Serie: Freizeit im Westen

Ein Platz an der Nähmaschine ist in Rheinhausen sehr begehrt

Bevor es ans Nähen geht, besprechen die Teilnehmerinnen ihre Projekte mit Kursleiterin Sanja Simic.

Bevor es ans Nähen geht, besprechen die Teilnehmerinnen ihre Projekte mit Kursleiterin Sanja Simic.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Die Nähkurse der VHS sind sehr beliebt. Es gibt Wartelisten. Momentan lernen zwölf Frauen von Sanja Simic, wie aus Stoff Kleidung wird.

Anke Osterspey ist konzentriert bei der Arbeit. Mit Stecknadeln befestigt sie ein Bündchen an einem unfertigen Rock, der einmal ein Wickelrock mit Knopfleiste werden soll. Sanja Simic schaut zu, steckt die Nadeln manchmal neu. „Ich kann zwar Hosen umändern, möchte aber auch gerne etwas Individuelles machen“, sagt Anke Osterspey, die gemeinsam mit elf weiteren Frauen den von der VHS im Unterrichtsraum der Zweigstelle West in Rheinhausen an der Arndtstraße angebotenen Nähkurs besucht.

Die meisten Teilnehmerinnen haben einige Vorkenntnisse, andere gar keine. Anke Osterspey belegt den Kurs zum zweiten Mal, hat schon eine Weste selbst genäht. „Es macht Spaß, man lernt zudem Leute kennen“, freut sich die ausgebildete Altenpflegerin. Jeannette Cremerius hat sich vor zwei Jahren eine teure Nähmaschine gekauft: „Ich dachte, ich könnte das Nähen autodidaktisch lernen. Das klappte aber nicht. Also stand die Maschine lange Zeit nur zum Abstauben da.“Hier gibt es mehr Artikel aus dem Duisburger Westen

Der Nähmaschinenführerschein

Nun sitzt sie am Tisch und schneidet akribisch die Zuschnitte für einen Rock aus mehreren Bahnen zu, der bis zur Mitte der Waden reichen soll. Den Nähkurs besucht sie, um später auch einmal Kleidung selbst ändern zu können. „Ich habe keine gängige Konfektionsgröße. Ärmel und Hosenbeine müssen stets gekürzt werden. Ich möchte nicht immer in eine Änderungsschneiderei gehen müssen“, sagt sie.

Mittlerweile hat Jeannette Cremerius gemeinsam mit ihrer Freundin auch das VHS-Samstagsseminar „Führerschein für die Nähmaschine“ besucht. Gabriele Petrick, Leiterin der VHS-Zweigstelle West: „Hier lernen die Teilnehmer ihre Nähmaschine kennen, machen kleine Nähte. Auch Männer haben sich für diesen Führerschein angemeldet.“ Ein weiteres Zusatzangebot ist im Dezember das Wochenendseminar „Weihnachtsgeschenke“, kleine nette Präsente, etwa Hüllen für Smartphones oder Taschen, werden dann genäht.

Eine alte Jeans und eine alte Tischdecke hat Sabine Domke mitgebracht. Aus ihnen will sie die Dekoration für Besteckdosen nähen, die später einmal einen Esstisch zieren sollen.

„Meine Mama hat viel genäht, konnte mir das aber nicht mehr beibringen. Ich möchte die Kniffe lernen“, begründet sie ihre Teilnahme an dem Kurs - ihrem ersten. Doch sie denkt jetzt schon daran, später weiterzumachen, zumal sie auch gerne Kleidung nähen möchte. Außerdem sei es eine nette Teilnehmerrunde, mit der man sich gut austauschen könne.

Sanja Simic geht von Tisch zu Tisch und gibt Tipps. Es ist der zweite Kurs, den die 36-Jährige bei der VHS in Duisburg leitet, in ihrer Heimatstadt Krefeld unterrichtet sie seit vier Jahren. Sanja Simic wurde in Österreich geboren, war schon als Kind kreativ begabt und lernte in ihrem Geburtsland Mode- und Bekleidungstechnikerin, eine Ausbildung, die fünf Jahre an einer höheren bildenden Schule dauert. In Krefeld machte sie zudem bei „Hoff Textildesign“ noch eine zusätzliche Ausbildung als Textildesignerin.

Gabriele Petrick ist froh, die junge Frau als Dozentin gewonnen zu haben, zumal es bei den Nähkursen bisweilen Wartelisten gibt: „Das Problem ist, Kursleiter zu finden. In Deutschland gibt es kaum noch ausgebildete Schneider. Früher gab es eine Schule in Düsseldorf, sie bildet aber schon lange nicht mehr aus. Inhaber von Änderungsschneidereien stammen hauptsächlich aus Süd-Ost-Europa.“ Als Grund für dieses aussterbende Handwerk sieht die VHS-Leiterin genauso wie Sanja Simic die Verlagerung der Textilproduktionen nach China und Indien. Die Kursleiterin fertigt allerdings nach wie vor selbst Kleidung: In Krefeld hat sie ein kleines Atelier.

>>> DER KURS IN RHEINHAUSEN

13 Wochen dauern die VHS-Nähkurse. Das Angebot gilt für das gesamte Stadtgebiet, der Unterrichtsraum befindet sich allerdings in der Zweigstelle West in Rheinhausen an der Arndtstraße (hinter dem Kom’ma-Theater). Gabriele Petrick: „Wir hatten mal eine Zeit lang den Kurs in Stadtmitte. Dort gab es aber Parkplatzprobleme für die Teilnehmerinnen, die teilweise ihre eigenen Nähmaschinen mitbringen.“

In Rheinhausen verfügt die VHS über genügend Parkmöglichkeiten. Außerdem ist der Unterrichtsraum so eingerichtet, dass es ausreichend Steckdosen und die Möglichkeit zum Bügeln gibt.

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