Interview der Woche

Duisburger Philharmoniker starten früh in die Spielzeit

Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker, im Interview der Woche.

Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker, im Interview der Woche.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Bei der Ruhrtriennale spielen die Duisburger Philharmoniker ein Konzert mit dem Chorwerk Ruhr in Gladbeck. Es soll eine besondere Saison werden.

Die Begleitung des Stummfilms „Der General“ beim Sommerkino und das Gastspiel im renommierten Concertgebouw in Amsterdam liegen noch gar nicht lange zurück, da beginnen schon in einer Woche die Proben für das Ruhrtriennale-Konzert mit dem Chorwerk Ruhr am 31. August in Gladbeck. Über ein dichtes Programm, die Besonderheiten der beginnenden Saison und die Frage, wie neues Publikum gewonnen werden soll, sprachen wir mit Intendant Dr. Alfred Wendel.

Hat sich die Sommerpause 2019 für die Duisburger Philharmoniker kurz angefühlt?

Dr. Alfred Wendel: Ja, verhältnismäßig, aber es war ein wunderschöner Abschluss! Das Sommerkino war wieder ein großer Erfolg, drei Vorstellungen ausverkauft. Da hatten wir uns mit der guten Stimmung schon eingegroovt, dann rübergefahren zum Concertgebouw – das war wirklich der beste Abschluss, den man sich denken konnte. Wir hatten Axel Kober dabei, alle waren in Hochform, und wir hatten tatsächlich komplett ausverkauftes Haus dort. Das Orchester ist über sich hinausgewachsen. Bei Dvorak, der „Neuen Welt“ hat das Publikum gerast. Das Orchester ist glücklich gewesen. Wir sind alle ganz happy in die Ferien.

Und jetzt geht es ja schon vorzeitig in die neue Saison mit dem Ruhrtriennale-Konzert am 31. August in der Maschinenhalle Zweckel.

Ja, die ersten Musiker sind schon gesehen worden, die müssen ja rechtzeitig üben, damit sie bei der ersten Vorstellung auch in Form sind. Man muss mindestes eine Woche vorher anfangen. Am 28. beginnen die Proben für das Konzert mit dem Chorwerk Ruhr, eine neue Produktion, „Coro“ von Luciano Berio und die Barockmesse von Alessandro Striggio. Bei Berio wird colla parte gespielt, also ein Chorist und daneben ein Musiker. Beim Striggio werden wir in Gruppen an verschiedenen Positionen aufgestellt, insgesamt 40 Musiker, überwiegend Bläser. Da sind wir ganz glücklich, dass wir dabei sein dürfen.

Und dann geht es gleich am 6. September mit dem Haniel Open Air weiter.

Ja, damit sind wir kräftig beschäftigt, das Sicherheitskonzept steht im Großen und Ganzen, das läuft alles ganz gut. Wir sind routiniert, aber Kleinigkeiten sind jedesmal anders. Und es wird ein tolles Programm.

Das Programm steht schon fest?

Im Großen und Ganzen ja, wir machen Beethoven und Aida, im Einzelnen berichten wir dann Ende August. Und dann spielt ja diesmal auch die Götz Alsmann Band mit, er wird moderieren und am Klavier sitzen. Da gibt es so was Tolles wie „Das machen nur die Beine von Dolores“, also wirklich witzige Sachen.

Welche Besonderheiten hat diese Saison?

Ja besonders ist schon der Start mit einer Reihe von kleinen Formaten. Zweimal machen wir „Farben einer Nacht“, das war in der letzten Saison erfolgreich und ist ein schönes Projekt mit einer Mischung aus Popmusik und klassischer Musik. Publikum und Musiker sitzen auf der Bühne, es werden Texte gelesen von Jörg Maria Welke und Veronika Maruhn. Das war so eindrucksvoll! Dann haben wir im Lehmbruck-Museum „BachBauHaus“. Die Sängerin Julia Sophie Wagner hatte die Idee, etwas mit Bauhaus zu machen – mit einem Barockensemble und einer tollen Flötistin, Elisabeth Champollion. Und dann haben wir noch das Montepulciano-Konzert. Unsere Posaunisten waren im Juni dort und haben Workshops mitgemacht. Sie bieten am 22. September ein tolles Posaunenprogramm von der Renaissance bis zur Romantik an.

