Trauercafé

Huckinger Trauercafé bietet Raum für jede Art von Trauer

Zuhören und Halt geben: Die Trauerbegleiter Almut Roos, Helmut Bukowski und Marie Hillmann leiten das Trauercafé im Malteser Hospiz St. Raphael.

Zuhören und Halt geben: Die Trauerbegleiter Almut Roos, Helmut Bukowski und Marie Hillmann leiten das Trauercafé im Malteser Hospiz St. Raphael.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Huckingen.  Über die Hospizarbeit zum Trauercafé: Ehrenamtler vom Hospizzentrum St. Raphael begleiten Hinterbliebene auf ihrem Weg durch eine schwere Zeit.

„Sterbende im Hospiz haben meist mit dem Leben abgeschlossen. Der Tod ist das Ende für den Patienten und die Begleiter. Für die Hinterbliebenen beginnt die Trauer jedoch erst mit dem Verlust des geliebten Menschen. Ein Ende ist nicht vorhersehbar.“ So erklärt Marie Hillmann den Unterschied zwischen Sterbe- und Trauerbegleitung. Die 71-Jährige ist eine von sechs ehrenamtlichen Trauerbegleitern im Malteser Hospizzentrum St. Raphael.

Jeden dritten Sonntag findet im Hospizzentrum St. Raphael das Trauercafé statt. Dort wird gemeinsam gelacht, geweint und erzählt. „Die Teilnehmer geben sich gegenseitig Ratschläge und Halt“, sagt Almut Roos. Die 78-Jährige ist seit drei Jahren im Trauercafé, war vorher schon viele Jahre im Hospiz tätig. Für Almut Roos hat das Trauercafé viel Positives. „Hier finden sehr lebendige Gespräche statt, gleichzeitig ist die Atmosphäre aber auch sehr ruhig.“ Für die ehrenamtliche Arbeit im Trauercafé hat sich Almut Roos ganz bewusst entschieden. „Mit dem Alter kommt man dem Tod selbst immer ein Stück näher. Ich wollte nicht mehr nur noch Sterbende begleiten, sondern den Hinterbliebenen helfen. Und jeder braucht ganz unterschiedlichen Beistand.“

Das Leben ohne den geliebten Menschen bewältigen

Die Teilnehmer des offenen Trauercafés haben alle eines gemeinsam: Sie müssen mit dem Tod eines geliebten Menschen zurecht kommen. „Das verbindet“, sagt Marie Hillmann. „Aber jeder fühlt und lebt die Trauer auf seine Art und Weise.“ Ratschläge wie: „Du musst doch langsam mal wieder am Leben teilnehmen“ oder „Dein Mann war doch auch schon über 90“ helfen den Trauernden nicht. Marie Hillmann erzählt von einer Dame, die nach dem Tod ihres Mannes erst einmal auf Reisen gegangen ist, die immer gut gelaunt zum Café kam und sehr hilfsbereit war. „Erst nach etwa einem halben Jahr und vielen Reisen ist bei ihr die Trauer richtig hochgekommen“, erinnert sich Hillmann. „Die Reisen ohne ihren Mann seien einfach nicht mehr dieselben gewesen.“

Helmut Bukowsky ist auch schon seit über zehn Jahren im Hospizzentrum ehrenamtlich im Einsatz. Der 69-Jährige hat eine ganz klare Sicht auf den Tod. „Sterben müssen wir alle. Und ich wollte mich gerne mit dem Tod auseinandersetzen“, sagt er. „Ich habe in meiner beruflichen Laufbahn im Krankenhaus viele dramatische Dinge erlebt und auch hier im Laufe der Zeit gelernt, dass jeder Fall einzigartig ist.“ So erzählt Bukowsky zum Beispiel von einer jungen Frau, die sehr an ihrem Vater hing und nur schwer über seinen Tod hinwegkam. Oder von einem Mann, der seinen Bruder bei einem Motorradunfall verloren hat. „Die Geschichten hier sind ganz unterschiedlich.“

Genau wie die Menschen, die zum Trauercafé kommen. „Viele glauben, dass hier nur Leute hinkommen können, die ihre Angehörigen hier im Hospiz verloren haben“, sagt Mechthild Schulten, Trauerbegleiterin und Leiterin des Malteser Hospiz St. Raphael. „Aber tatsächlich sind das nur wenige. Das Trauercafé ist für alle offen. Von jungen Erwachsenen bis ins hohe Alter.“ Trauerbegleiterin Astrid Postmeyer empfindet die Gesprächsinhalte als sehr bereichernd: „Die Gespräche sind oft tiefgründig und für mich nachhaltig. Es ist kein Treffen gleich.“ Nur der Ablauf hat einen festen Aufbau. „Jedes Treffen beginnt mit einer Vorstellungsrunde und endet mit einer Geschichte, die zur aktuellen Stimmung des Treffens passt“, sagt Marie Hillmann.

Dramatik des Todes ist ganz unterschiedlich

„Im Hospiz sterben die Menschen im Grunde immer auf die gleiche Art: liegend im Bett“, sagt Nao Honekamp, Psychologin und Trauerbegleiterin. „Die Teilnehmer des Trauercafés haben ihre geliebten Menschen auf ganz unterschiedliche Weise verloren. Die Dramatik des Todes ist immer eine andere.“

Schlimm wird es, wenn Trauer pathologisch wird. Wenn der Schmerz auch nach längerer Zeit überwältigt und die Gespräche nicht helfen. „Dann sprechen wir die Trauernden an und verweisen auf die geschlossenen Gruppen oder Einzeltherapien“, sagt Mechthild Schulten.

Trauercafé ist kein Kaffeeklatsch

Das Trauercafé ist ein Angebot auf Zeit. „Richtig Abschließen können wir als Trauerbegleiter mit den Geschichten der Einzelnen nicht“, sagt Marie Hillmann. „Irgendwann kommen die Trauernden nicht mehr hier her. Und das ist auch richtig so.“ Es sei aber auch schon einmal anders gewesen. „Wir bieten hier im Trauercafé Plätzchen und etwas zu trinken an“, sagt Mechthild Schulten. „Hier gibt es ganz bewusst keinen Kuchen und es soll auch nichts mitgebracht werden. Wir sind ein Trauercafé und veranstalten keinen Kaffeeklatsch. Wenn erst einmal ausgiebig gegessen wird, kommt das eigentliche Ziel, über seine Gefühle zu sprechen, doch schnell zu kurz.“

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