Wissenschaft und Astronomie

Duisburger Professor fände ein Leben auf dem Mond zu öde

Prof. Dr. Gerhard Wurm ist Physiker. Er forscht an der Universität Duisburg-Essen über die Entstehung von Planeten.

Prof. Dr. Gerhard Wurm ist Physiker. Er forscht an der Universität Duisburg-Essen über die Entstehung von Planeten.

Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Anlässlich des 50. Jahrestages der Mondlandung erklärt Gerhard Wurm, Duisburger Professor für Astrophysik, warum ein Leben dort zu öde wäre.

„Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit.“ Diese Worte sprach US-Astronaut Neil Armstrong, als er vor 50 Jahren als Erster den Mond betrat. Anlässlich des Jahrestages blickte Professer Dr. Gerhard Wurm von der Fakultät für Experimentalphysik und Astrophysik an der Universität Duisburg-Essen im Interview mit WAZ-Redakteur Thomas Richter hinauf zum Erdtrabanten.

Herr Professor, vor einem halben Jahrhundert wagten die ersten Menschen Schritte auf dem Mond. Wie viele Jahre hatte der da eigentlich schon auf dem Buckel?

Rund 4,5 Milliarden! Der Mond ist damit etwas jünger als unsere Erde – etwa 100 Millionen Jahre. In der Zeit der Planetenentstehung ist ein riesiger Himmelskörper, der etwa ein Zehntel der Erdmasse hatte, mit unserem noch jungen Planeten zusammengestoßen. Aus den Überresten der Kollision ist dann quasi unser Mond entstanden.

Der Jupiter hat rund 70 Monde, die Erde nur einen einzigen. Warum?

Das ist nicht miteinander vergleichbar. Der Jupiter hat viel mehr Masse und ist etwa 300 Mal so schwer wie die Erde. Er hat viel mehr Anziehungskraft und sein Wirkungsraum reicht deutlich weiter. Daher sind die meisten Monde auch nicht in seiner Nähe entstanden, sondern stammen aus anderen Regionen des Sonnensystems. Der innerste Jupiter-Mond Io ist vor allem bekannt für seinen ausgeprägten Vulkanismus.

An der Oberfläche unseres Mondes sollen die US-Astronauten ja damals auch Magmarückstände entdeckt haben.

Unser Mond war im Inneren mal flüssig. Jetzt ist aber alles abgekühlt. Die meisten Krater auf dem Mond entstanden durch Meteoriteneinschläge, einige sind vulkanischen Ursprungs – daher die Magmareste.

Wie wichtig waren die Apollo-Missionen für die heutige Forschung?

Die Entscheidung, damals zum Mond zu reisen, hatte vor allem politische Gründe. Die USA wollten den Russen und der Welt ihre technische Überlegenheit demonstrieren. Aus wissenschaftlicher Sicht waren sicherlich die Gesteinsproben interessant, die mitgebracht wurden. Mit ihnen konnte die Geschichte des Mondes und seine Entstehung viel besser rekonstruiert werden. Die Steine vom Mond wiesen nämlich eine ähnliche Zusammensetzung wie Gesteine auf unserer Erde auf.

Welchen Einfluss hat der Mond auf unseren Planeten?

Er ist Auslöser der Gezeiten, er stabilisiert aber auch unsere Erdachse. Und er ist für uns Menschen als größtes Himmelsobjekt natürlich auch wunderschön anzuschauen. Ich halte aber nichts von so abergläubischen Theorien wie, dass man etwa bei abnehmendem Mond nicht die Fenster reinigen soll, weil das Schlieren hinterlassen würde. Für mich ist das nur eine Ausrede, um 14 Tage nicht putzen zu müssen.

Es gab schon immer hartnäckige Verschwörungstheorien, die bezweifeln, dass die Mondlandung stattgefunden hat. Glauben sie daran, dass Menschen dort waren.

Ja! Wir waren da! Die Astronauten haben damals nicht nur ihre Mondmobile, sondern auch Reflektoren hinterlassen. Mit denen lässt sich per Laserstrahl auch prima der Abstand zwischen Erde und Mond bemessen – etwa 385.000 Kilometer. Und der Abstand wächst von Jahr zu Jahr.

Warum sind die Hinterlassenschaften auf dem Mond dann nicht durch Teleskope zu entdecken?

So leistungsstarke gibt es noch nicht. Das ist noch abseits unseres Auflösungsvermögens. Der Spiegeldurchmesser des Teleskops ist das Entscheidende. Je größer er ist, desto detailliertere Bilder liefert er. Wir sprechen hier über Gegenstände, die nur wenige Meter lang sind. Vielleicht schafft es die nächste Teleskop-Generation ja, das abzubilden. Das wird aber noch Jahre dauern.

Würden weitere Missionen zum Mond überhaupt Sinn machen?

Aber ja! Die Ziele wären doch heute ganz andere. Der Mensch will mal zum Mars reisen. Der Mond könnte auf dem Weg dorthin die ideale Zwischenstation sein. Dort könnte etwa das Raumschiff zusammengebaut werden, mit dem es weiter zum Mars ginge. Vom Mond würde man viel weniger Treibstoff bis zum Mars benötigen, als wenn man direkt von der Erde aufbrechen würde. Zudem könnten auf der abgewandten Seite des Mondes Teleskope aufgestellt werden. Dort gibt es keine Störungen durch von Menschen gemachte Strahlungen und auch keine Atmosphäre. Beides sorgt für bessere Beobachtungsbedingungen.

Gucken Sie auch mal zum Mond?

Na sicher, der Mond ist cool. Wenn man ihn durch dass 14-Zoll-Spiegelteleskop unseres Instituts anschaut, wirkt er sagenhaft plastisch.

Wenn sie selbst zum Mond fliegen dürften, was würden sie dahin mitnehmen und was zurückbringen?

Ich würde einen sehr guten Fotoapparat mitnehmen, um von dort oben Bilder von unserer Erde zu machen. Und mitbringen würde ich mir Steine und Mondstaub – etwas Anderes gibt es dort oben ja nicht (lacht).

Wie sieht der Mond in 50 Jahren aus?

Der Mond ist bei den Raumfahrt-Nationen gerade wieder voll „in“. Ich bin mir sicher, dass schon im nächsten Jahrzehnt wieder Menschen auf dem Mond landen werden. Und in 50 Jahren werden dort sicher schon kleinere Stationen und Labore dort zu finden sein. Dort arbeiten? Ja! Aber auf Dauer dort leben dürfte wegen der Strahlung nicht möglich sein. Ich würde dort auch nicht leben wollen. Dafür ist mir der Mond einfach zu öde.

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