Einen Tag zuvor ist schon das WDR-Sinfonieorchester zu Gast.

Ja, und das ist jetzt mal ein neues Format. Wir haben uns da an den Erfolg der anderen Häuser mit der Serie „Happy Hour“ angehängt. Bei uns war es ja immer ein bisschen schwierig, das WDR-Konzert vollzukriegen. Aber ich dachte, wenn das bei den anderen so klasse läuft, dann probieren wir das auch mal. Es ist ein tolles Stück von Fazil Say, die Istanbul Symphony, bei der auch türkische Instrumente dabei sind. Das Konzept ist eine Stunde, ein Werk, und das Ganze wird moderiert. Und anschließend gibt es ein Freigetränk mit den Musikern. Zum absoluten Sonderpreis von 15 Euro, auf allen Plätzen gleich.

Und dann kommt irgendwann das erste Philharmonische.

Erstmal haben wir das Kammerkonzert, damit steigen wir ein. Wir freuen uns, dass wir Jana Gergova wiedersehen mit dem Image Trio, sie war vor etwa zehn Jahren hier Stellvertreterin auf einer Konzertmeisterstelle. Und dann kommt das Philharmonische Konzert mit dem ersten Gastdirigenten Benjamin Shwartz, der hatte die tolle Idee, vor dem Bruch-Violinkonzert Esa-Pekka Salonens „Pollux“ zu spielen, was wir jetzt als Deutsche Erstaufführung machen. Die Idee beim Programm war schon, eine Menge von den ganzen Stücken des Repertoires unterzubringen.

Wie bemühen Sie sich um neue Besucher?

Wir haben die Erfahrung in der letzten Saison gemacht, dass die Abonnentenzahlen – nicht die Besucherzahlen – etwas runtergegangen sind. Jetzt machen wir erstmal ein richtig fulminantes Konzertprogramm, und dann entwickeln wir Aktivitäten, um neue Abonnenten zu gewinnen. Die Tendenz ist, dass die Leute sich lieber nicht festlegen, sondern kurzfristig kaufen, auch sehr kurzfristig. Bei den großen Konzerten ist es aber schön, wenn man erstmal ne sichere Bank hat.

Und wie sind sich auf „Essen mit Anna“ gekommen, der Residenzkünstlerin Anna Malikova?

Ich war mal bei ihr in Meerbusch zum Essen eingeladen, da gab es ihr selbst gekochtes Plov. Sie ist ja aus Usbekistan und hat eine ganz interessant Vita. Jetzt machen wir das Angebot, das Abonnenten, die Abonnenten werben, mit uns einen Abend im Duisburger Hof gewinnen können. Plov wird nach ihrem Rezept gekocht, sie spricht über Gerichte aus Usbekistan und spielt kleine Klavierstücke. Das kommt gut an, es hat schon mehrere Anmeldungen gegeben.

Ist es ein demografisches Problem, dass weniger Besucher kommen?

Wir können uns nicht beklagen bei der Auslastung, aber eigentlich ist man erst zufrieden, wenn man so gut wie ausverkauft ist. Und wir wollen die Abonnentenzahlen wieder auf die Zeit bekommen, bevor wir ins Theater am Marientor mussten. Vorher lagen wir immer so bei 900 Abonnenten pro Konzert, jetzt liegen wir bei 800 pro Konzert. Es war in der letzten Saison auffällig, dass viele Abonnenten, die seit 40, sogar 50 Jahren dabei sind, schreiben, dass sie nicht mehr kommen können. In selbem Maße wachsen die Abonnenten nicht nach.

Denken Sie über neue Konzertformate nach?

Wir sprechen mit „Kai and Friends“ und „Beat“ schon viel jüngeres Publikum an, das kann man vielleicht ausbauen. Aber bei der jetzigen Struktur können wir im Dienstplan nicht mehr viele zusätzliche Sachen unterbringen. Man kann darüber nachdenken – aber da würde ich erst eine Publikumsbefragung durchführen – ob man vielleicht die Philharmonischen Konzerte von zwölf auf zehn reduziert. Manchen kommt das ohnehin viel vor, alle drei Wochen zum Konzert zu gehen. Das müssten wir aber erstmal eruieren, und dann hätte man Freiräume für neue Konzepte: kurze Formate, unterschiedliche Formate für unterschiedliche Zielgruppen.

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