Gericht

Junger Duisburger soll sich mit Polizei angelegt haben

Am Donnerstag, den 14.7.2016 fand im Amts- und Landgericht Duisburg, König-Heinrich-Platz, die NRZ-Sommerleseraktion statt. eine Fürhung durch das Gerichtsgebäude. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services

Am Donnerstag, den 14.7.2016 fand im Amts- und Landgericht Duisburg, König-Heinrich-Platz, die NRZ-Sommerleseraktion statt. eine Fürhung durch das Gerichtsgebäude. Foto: Udo Milbret / Funke Foto Services

Foto: Udo Milbret

Duisburg.   Duisburger (19) musste sich für Widerstand verantworten. Doch vom Vorwurf blieb nicht viel. Gericht stellte Anklage gegen hilfreiche Auflage ein.

Im Jugendrecht steht nicht die Strafe, sondern der Erziehungsgedanke im Vordergrund. Das bewies auf höchst anschauliche Weise ein Prozess vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz. Die Anklage warf einem 19-jährigen Meidericher Widerstand vor. Angeblich hatte sich der Heranwachsende am 17. April 2018 gegen polizeiliche Maßnahmen zur Wehr gesetzt, als Beamte ihn wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz im Bönninger Park in Hochfeld kontrollierten.

„Weil da Drucktütchen rumlagen, meinten die, wir würden mit Rauschgift handeln oder es konsumieren“, berichtete der Angeklagte dem Jugendschöffengericht. Dabei habe er mit einem Kumpel nach einem anstrengenden Arbeitstag nur auf einer Parkbank einen Imbiss genommen.

Angeklagter rechtfertigte sich

„Die Beamten haben uns aufgefordert, unsere Taschen zu leeren“, so der Angeklagte weiter. „Das habe ich auch brav gemacht.“ Aber einem Polizisten sei das nicht schnell genug gegangen. „Er schrie mich an, ich solle die Hand aus der Tasche nehmen.“ Mit so widersprüchlichem Druck könne er nur ganz schlecht umgehen, gab der Angeklagte zu. „Ich bin laut geworden. Und als der Polizist mir Handschellen anlegen wollte, habe ich versucht, meinen Arm wegzuziehen.“

Selbst der Staatsanwalt musste zugeben, dass es sich wohl nur um einen Widerstand im untersten Bereich gehandelt habe. Der Richter ging weiter: „Ich wage zu zweifeln, ob die Polizei ganz korrekt gehandelt hat.“ Der Jurist wunderte sich, dass der Angeklagte nicht, wie in solchen Fällen üblich, im Polizeigewahrsam gelandet war. Die Gegenanzeige des 19-Jährigen gegen den Polizisten wegen Bedrohung im Amt war allerdings eingestellt worden.

Auflage: Zehn Besuche - bei der Schuldnerberatung

Er müsse mal langsam ruhiger werden, mahnte der Richter den Angeklagten. „Mein Aggressionsproblem ist vielleicht größer als bei anderen Leuten“, gab der 19-Jährige zu. Aber er gebe sich doch wirklich die größte Mühe. „Und stecken sie mich bloß nicht in ein Anti-Aggressions-Training. Wenn ich da angeschrien werde, geht das in die Hose.“

Das Gericht stellte das Verfahren ein. Allerdings unter der Auflage, dass der Angeklagte zehn Beratungsgespräche bei der Schuldnerberatung machen muss. Denn außer einem Aggressionsproblem hat der junge Mann auch den Überblick über seine Schulden verloren.

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