Duisburger Stadtfest

Duisburger Stadtfest geht nach vier Tagen friedlich zu Ende

Beim Auftritt von Christian Anders am Samstagabend drängten sich Hunderte Besucher um die Hauptbühne am City-Palais.

Beim Auftritt von Christian Anders am Samstagabend drängten sich Hunderte Besucher um die Hauptbühne am City-Palais.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Zehntausende Besucher feierten an vier Tagen beim Duisburger Stadtfest eine stimmungsvolle Open-Air-Party. Polizei vermeldet kaum Einsätze.

Stell dir vor, es ist nach 20 Uhr – und die Duisburger City ist immer noch brechend voll. Keine Frage: Dann muss Stadtfest-Zeit sein. Zehntausende Besucher zogen nach dem gut besuchten Auftakt am Donnerstag auch von Freitag- bis Sonntagabend über die Königstraße bis zum Kuhtor. Auf zwei Bühnen wurden die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker von Schlager bis Rock bestens bedient. Und sogar das Wetter spielte mit – von einigen wenigen schaurigen Ausnahmen einmal abgesehen.

Stadtfest, das ist immer eine Mischung aus Kirmes, Fressmeile, Trödelmarkt und Musikkonzert. Doch das wichtigste Argument für einen Besuch ist für viele Gäste die hohe Wiedersehensquote: Beim Bummeln über die Fußgängerzone oder beim Zwischenstopp an einem der vielen Bierstände erkennt jeder mindestens ein bekanntes Gesicht aus Freundeskreis oder Nachbarschaft. Was folgt, ist dann meistens ein gemeinsames Bierchen und ein kleines Schwätzchen. Das erzeugt natürlich eine beträchtliche Geräuschkulisse.

Ray Wilson zählt zu den beliebten Stadtfest-Stammgästen

Gegen ein solches Stimmengewirr im Hintergrund hatten am Freitagabend auch Ray Wilson und seine Band auf der Stadtwerke-Bühne zwischen City-Palais und Forum anzuspielen. Das erledigten die sieben Musiker aber mit der gewohnten Gelassenheit und großer Spielfreude. Wilson ist seit Jahren ein gerne gesehener Stadtfest-Stammgast. „Inzwischen fühlt sich das für mich fast wie ein zweiter Geburtstag an. Wenn ich hier in Duisburg spiele, weiß ich, dass schon wieder ein Jahr älter geworden bin“, erzählte der 50-Jährige, dessen Bart inzwischen sichtlich ergraut ist, zwischen zwei Liedern. Bei ihm als Schotte sei es aber genau wie mit dem Whisky aus seiner Heimat: Je älter er werde, um so attraktiver sei er. Da hatte Wilson die Lacher des Publikums sofort auf seiner Seite.

In seinem zweistündigen Set bot er die gewohnte Mischung aus alten Hits seiner früheren Band Genesis, für die er nach dem Ausscheiden von Phil Collins im Jahr 1996 als neuer Sänger nachgerückt war. Ob „Land of Confusion“, „Home by the Sea“ oder „The Carpet Crawlers“: Gerade die älteren Semester in den dicht besetzten Zuhörerreihen sangen beherzt mit. Am lautesten dann bei „Follow You, Follow Me“ und „Solsbury Hill“, das aus der Feder von Ex-Genesis-Sänger Peter Gabriel stammt. Weitere Höhepunkte bei Wilsons Auftritt: Sein Bowie-Cover „Heroes“ sowie das Zugaben-Set mit vielen Springsteen-Klassikern („Im on Fire“, „The River“ und „Born to Run“).

Beim Auftritt der DSDS-Kandidaten am späten Samstagabend kam der große Regen

„Mich stört nicht, dass Ray Wilson jedes Jahr wiederkommt. Ich finde seine Auftritte immer super“, sagte Besucher Ralf Schäfer, der mit Freunden auf dem Stadtfest unterwegs war. Auch Frank Mallmann mag die Musik des Schotten. Er lauscht aber bevorzugt aus dem Hintergrund, während seine Frau Sandra und Freunde einen Platz ganz vorn an der Bühne bevorzugen. Sie alle verabschieden Wilson und Mitstreiter nach zwei starken Stunden mit donnerndem Applaus.

Samstagnachmittag ging dann nach zwei wunderbaren Stadtfest-Sommertagen zuvor das erste Unwetter über der City hernieder. Wer keinen Regenschirm dabei hatte, flüchtete unter die Glasbedachungen der Fußgängerzone. Dieses Schauspiel wiederholte sich am späten Samstagabend, als zahlreiche Kandidaten der letzten Staffel der TV-Castingshow „DSDS“ auf die Bühne traten. Die vielen jungen Fans, die den Sänger-Nachwuchs teils mit lautem Kreischen begrüßten, ließen sich dadurch aber nicht ihre Partylaune verderben.

Jörg Bausch ist mit seinen tanzbaren Schlagern ein Stimmungsgarant

Mehr Einsehen hatte Wettergott Petrus mit Christian Anders: Der Altbarde mit dem schlohweißen Haar, das er zum Pferdeschwanz gebunden hatte, hat bei seinem Auftritt zwar den Bewegungsradius eines Salzsäule, bei seinen Hits wie „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“ oder „Sierra Madre del Sur“ geraten aber immerhin die Besucher vor der Bühne in Wallung. Da hat Jörg Bausch schon einen deutlich energetischeren Auftritt zu bieten. Auch er zählt wie Ray Wilson zur Kategorie „Alle-Jahre-wieder-Gast“. Das stört aber keinen Besucher, von denen so mancher ein MSV-Trikot trug. Nach dem 4:1-Saisonauftaktsieg der Zebras waren viele Fußballfans direkt aus der Arena zum Stadtfest gekommen. Und bei Bausch-Hits wie „Wir rocken das Leben“ oder „Wie ein Wolf in der nacht“ lässt es sich mindestens ebenso prima mittanzen und mitfeiern wie beim legendären Zebra-Twist.

Am Sonntag stieg rund um die Kuhtor-Bühne dann vie vierte Auflage des Sommerbiwaks der Duisburger Jecken. „Das ist inzwischen eine feste Größe beim Stadtfest“, freute sich Michael Janssen vom Hauptausschuss Duisburger Karneval. Auch der kommende Karnevalsprinz Sascha Wulf und der designierte Kinderprinz Luca II. stellten sich den zahlreichen Zuschauern vor.

Ein positives Fazit zog auch Stadtfest-Organisator Ralf Pape, der am Sonntag seinen Geburtstag feierte. „Schön, dass alles Tage so gut besucht waren. Und schön, dass es so friedlich geblieben ist.“ Das bestätigte auch die Duisburger Polizei. Am Donnerstag und Freitag habe es so gut wie keine Einsätze gegeben. Am Samstag wurden einige wenige Handgreiflichkeiten rund um den König-Heinrich-Platz von Ordern und Polizei im Keim erstickt. In allen Fällen hatten die Raufbolde zuvor zu tief ins Bierglas geschaut.

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