Wohnen

Haus Hartenfels in Duisburg: Schloss sucht neue Eigentümer

Das Haus Hartenfels im Stadtwald Duisburg, direkt an der Stadtgrenze zu Mülheim. In der ehemaligen Klöckner-Villa sind Eigentumswohnungen entstanden.

Das Haus Hartenfels im Stadtwald Duisburg, direkt an der Stadtgrenze zu Mülheim. In der ehemaligen Klöckner-Villa sind Eigentumswohnungen entstanden.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg/Mülheim.  Im Haus Hartenfels im Duisburger Stadtwald sind Wohnungen entstanden – vier suchen noch neue Eigentümer. So sieht das Prunkschloss von innen aus.

Ein Traum von einem Schloss, mitten im Stadtwald gelegen und hoch über Duisburg – das Haus Hartenfels direkt an der Grenze zu Mülheim gilt wohl als die mondänste Anschrift der Stadt. Lange Zeit stand das Gebäude leer – jetzt ist das historische Gemäuer aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

In der früheren Klöckner-Villa sind nach zehn Jahren Erschließung und Restaurierung exklusive Wohnungen entstanden. Vier suchen noch über einen Duisburger Immobilienmakler nach neuen Eigentümern. Darunter das Herzstück des Anwesens mit 370 Quadratmetern Wohnfläche. „Sowas haben wir noch nicht gehabt“, sagt selbst der erfahrene Makler Axel Quester.

Haus Hartenfels in Duisburg: exklusive Wohnungen im Schloss

Die Wohnung mit sieben Zimmern und Terrasse erstreckt sich über zwei Etagen des im Stil des Späthistorismus erbauten Landhauses. Zur Wohnung gehört ein eigener Ballsaal – 110 Quadratmeter groß, mit fünf Meter Deckenhöhe. Stolzer Kaufpreis der Immobilie: 3.280.000 Euro.

Ebenfalls im Portfolio des Maklers: Eine Maisonettewohnung auf den verschiedenen Ebenen des Dachstuhls der Villa Hartenfels. Auf die neuen Eigentümer warten 287 Quadratmeter. Die Räume vermitteln eine Mischung aus moderner Loftwohnung und schlossähnlicher Villa, heißt es im Exposé. Zur Wohnung mit sechs Zimmern gehört auch eine eigene Sauna. Kostenpunkt: 2.230.000 Euro.

Villa bietet Wellnessbereich und sechs Hektar großen Garten

„Das sind keine typischen Kaufpreisregionen“, sagt Quester über die Immobilien. Anfragen aus Düsseldorf und Köln habe es etwa schon gegeben. Er sei guter Dinge, dass die Wohnungen neue Eigentümer finden. Darüber hinaus vermarktet er zwei kleinere Mietwohnungen in dem imposanten Gebäudekomplex. Der Preis pro Quadratmeter betrage für diese elf Euro.

Hinzu kommen Nebenkosten, die Betriebskosten einer „normalen“ Mietwohnung deutlich übersteigen, so Quester. Das ist jedoch nicht überraschend: Denn zu dem Anwesen gehört ein rund sechs Hektar großes Park- und Waldgelände mit Spielplatz. Zu den Vorzügen zählt auch ein Wellness-Bereich im Gartengeschoss. Unterm Vorplatz ist eine Tiefgarage mit 40 Stellplätzen entstanden. Zusätzliche Kosten fallen auch für Hausmeisterservice und Sicherheitsdienst an.

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Konzerngründer Peter Klöckner gehörte das Anwesen

Insgesamt sind im Haupthaus mit Balkonen, Erkern und Türmchen zwölf Wohnungen entstanden. Das Haus Hartenfels liegt zwar auf Duisburger Stadtgebiet, erklärt Quester, die Zufahrt zum abgeschotteten Wohnhaus erfolgt aber nur über das Villenviertel an der Prinzenhöhe in Mülheim-Speldorf.

Gebaut wurde Haus Hartenfels ab 1911 für den Duisburger Konzerngründer Peter Klöckner. Die Villa ist einer der letzten prächtigen Familiensitze einer bedeutenden Industriellendynastie und wurde 1927 fertiggestellt. Die Unternehmerfamilie bewohnte das Schloss mit 3800 Quadratmetern Wohnfläche auf dem höchsten Punkt des Stadtgebietes – die Villa liegt 82,52 Meter über dem Meeresspiegel – bis zum Zweiten Weltkrieg. Vom Turm aus hatte Peter Klöckner sein gesamtes Industrieimperium „im Blick“.

Restaurierung von Haus Hartenfels: Projektentwickler war insolvent

Nach dem Krieg diente das Gebäude als Notunterkunft für Ausgebombte und Flüchtlinge. In Mangelzeiten wurden Teile der edlen hölzernen Wandverkleidungen verheizt, das Gebäude verfiel zusehends. Bis 1980 wurde die Fassade des Gebäudes wieder umfassend renoviert, 1998 das Anwesen samt Park unter Denkmalschutz gestellt.

2010 hatte die Firma Licon aus Leipzig die Idee, das Haupthaus in Eigentumswohnungen aufzuteilen und zu sanieren. Das Unternehmen war Spezialist im Ausbau für die Neunutzung denkmalgeschützter Bauten. Über zehn Jahre zog sich die Umwandlung aber hin. Der Traum vom Leben im Märchenschloss drohte sogar zu platzen. Quester offenbart: „Es gab diverse Schwierigkeiten bei der Erschließung.“

Allen voran die Insolvenz des Projektentwicklers Licon. Letztlich lag die Erschließung in der Hand der schon gefundenen Eigentümer, die die Wohnungen als Kapitalanlage gekauft hatten. „Eine teure Angelegenheit“, sagt Quester.

Erstbezug nach Restaurierung – Feuerwehr untersagt Nutzung des Turmes

Seit 2020 sind die Wohnungen im Haupthaus bezugsfertig. Alle Arbeiten verliefen unter den Augen der Denkmalschützer. Die hölzernen Kassetten- und Stuckdecken in den früheren Wohnräumen blieben erhalten, ebenso die prächtige Galerie rund um die Eingangshalle. Einzig der markante Turm konnte nicht für Wohnzwecke erschlossen werden. „Die Feuerwehr der Stadt Duisburg hat die Nutzung des Turms untersagt.“ Grund ist der fehlende zweite Fluchtweg des Schlossturms.

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