Prozessbeginn

Eigene Kinder misshandelt und auf Drogenplantage eingesetzt

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz

Der Haupteingang des Land- und Amtsgerichts Duisburg am König-Heinrich-Platz

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.   Ein Duisburger soll seine Kinder wie Sklaven gehalten haben. Vorwurf: Wenn sie auf der Drogenplantage nicht spurten, schlug er mit Dachlatte zu.

Wegen einer Fülle von Straftaten muss sich seit Dienstag ein 43-jähriger Rheinhauser vor dem Landgericht am König-Heinrich-Platz verantworten. Die Anklage wirft ihm bewaffneten Drogenhandel und das Betreiben einer Marihuana-Plantage vor. Seine Frau und mehrere der sechs Kinder soll er wie Sklaven dazu gezwungen haben, die Plantage anzulegen und zu betreiben.

Wer nicht so spurte, wie der Angeklagte es wollte, soll geschlagen worden sein, wobei der 43-Jährige auch eine Dachlatte oder einen Baseballschläger gegen seine Kinder eingesetzt haben soll.

Schwere Vorwürfe und ein gepflegtes Erscheinungsbild

Das Erscheinungsbild des Angeklagten will nicht so recht zu den Vorwürfen passen. Wer einen bulligen Muskelmann mit ungewöhnlichem Haarschnitt und Tätowierungen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Der nicht sehr groß geratene Angeklagte wirkt mit seiner biederen Frisur und gepflegtem Bärtchen eher wie ein Akademiker. Zumeist mit gesenktem Kopf und ohne erkennbare Regung verfolgte er die Verlesung der langen Anklageschrift.

Vorwurf: Freie Etage in Drogenplantage umgewandelt

Die listet bewaffneten Drogenhandel, Verstöße gegen das Waffen- und das Kriegswaffenkontrollgesetz, mehrere einfache und gefährliche Körperverletzungen, Bedrohungen, Nötigungen und sexuellen Missbrauch auf. Im März soll der Angeklagte mit seiner Familie vom Dachgeschoss ins Erdgeschoss eines Hauses an der Gravelottestraße umgezogen sein.

Die frei werdende Etage soll in eine Marihuana-Plantage umgewandelt worden sein, die sich am Ende beinahe über sämtliche Stockwerke des Hauses erstreckte.

Mann soll Töchter mit Dachlatte verletzt haben

Von Anfang an, soll der Angeklagte die Familie gezwungen haben, auf der Plantage zu arbeiten. Frau und mehrere Kinder sollen Stecklinge gesetzt, die Pflanzen gehegt und abgeerntet haben.

Wenn sie nicht zu seiner Zufriedenheit arbeiteten oder lieber in die Schule als auf die Plantage wollten, soll er mit Fäusten zugeschlagen haben. Zwei Töchter soll er auch mit einer Dachlatte und mit einem Baseballschläger verletzt haben.

Polizei fand Waffenarsenal

Weil die Kinder einmal nach Ansicht des 43-Jährigen die Marihuana-Pflanzen nicht ausreichend gossen, soll er sie gezwungen haben, Urin zu trinken. Einem Jungen soll er eine Pistole an den Kopf gehalten und gesagt haben: „Ich würde dich gerne abknallen, aber du hast keine Lebensversicherung.“

Die Familie verständigte schließlich die Polizei. Die stieß bei einer Wohnungsdurchsuchung am 11. Juli 2018 nicht nur auf rund 2000 Marihuana-Pflanzen, sondern auch auf ein regelrechts Waffenarsenal. An mehreren Stellen des Hauses wurden insgesamt zehn Pistolen, darunter Waffen aus dem 1. und 2. Weltkrieg entdeckt. Zudem fand die Polizei ein jugoslawisches Maschinengewehr und ein russisches Sturmgewehr AK 47 nebst jeder Menge passender Munition.

„Mein Mandant wird sich heute weder zur Sache noch zur Person äußern“, kommentierte der Verteidiger die Anklage. Für das Verfahren sind bis Juni sieben weitere Sitzungstage geplant.

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