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Duisburger baut Hightech-Loks auf Schienen im Maßstab 1:35

Hobby-Eisenbahner Dieter Holtbrügger baut nicht nur Modellanlagen, sondern auch Loks und Waggons.

Hobby-Eisenbahner Dieter Holtbrügger baut nicht nur Modellanlagen, sondern auch Loks und Waggons.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.   Hobby-Eisenbahner Dieter Holtbrügger aus Duisburg baut nicht nur Modellanlagen, sondern auch Loks und Waggons, die so nicht zu kaufen sind.

Wer hätte das gedacht: Mitten in Wehofen werden Lokomotiven und Waggons gebaut. Allerdings keine viele Tonnen schweren Originale, sondern solche im Maßstab 1:32. Loks in dieser Größe bringen immerhin bis zu fünf Kilo auf die Waage. Dafür passen die Modelle aber in das Dachgeschoss des Hauses von Dieter Holtbrügger. Von Klein an hat der ein besonderes Faible für die Eisenbahn. Was es im Handel nicht zu kaufen gibt, baut er inzwischen selber.

„Die Begeisterung dafür habe ich von meinem Vater“, lächelt der 56-jährige Versicherungskaufmann. Der Papa ist als Hydraulikschlosser bei der VTG selbst auf Werkbahnen gefahren. „Als Kind habe ich mit ihm Teppich-Bahning betrieben“, erinnert sich Holtbrügger. Will heißen: die Schienen handelsüblicher Modelleisenbahnen wurden zusammen gesteckt, die Züge drauf gesetzt und los ging es.

Mehrere Vitrinen im Treppenhaus

Doch schon bald reichte Dieter Holtbrügger das nicht mehr. „Es kam die erste richtige Anlage.“ Und das Interesse des Duisburgers war so groß, dass er sogar Modelleisenbahnseminare besuchte. „Da bekommt man ganz neue Blickwinkel für die Sache.“ Über den Anlagenbau kam der Enthusiast dazu, auch erste Lokomotiven selbst umzubauen. „Zunächst alles noch im Maßstab 1:87.“ Mehrere Vitrinen im Treppenhaus seiner Wohnung belegen diese persönliche Entwicklungsepoche.

Der Maßstab HO aber wurde für die Detailversessenheit Holtbrüggers bald zu klein. Und so verlegte er sich auf die Nenngröße 1. Besonders Werkbahnen haben es ihm angetan. Und so stehen auf einer noch nicht ganz fertig gestellten Modellgleisanlage unter dem Dach nun Lokomotiven, die so auch bei Unternehmen in der Region fahren oder gefahren sind. „Das hier ist eine Vossloh G 1206, Baureihe 275“, schwärmt Dieter Holbrügger. Die Lok, die er auch schon einmal in kleinerem Maßstab gebaut hat, fährt genau so bei duisport-rail. Und wenn das Modell fährt, gibt es natürlich auch originale Fahrgeräusche von sich, inklusive hässlichem Kreischen beim Bremsen. „Da freuen sich auch die Nachbarn“, grinst der stolze Besitzer. Gleich nebenan stehen eine DH 1004 der NIAG und eine Henschel DHG 700 der Stadt Mülheim.

Eine Lok mit besonderer Geschichte

Und gerade baut der Konstrukteur eine Rangierlok der VTG nach. Eine Lok mit einer besonderen Geschichte: „Ich hatte ein altes Foto, auf dem mein Vater zu sehen war, wie er aus dem Führerstand schaut.“ Leider war auf dem Bild nur ein kleiner Teil der Lok zu sehen. Doch mit Hilfe von Internet-Foren, in denen sich ähnlich liebenswert Verrückte wie er selbst tummeln, gab es schnell die richtigen Hinweise. Dieter Holtbrügger bekam heraus, wo solch eine Lok noch zu finden ist und bekam dort nicht nur die Gelegenheit, alles aus jedem Blickwinkel zu fotografieren, sondern wurde für die genauen Maße auch noch mit Original-Plänen ausgestattet.

„So war es nicht so schwer, am Computer einen maßstabgerechten Plan zu entwerfen“, erklärt er. Das habe nur ein paar Wochen gedauert, sagt er todernst. Die Bauteile für das Lok-Chassis ließ er auf Grundlage seiner Pläne von einer Spezialfirma anfertigen. Die Inneneinrichtung mit Licht und Sound macht er dagegen selbst. Und auch eine passende Figur zu der Lok hat er schon: Ein Bahner in Arbeits-Latzhose, der genau wie sein Vater auf dem Foto aussieht.

Hat der Mann sonst noch Hobbys? „Ich baue auch Fahrzeuge im Maßstab 1:35“, erklärt Holtbrügger. Ein Faible hat er insbesondere für Versionen des Unimog 404, zum Beispiel der Feuerwehr oder des THW. Natürlich auch wieder mit Blaulicht und Tatütata. „So ein en Unimog habe ich damals bei der Bundeswehr gefahren“, begründet er seine Faszination. „Und ich bin eine Art Kollege“, lächelt er verschämt. Weil er auch für Modellbahnfachzeitschriften schreibt.

„Ich bin außerdem ein begeisterter Turnier-Tänzer. Zusammen mit meiner Frau.“ Ach, tatsächlich? Eine Frau hat er auch? Und zwei Kinder! Holtbrügger lacht. „Meine Frau sagt immer, sie hat mich lieber unter dem Dach hocken, als dass ich in der Kneipe oder im Stadion sitze.“ Nur die Gartenbahn darf er nicht mehr aufbauen. Da waren dann doch dauerhaft zu viele Kinder aus der Nachbarschaft zu Gast.

So ein Hobby braucht Platz

Wer ihn so reden hört, begreift schnell, dass ausgefallene Hobbys ausgeglichene Menschen produzieren. Probleme hat Dieter Holtbrügger nur in einer Hinsicht: „Bis vor ein paar Wochen hatte ich in Meiderich eine schöne Hinterhofwerkstatt, wo ich ohne jemanden zu stören fräsen, sägen und lackieren konnte.“

Auf der Suche nach einem Werkraum

Der Eigentümer kündigte wegen Eigenbedarfs. „Deshalb sieht es unter meinem Dach nun auch so chaotisch und vollgestopft aus“, bedauert Holtbrügger.

„Vielleicht könnten sie ja mal schreiben, dass ich dringend einen neuen Raum suche. Es darf auch gerne was sein, was man als gewerbliche Immobilie so nicht mehr vermieten kann. Ich brauche nur einen Stromanschluss. So 25 Quadratmeter groß, oder etwas mehr. Und nicht so teuer. Und am besten im Duisburger Norden.“ Okay. Mache ich. Wer ein solches Objekt vermieten will, kann sich unter Telefon 0171/2603506 melden. Und vielleicht darf er ja dann auch mal eine Runde mit einer Werkbahn drehen. Im Maßstab 1:32, versteht sich.

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