Die Listen kursieren in den Schulen, liegen in der Kirche und im Haus 45 aus. Wichtiger als die Bezirksvertretung, die die Schließung einstimmig abgelehnt hat, das weiß Donaubauer, sind die Ausschussmitglieder. Ihnen möchte er die Notwendigkeit der weiteren Förderung im Interesse der Kinder und Jugendlichen deutlich machen. Der stellvertretende Sprecher der SPD hat ihm da wenig Hoffnung gemacht. Zu weit gediehen seien die Planungen.

Insgesamt wird die Jugendarbeit in der Stadt gestärkt

Das Problem: Aus der gesamtstädtischen Perspektive wirkt die Neukonzeptionierung der offenen Kinder- und Jugendarbeit positiv, schießt die Stadt doch 140 000 Euro zusätzlich ins System. Von dieser Summe profitieren viele Einrichtungen durch zusätzliche Stellen. Nur in zwei Stadtteilen wird gestrichen und die liegen beide im Duisburger Westen: Homberg und Rheinhausen. Würde der städtische Personalzuschuss von von 49.000 Euro (für eine ganze Stelle) im nächsten Jahr gestrichen, würde dies das Ende der offenen Jugendarbeit bedeuten, macht er klar. Die Summe, um die es geht, sei noch nicht einmal ein Prozent der städtischen Ausgaben für die offene Kinder- und Jugendarbeit.

Grundlage der Entscheidung ist ein Ranking der Stadtteile, das auf Grundlage zahlreicher Sozialindikatoren von 2015 erstellt worden ist. Dass die Argumentation der Stadtverwaltung auf sehr wackligen Füßen steht, hatten vor ein paar Tagen in der Rheinhauser Bezirksvertretung, die die Schließung einstimmig ablehnte, der SPD-Fraktionschef Marcus Mellenthin sowie Ratsherr Rainer Friedrich an einigen Beispielen verdeutlicht. Sie beklagten auch, dass so Einrichtungen und Stadtteile gegeneinander ausgespielt würden.

Die drei Jugendeinrichtungen in Hochheide kooperieren

Donaubauer möchte gar nicht darüber hinwegsehen, dass sich in Hochheide drei Einrichtungen um Kinder und Jugendliche kümmern. Aber Überversorgung? „Wir haben unterschiedliche Zielgruppen und Schwerpunkte und arbeiten gut zusammen.“ Im Haus 45 stehen Kinder im Mittelpunkt, deren Eltern ihnen den Besuch des Offenen Ganztages nicht ermöglichen können.

Das Angebot werde gerne angenommen. „An einem normalen Offenen-Tür-Tag haben wir 30 Kids im Haus. 15 davon machen hier ihre Hausaufgaben und werden dabei von uns unterstützt“, erzählt der 41-jährige Leiter. Primär helfen sie Kindern im Grundschulalter. Aber wenn ältere Jugendliche kommen, bekommen sie auch Hilfe. „Genauso, wenn sie Stress mit ihren Eltern, anderen Jugendlichen oder Liebeskummer haben“, ergänzt er. Ins Haus 45 kommen außerdem auch Kinder aus Syrien oder Afghanistan, die aus unterschiedlichen Gründen noch keinen Platz in der Schule zugewiesen bekommen haben. Auch ihnen möchte die Kirche die Integration und den Kontakt zu Gleichaltrigen ermöglichen. Das bedeute auch Hilfestellung beim Sprachtraining.

Auf Ehrenamt angewiesen

Das zweiköpfige Team ist auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen und dankbar für ein Netzwerk, das sich im Stadteil gebildet hat. Zwei Ehrenamtliche helfen und außerdem kommen einmal in der Woche Schüler des Franz-Haniel-Gymnasiums, um im Projekt Sozialkompetenz ihre Altersgenossen zu unterstützen. Daneben gibt es auch Aktivitäten, die nicht in den von der Stadt geförderten Bereich fallen. Natürlich hat die Kirche in Gesprächen mit dem Jugendamt inhaltlich argumentiert. Das Jugendamt zollte zwar Anerkennung für die gute und verlässliche Arbeit, konnte aber nur Sachzwänge nennen und die Konsequenz bedauern.

„Überrumpelt und übergangen“

Bitter findet es Donaubauer, dass die Kirche bei dieser unglücklichen Entscheidung „überrumpelt und übergangen“ wurde. „Wir haben nach den Sommerferien rein zufällig davon erfahren.“ Dabei legt Jugendamtsleiter Hinrich Köpcke in seinen Vorträgen bei der Politik immer Wert darauf, dass der Prozess transparent und im Dialog mit den freien Trägern entwickelt wurde. Das war 2015 auch der politische Auftrag.

Ursprünglich sollten die Würfel im Jugendhilfeausschuss bereits am 5. November fallen, aber die Sitzung wurde verschoben. Ob das ein gutes Zeichen sei und Nachdenken signalisieren könnte, weiß Donaubauer nicht. Er gibt die Hoffnung für eine positive Entscheidung aber noch nicht auf.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben