Zoo Duisburg

Ferdinand aus dem Zoo Duisburg: So geht es dem Weißwal heute

Das Walarium im Zoo Duisburg mit Belugawal Ferdinand. Das Bild ist 2003 entstanden, ein Jahr später zog Ferdinand in die USA um. Mit im Bild: Trainer Thomas Lange.

Das Walarium im Zoo Duisburg mit Belugawal Ferdinand. Das Bild ist 2003 entstanden, ein Jahr später zog Ferdinand in die USA um. Mit im Bild: Trainer Thomas Lange.

Foto: Photo: Andreas Mangen / WAZ

Duisburg.  Weißwal Ferdinand war Liebling der Zoo-Besucher in Duisburg. Über seinen Zustand spricht nun seine Seaworld-Trainerin. Seine Geschichte bewegt.

Schneeweiß war er, verteilte Küsse und galt über drei Jahrzehnte hinweg als Liebling der Besucher im Zoo Duisburg: Ferdinand, der Weißwal. 1975 kam das stolze Tier an den Kaisberg. Veterinäre schätzten damals das Alter des Belugas auf fünf Jahre. Demnach müsste Ferdinand heute 50 Jahre alt sein.

Vor 16 Jahren ging es für den Weißwal per Flugzeug in die USA. In dem Meeres-Themenpark „SeaWorld“ im kalifornischen San Diego lebt er noch heute. „Ferdinand geht es gut. Er ist der Liebling der Mitarbeiter“, sagt Mitzi Synnott, Leiterin der Abteilung Tiertraining im SeaWorld-Park. Rund 900 Kilogramm bringt Ferdinand noch auf die Waage. Trotz seines hohen Alters „lernt er auch weiterhin neue Tricks.“

Ferdinand aus dem Zoo Duisburg: Das Ende des „Wal-Zeitalters“

Seine Beliebtheit ist auch den Tierpflegern nicht entgangen. „Wir haben oft Besucher aus Deutschland, die nach ihm fragen.“ Mit dem Umzug von Ferdinand ging in Duisburg 2004 das „Wal-Zeitalter“ zu Ende. Drei Jahrzehnte lang war der schneeweiße Koloss der Höhepunkt am Kaiserberg. Er war bekannt dafür, sein Maul aufzusperren und sich tief in den Rachen schauen zu lassen.

Der Zoo Duisburg hatte lange überlegt, ob er sich von dem beliebten Meeressäuger trennt. Doch um Ferdinand behalten zu können, hätte der Tierpark ein neues Walarium bauen müssen. Für eine moderne Anlage fehlten aber die finanziellen Mittel. Das Freiluftbecken mit zeltartiger Überdachung aus den 60er Jahren war unzeitgemäß und nicht artgerecht.

Ferdinand wurde bei einer umstrittenen Expedition gefangen

Besonders im Wissen, dass Ferdinand bei seiner Geburt die Weltmeere gehörten. Er war ein Wildfang. Der ehemalige Zoodirektor Dr. Wolfgang Gewalt hatte den Weißwal in der Hudson-Bucht vor Kanada gefangen. Gewalt trat mehrmals zu – schon damals umstrittenen – Fangexpeditionen auf und sorgte für Schlagzeilen. So auch im Jahr 1966.

Damals hatte sich ein Belugawal in den Rhein verirrt – tausende Kilometer von seinem natürlichen Lebensraum entfernt. Später wurde der berühmt gewordene Weißwal „Moby Dick“ getauft. Wolfgang Gewalt wollte das Tier einfangen – mit Protestaktionen konnte das aber verhindert werden. So musste es eben direkt in der Arktis klappen: 1969 gingen ihm Allua und Moby ins Netz, 1975 dann Ferdinand.

Ferdinand und sein treuer Freund Yogi

In den Anfangsjahren lebte Ferdinand mit den beiden Beluga-Weibchen zusammen. Beide starben vor ihm. Alleine war Ferdinand dadurch nicht. Stets an seiner Seite, sogar bei dem Umzug in die USA, war Kumpel Yogi, ein schwarz-weißer Jakobita-Delfin. Letzter Überlebender einer Gruppe dieser Delfine, die Gewalt vor Feuerland eingefangen hatte.

Gemeinsam ging es am 11. September 2004 im Flugzeug von Düsseldorf nach San Diego. Die Amerikaner, die die Reisekosten übernahmen, hatten eigens für den Transport eine Frachtmaschine gechartert. In einer Art Wanne sollten Ferdinand und Yogi den Weg bestreiten. Mit an Bord neben dem ehemaligen Zoo-Chef Reinhard Frese auch ein Veterinär und einige Pfleger. Die lösten sich ab, die tierischen Passagiere durch ständige Wasserduschen zu benetzen. Nach 17 Stunden Transport war das Ziel erreicht.

Im SeaWorld San Diego lebt Ferdinant mit Artgenossen zusammen

Die Eingewöhnungszeit, so teilte es der Zoo später mit, war für Ferdinand alles andere als leicht. Er wurde, wie oft zu erwarten bei tierischen Zusammenführungen, von seinen Artgenossen gebissen, musste Schrammen erleiden, es floss Blut. „Es sah schrecklich aus“, sagte Zoochef Rheinhard Frese damals. Nach kurze Zeit der Anpassung akzeptierten sie Ferdinand.

Mittlerweile ist er der erfahrene Senior im Becken. „Sein Wesen ist sehr ruhig und er ist immer geduldig mit seinen jüngeren Artgenossen“, sagt Tiertrainerin Mitzi Synnott. Aktuell lebt Ferdinand mit dem 17 Jahre alten Beluga-Männchen Klondike und dem 36 Jahre alten Weibchen Allua in einem Becken. „Ferdinand ist immer noch lebensfroh und neugierig.“

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