Familienzusammenführung

Happy End in Duisburg nach Flucht und Amtsversagen

Nach Jahren der Trennung ist Familie Dahdal in Duisburg nun wieder vereint.

Nach Jahren der Trennung ist Familie Dahdal in Duisburg nun wieder vereint.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Das Ausländeramt Duisburg hat lange zu Unrecht einer Familienzusammenführung im Weg gestanden. Jetzt beginnt für die Dahdals ein neues Leben.

Für einen Moment steht die Zeit still, alle Sorgen und der Schmerz vergangener Tage und Jahre verschwimmen in Tränen. Es ist ein Moment der ungetrübten Freude. Es ist Samstagmorgen an der Ankunftshalle des Düsseldorfer Flughafens. Gerade ist eine Maschine gelandet, die das Leben einer Familie für immer verändern wird. Nach vier bitteren Jahren der Trennung sind die Dahdals wieder zusammen. Es ist das vorläufige Happy End einer Geschichte, die von Krieg und Flucht und vom Versagen des Duisburger Ausländeramtes erzählt.

Naiem und Mohammad Dahdal hatten sich in ihrer Verzweiflung vor etwa einem Monat zusammen mit ihren Helfern an die WAZ gewandt. Damals wollten sie ihren richtigen Nachnamen lieber nicht in der Presse veröffentlicht wissen und sich nur von hinten fotografiert lassen. Der Vater (45) und der Sohn (21) fürchteten um das Leben von Mutter Nadia und drei Geschwistern (18, 15 und zehn Jahre alt), die sie im September 2015 bei der Flucht aus Syrien zurückließen.

Sorge um das Leben der Familie

„Unser Leben war in Gefahr, wir standen auf einer Liste der Regierung“, berichtet der Sohn. Die Familie stammt aus Daraa, im Ort zwischen Damaskus und der libanesischen Grenze begann der Aufstand gegen das Assad-Regime. Von beiden Seiten, sowohl von der Regierung wie auch von den Aufständischen, wurde die Familie verdächtigt, mit der jeweils anderen Seite zu paktieren.

Dem ältesten Sohn und dem Vater drohte die zwangsweise Einberufung in die syrische Armee. Ein kleiner Supermarkt, den Naiem Dahdal betrieb, wurde ebenso von Bomben zerstört wie das Haus der Familie. Die Mutter und die jüngeren Geschwister blieben beim unlängst verstorbenen Großvater. „Wir hatten nicht genug Geld für alle, die Flucht war gefährlich“, erklärt der älteste Sohn.

Über die Balkanroute kamen beide nach zehn Tagen über die deutsche Grenze, wurden dann weiter verteilt nach Duisburg. Seit sie eine Aufenthaltsgenehmigung haben und subsidiären Schutz als Flüchtlinge genießen, leben sie in einer kleinen 2,5-Zimmerwohnung in der Altstadt.

Duisburger Ausländeramt gesteht folgenschweren Fehler ein

Mit einem Asylantrag, den Naiem Dahdal 2016 stellte, begannen die Schwierigkeiten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lehnte den Antrag ab. Der Syrer sei „keiner konkreten, individuellen Bedrohungssituation ausgesetzt“, heißt es in der Begründung. Vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf klagte Dahdal erfolgreich gegen die Entscheidung, nun liegt der Fall beim Oberverwaltungsgericht Münster (OVG). Wann darüber entschieden wird, ist ungewiss.

Die Duisburger Ausländerbehörde nahm das zum Anlass, ihre erforderliche Zustimmung zur Erteilung von Visa für Mutter und Geschwister der Familie nicht zu erteilen, bis das OVG entschieden hat. Vor einem rechtskräftigen Abschluss des Klageverfahrens in Münster bleibe die Akte unbearbeitet, hieß im Ausländeramt.

Zu Unrecht, wie das Ausländeramt aufgrund der WAZ-Recherche zugab. „Wir bedauern diesen Fehler eines Mitarbeiters und entschuldigen uns ausdrücklich dafür“, erklärte die Stadt vor fast vier Wochen und wurde aktiv. Kurz darauf erreichte die Dahdals die Mitteilung der Visa-Abteilung der Deutschen Botschaft in Beirut, die Visa seien fertig und könnten in Beirut abgeholt werden.

Ein Neuanfang in Duisburg

Seit Samstag ist die Familie nun wieder zusammen und will in Duisburg ein neues Leben aufbauen. „Sie haben es verdient: eine bescheidene, fleißige Familie. Naiem hat bereits einen Integrationskurs sowie drei Sprachkurse hinter sich, hat erfolgreich ein befristetes Pflegepraktikum bei den Maltesern absolviert. Mohammed hat vor wenigen Wochen sein Fachabitur mit hervorragenden Noten abgelegt und strebt das Vollabitur an, um Medizin zu studieren“, sagt Dr. Rudolf Halstrick, Rechtsanwalt und Notar im Ruhestand, der die Caritas Duisburg noch berät.

Nadia al Khalil, Naiem Dahdal und die vier Kinder haben jetzt vorübergehend einen Unterschlupf in der kleinen Wohnung in der Stadtmitte gefunden, „nicht mehr als ein Matratzenlager“, sagt Halstrick beim gemeinsamen Besuch vor Ort. „Wir brauchen Hilfe. Es muss eine angemessene Wohnung gesucht und möbliert werden. Kleidung und die unerlässlichen Gegenstände des täglichen Lebens fehlen ebenso wie Nahrungsmittel.

Die Dahdals indes danken Halstrick und Anja Rossow von der Caritas von Herzen. „Dank eurer Hilfe sind wir wie neugeboren“, sagt der älteste Sohn Mohammad. Jetzt gilt es für die ganze Familie so schnell wie möglich Fuß zu fassen in Duisburg – dem neuen Zuhause der Dahdals.

Leserkommentare (2) Kommentar schreiben