Serie: Duisburger Bühnen

Im Kleinkunsttheater „Die Säule“ wurde Tragendes zum Namen

Martina Linn-Naumann leitet die „Säule“ seit der Eröffnung 1995. Sie hatte auch die Idee, die sichtbehindernde Säule im Saal gold zu streichen und zum Markenzeichen zu machen.

Martina Linn-Naumann leitet die „Säule“ seit der Eröffnung 1995. Sie hatte auch die Idee, die sichtbehindernde Säule im Saal gold zu streichen und zum Markenzeichen zu machen.

Foto: Daniel Elke

Duisburg.   Auch im kleinen Musentempel am Dellplatz steckt hinter dem Erfolg harte Arbeit. Martina Linn-Naumann leitet die Bühne seit der Eröffnung 1995.

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Einst hieß die Prinzipalin Käthe Guss. Sie eröffnete ihr Duisburger Operettentheater als erstes nach dem Zweiten Weltkrieg am Dellplatz. Die Sängerin aus Mülheim war in den 30er Jahren zum Liebling nicht nur des Duisburger Operettenpublikums geworden. Im ehemaligen Theater wird heute Filmkunst gezeigt. In der ehemaligen Werkstatt der längst untergegangenen Bühne wurde 1995 „Die Säule“ eröffnet.

Für 500 000 Mark aus Mitteln der NRW-Städtebauförderung ist der Raum mit 99 Plätzen entstanden für Kleinkunst, Kabarett, Konzerte und Theater. Mittendrin eine eigentliche störende, aber tragende Säule, die die neue Chefin an der Goldstraße Martina Linn in Gold streichen ließ und zum Markenzeichen machte.

Künstler erhalten die Abendeinnahmen

Martina Linn-Naumann, damals verheiratet mit Kulturamtsleiter Helmut Linn und heute Ehefrau des Schauspielers Horst Naumann, ist sowohl Verwaltungswirtin als auch Schauspielerin. Und hat es wohl auch mit dieser Doppelbegabung geschafft, das schnuckelige Theaterchen trotz aller anfänglicher Unkenrufe („Datt schafft die kein Jahr“, hieß es) und ohne Gastspieletat zu einem Treffpunkt prominenter Künstler zu machen – von Hanns Dieter Hüsch bis Ernst Stankowski, von Dieter Hildebrandt bis Marianne Sägebrecht, von Gerhard Polt bis Cornelia Froboess, von Michael Degen bis Helen Vita, von Christian Quadflieg bis Esther Schweins. Die als Gage hier nur die Abendeinnahmen bekommen und davon seit der letzten Kultursparrunde auch noch zehn Prozent davon der Stadt für die Haushaltskonsolidierung abgeben.

Der Etat von 20.000 Euro für die Betriebskosten muss für alles andere reichen – von Hotel bis Glühbirne. Zum Eineinhalb-Frau-Betrieb mit Martina Gersbach in der Verwaltung plus FSJler und einem vom Jobcenter und dem Förderverein finanzierten Mitarbeiter wird abends technisch von Studenten unterstützt.

Ernste Themen lustig aufgearbeitet

Fast alle der jährlich 100 Vorstellungen sind ausverkauft, lediglich bei ernsten Themen bleiben schon mal Plätze leer. „Stücke wie ,Ich will nicht hassen’ über den Solinger Brandanschlag will ich aber unbedingt auch im Programm haben“, sagt Martina Linn-Naumann, obwohl sie gelernt hat, „dass die Leute lachen und Spaß haben wollen“. In den Eigenproduktionen mit dem vor sieben Jahren gegründeten Amateurensemble „Best Ager“ werden ernste Themen lustig aufbereitet. Sie schreibt die Stücke, als renommierter Schauspieler führt ihr Mann Horst Naumann Regie. Kostenlos natürlich.

Die Schauspielerei lief für die Stadtamtsrätin immer parallel, sie hat tagsüber im Jugendamt gearbeitet und manchmal nachts kleine Rollen in TV-Produktionen übernommen. Als 28-Jährige ging sie an eine Schauspielschule in Düsseldorf, drehte in Rom einen Film, in dem sie eine italienische Widerstandskämpferin war, oder ging mit einer Düsseldorfer Gruppe auf Tournee in Kurorten. „Das war meine Liebe.“

Familiäres Verhältnis mit Künstlern

Anfang 1993 wechselte sie ins Kulturamt und betreute die Duisburger Akzente. Als sie mit der „Säule“ startete, habe sie auf ihre Kontakte zu Schauspielern zurück greifen können. „Die meisten sind Wiederholungstäter“, sagt Martina Linn-Naumann, mit vielen sei das Verhältnis familiär. Das spreche sich herum – und zieht neue Künstler nach Duisburg, die auch mal in der „Säule“ auftreten wollen.

Lesungen, Impro-Theater, Jazz und Rock

Kabarettabende bilden das Gerüst des „Säule“-Programms. So hat Martina Linn-Naumann jüngst das dritt Kabarett-Abo fürs 2. Halbjahr 2019 aufgelegt, weil zwei nahezu ausverkauft sind. Jetzt ist ein kabarettistisch-musikalisches Abo dazugekommen. Mit dabei: Frank Golischewski, der über 100 Jahre deutsches Kabarett unter dem Motto „Ich hab‘ meine Tante geschlachtet“ präsentiert – von Kurt Tucholsky über Friedrich Holländer bis zu neuen und eigenen Nummern und Songs (27. September). Fabian Schläper und Tina Häussermann sind mit „Balkenbiegen für Fortgeschrittene“ zu Gast, in dem sie sprechen, singen und klimpern über Falschnachrichten, Notlügen und Hirngespinste (27. Oktober). Auch Nessi Tausendschön und ihr musikalischer Begleiter William Mackenzie haben mit „30 Jahre Zenit – Operation Goldene Nase“ ein neues Programm im Gepäck. Die Trägerin des Deutschen Kleinkunstpreises wirbt mit „einer Zunge wie eine Reitpeitsche und einer Stimme wie ein Engel“ (28. November).

Im Sonntagsabonnement geben sich regelmäßig bekannte Schauspieler die Klinke in die Hand, so liest am 7. April „Chefhostess“ Heide Keller aus ihrem Buch „Traumzeit und andere Tage“. Die „Best Ager“ stehen wieder im Mai mit ihrer Komödie „Willkommen im Hotel Savoy“ auf der Bühne.

„Die Säule“ wird aber auch von der freien Szene gebucht. So hat Eckart Pressler hier seine Konzertreihe „Säulen-Jazz“ etabliert, präsentiert das Duisburger Improvisationstheater „Schwanensees Rache“ am 1. Juni wieder seine Impro-Show oder mischen Teddy Technik und die Effekthascher am 14. Juni das Theater mit Rock’n’Roll und Schlagern das Theater auf.

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