20 Jahre Horizonte

Duisburger Unternehmen setzt auf Menschen mit Handicap

Man merkt es ihm nicht an, aber Oliver Milszewski hat ein Handicap. Im Integrationsbetrieb Horizonte wird er zum Gebäudereiniger ausgebildet.

Man merkt es ihm nicht an, aber Oliver Milszewski hat ein Handicap. Im Integrationsbetrieb Horizonte wird er zum Gebäudereiniger ausgebildet.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg.   Menschen mit Handicap wie der Azubi Oliver Milszewski arbeiten beim Duisburger Unternehmen Horizonte, das 20-jähriges Bestehen feiert.

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Er hat 50 Bewerbungen geschrieben, mehrere Vorstellungsgespräche gehabt. Am Ende gab es für Oliver Milszewski immer eine Absage – bis er vor einem Jahr seine Chance bei Horizonte bekam. In dem Marxloher Unternehmen macht der 22-Jährige nun eine Ausbildung zum Gebäudereiniger. Das Besondere: Der Duisburger hat eine erblich bedingte Krankheit, bei der der Sehnerv betroffen ist. Auf dem linken Auge sieht er zehn, auf dem rechten gerade einmal fünf Prozent. Für Horizonte war das kein Grund, den jungen Mann nicht einzustellen. Ganz im Gegenteil. Knapp die Hälfte der Mitarbeiter hier ist körperlich oder psychisch beeinträchtigt.

Arbeit in Teams

„Wir sind ein ganz normaler Handwerksbetrieb. Uns ist es wichtig, herauszustellen, dass unsere Mitarbeiter nicht bei uns sind, weil sie ein Handicap haben, sondern weil sie gut sind“, stellt Stefan Karl Schult­heis klar. Er ist Geschäftsführer des Integrationsunternehmens, das 2018 sein 20-jähriges Bestehen feiert. 30 der insgesamt 70 Fachkräfte in vier verschiedenen Meister-Sparten sind gehörlos oder körperlich behindert, manche sind psychisch erkrankt. „Bei uns wird in Teams gearbeitet – Mitarbeiter mit und ohne Handicap zusammen. Und das funktioniert“, so Schultheis.

Bei Oliver Milszewski war ihm schnell klar, dass er gut ins Unternehmen passt. „Die Signale von seinem Meister waren positiv und wir sind sehr zufrieden mit seinen Leistungen in der Berufsschule“, so Schultheis.

Er weiß aber auch: „Mit Praxis und Theorie ist die Ausbildung eine Doppelbelastung. Herr Milszewski muss in die Berufsschule zum Beispiel bis nach Düsseldorf pendeln. Wenn unsere Auszubildenden die Lehre aber packen, übernehmen wir sie gerne.“

Es mangelt an Nachwuchs

Denn an Nachwuchs mangelt es. In diesem Jahr lassen sich nur zwei Azubis zum Gärtner ausbilden. Die anderen Stellen blieben unbesetzt. „Vielleicht liegt das am schlechten Image“, mutmaßt Schultheis. „Die Ausbildung ist aber eine gut bezahlte Perspektive für junge Menschen.“

Gartenbau, Landschaftspflege, Gebäudereinigung sowie Maler und Lackiererarbeiten: Die vier Meisterteams sind vor allem für Kunden aus dem privatwirtschaftlichen Bereich quer durch das Ruhrgebiet und sogar in Köln tätig. Oliver Milszewski reinigt zum Beispiel regelmäßig die Gebäude an der Mülheimer Rennbahn. Für ihn ist die Glasreinigung am schwierigsten: „Ich sehe die Schlieren nicht so, aber wenn ich ein paarmal drüberputze geht es.“

Obwohl der Nachwuchs fehlt, ist die Zahl der Mitarbeiter stark gewachsen. „Die inzwischen 27 Fahrzeuge, die hier jeden Morgen starten, haben gar keinen Platz mehr auf dem Gelände“, so Schultheis. „Auch die Büros und die Lagerräume reichen nicht mehr aus.“ Ein Neubau ist deshalb bereits in Planung: Im Gewerbegebiet Zebrapark im Duisburger Norden entsteht auf 4300 Quadratmetern ein großer Hallenkomplex, mit dem Horizonte genügend Platz für alle Mitarbeiter schafft – egal ob mit oder ohne Handicap.

>>GEMEINNÜTZIGES UNTERNEHMEN

Die Horizonte gGmbH ist eine Tochtergesellschaft der Psychiatrischen Hilfsgemeinschaft Duisburg (PHG) und wurde 1998 als gemeinnütziges Unternehmen gegründet.

Das Unternehmen ist Mitglied der Handwerkskammer und ein Meisterbetrieb. Dieser bildet in vier Sparten aus: Gärtner, Landschaftspfleger, Gebäudereiniger sowie Maler und Lackierer.

Horizonte ist multikulti: Die Mitarbeiter sind zum Beispiel aus Indien, Togo, Peru, Kasachstan, Mazedonien und Serbien. Von 2013 bis 2017 ist der Betrieb von 30 auf 70 Mitarbeiter angewachsen.

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