Auf hoher See

„Mein Schiff“: Duisburgerin (18) lebt auf Kreuzfahrtschiff

 Julia Heck aus Duisburg arbeitet in der Kinderbetreuung auf einem Kreuzfahrtschiff.

 Julia Heck aus Duisburg arbeitet in der Kinderbetreuung auf einem Kreuzfahrtschiff.

Foto: TUI Cruises

Duisburg.  Julia Heck aus Duisburg arbeitet in der Kinderbetreuung auf einem Kreuzfahrtschiff. Was sie an Bord erlebt und wie sie Weihnachten verbringt.

Julia Heck sieht die schönsten Orte der Welt – und das während ihrer Arbeit: Die Duisburgerin ist Mitarbeiterin im Kids-Club auf einem Kreuzfahrtschiff. Nach dem Abitur wagt sie das große Abenteuer und heuert auf einem Schiff an. Mit ihren 18 Jahren ist sie eines der Küken der Crew. Was sie an Bord erlebt und wie sie Weihnachten verbringt:

„Ich wollte vor dem Studium die Welt bereisen“, sagt die ehemalige Schülerin des Max-Planck-Gymnasiums. Mit dem Abitur in der Tasche weht der Wind der Veränderung, und statt den Schutz im Duisburger Hafen zu suchen, wagt es Julia Heck aufs Meer und wird Mitarbeiterin auf einem Schiff. Für die nächsten vier Monate wird sie zwischen den Kanaren, den Azoren und den Kapverdischen Inseln umherschippern.

Duisburgerin ist Spaßmatrosin für die jüngsten Seeräuber

Mit ihrem Job schlägt die Duisburgerin gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Sie sieht Stück für Stück die Welt, verdient Geld und sammelt Erfahrungen im Umgang mit Kindern: „Ich möchte Grundschullehramt studieren“, sagt Heck.

Im Herbst stach sie zum ersten Mal mit der „Mein Schiff Herz“ in See, betreut die Kinder an Bord im Kids-Club. „Seit fünf Jahren arbeite ich mit Kindern zusammen“, sagt Heck. Sie selbst hat viele Jahre geturnt, später dann beim MSV Duisburg in der Turnabteilung den Unterricht als Trainerin geleitet. In den olympischen Disziplinen Boden, Barren und Sprung hat sie die Kleinsten an die Sportgeräte geführt. Jetzt ist sie für die jüngsten Kreuzfahrtgäste und Seeräuber die Spaßmatrosin.

800 Crew-Mitglieder für rund 1900 Gäste

Für Kinder ab drei Jahren bereitet sie mit den Kollegen täglich ein Seeabenteuer vor: Es gibt Thementage, eine Rallye über das Schiff, es wird gebastelt, gemalt und gespielt. Die Kinderbetreuung hat zwölf Stunden, von 9 bis 21 Uhr, geöffnet. Das kann für die bis zu neun Mitarbeiter auch mal stressig werden, an einem Acht- bis Zehnstundentag, in einer Sieben-Tage-Woche. „Abends bin ich aber auch froh, wenn ich in Ruhe in der Kabine abschalten kann.“

Mittags hat die Duisburgerin öfter frei. Wenn das Schiff im Hafen liegt bleibt Zeit, die Städte zu erkunden. Das Glück hat nicht jeder der 800 Crew-Mitglieder, denn die rund 1900 Passagiere möchten rund um die Uhr bespaßt werden.

Weihnachten auf dem Kreuzfahrtschiff im Zeichen der Gäste

Für die 18-Jährige ist es das erste Weihnachten weit weg vom Heimathafen Duisburg. Familie und Freunde werden an so einem Tag vermisst. Da hilft aber die Technik: „Mit Videochat bekomme ich von Zuhause was mit“, die Sehnsucht ist dann nicht so groß. Und ganz alleine wird sie an Weihnachten nicht sein: „Meine Mutter kommt an Bord, um Weihnachten hier mit mir zu sein.“

So richtig Weihnachtsstimmung wollte bisher an Bord nicht aufkommen. Adventskränze sind verboten, die Kerzen bergen eine zu große Gefahr, und auch die Tannen sind aus Plastik. Gerade Heiligabend wird für die Crew „sehr stressig“ – für die Gäste an Bord soll ein einmaliges Erlebnis entstehen. Das Schiff wird in keinem Hafen liegen sondern auf hoher See Richtung Azoren schippern.

Weihnachtsessen für die Crew

Anders wird der erste Weihnachtstag: „Da wird es ein Weihnachtsessen für die Crew geben.“ Auf dem Schiff gibt es einen guten Zusammenhalt: „Es entsteht eine große Familie“, mit der sie die nächsten vier Monate verbringen wird. Zwei Mitarbeiter teilen sich eine Kabine. Doch die Zweier-Koje habe auch Vorteile, ihre Kollegin ist schon mehr eine „Vertrauensperson“ geworden.

Den Schritt einzuschiffen hat Julia Heck nicht bereut und sie würde die Herausforderung jedem empfehlen. „Man lernt sich selbst besser kennen, die Arbeit mit den Kindern und über 40 Nationen an Bord – das ist sehr faszinierend.“ Bis Herbst nächsten Jahres wird sie noch zwei weitere Touren fahren – dann das westliche und östliche Mittelmeer erkunden. Anschließend wird sie zum Wintersemester 2020 das Kreuzfahrtschiff gegen den Hörsaal tauschen.

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