Müll

Mit Piktogrammen gegen Müll und Vandalismus in Hochfeld

Die gelben Karten mit den Piktogrammen sollen in Zukunft rund um die Pauluskirche verteilt werden. Im Bildvordergrund: Michael Willhardt und Norbert Lorenz (Wirtschaftsbetriebe Duisburg).

Die gelben Karten mit den Piktogrammen sollen in Zukunft rund um die Pauluskirche verteilt werden. Im Bildvordergrund: Michael Willhardt und Norbert Lorenz (Wirtschaftsbetriebe Duisburg).

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Pinkeln verboten: In Duisburg-Hochfeld sollen jetzt Schilder und Piktogramme gegen wilde Müllkippen und Vandalismus helfen. Nachbarn skeptisch.

Ein großer Platz vor einer Kirche, beschattet von Platanen und Buchen, mitten in einem Stadtviertel – andernorts wäre das ein Zentrum lebendigen Miteinanders. Der Pauluskirchplatz in Duisburg-Hochfeld ist aber vor allem bekannt für seine Müll- und Vandalismus-Probleme.

Jetzt haben lokale Initiativen zusammen mit den Wirtschaftsbetrieben Schilder aufgestellt, die auch Analphabeten schlüssig verdeutlichen, was hier erlaubt ist und was nicht. Verboten: Müll auf den Boden werfen, Spucken und Wildpinkeln. Das Benutzen des Abfalleimers bekommt einen grünen Haken. „Hallo Nachbarn – Meldung aus Hochfeld“ haben die Initiatoren – darunter die Wirtschaftsbetriebe und die Paulusgemeinde Hochfeld – ihr Projekt getauft.

Sechs Schilder hängen ab sofort im Herzen von Hochfeld. Hinzu kommen gelbe Karten, die mit den Piktogrammen bedruckt sind und die die Aktiven proaktiv verteilen wollen, wie Dr. Michael Willhardt vom Institut Z erklärt. Haben Kinder Trinkpäckchen in der Hand, spreche er sie an und weise sie auf Mülleimer hin, „sonst liegen die hinterher garantiert auf dem Boden“. Willhardt betont: „Der öffentliche Raum soll nicht unter die Räder kommen. Dafür wollen wir nicht über die Nachbarn reden, sondern mit ihnen.“

Gemeinde will bewusst den Kirchplatz wie ein Dorfzentrum offen halten

Ein kleiner Junge läuft beim Pressetermin auf dem Pauluskirchplatz mit seinem Bonbonpapier zum Mülleimer und erntet ein aufmunterndes Daumen hoch aus der Runde. Im Hintergrund kurvt ein Reinigungswagen der Wirtschaftsbetriebe entlang, selbst der Bezirkspolizist kommt auf seiner Patrouille vorbei. Ein Filmset hätte nicht besser organisiert sein können.

Jörg-Holger Ibsch kann da nur grinsen, er bringt viel Gelassenheit und Humor in die Problematik. Der Vorsitzende des Presbyteriums der Pauluskirche berichtet, dass sich die Gemeinde bewusst für eine Öffnung des Platzes und gegen Zäune entschieden habe. Es werde eigens eine 400-Euro-Kraft finanziert, die mithilft, das Gelände sauberzuhalten. Selbstredend, dass vor dem Pressetermin auch die Wirtschaftsbetriebe eine Extra-Runde gedreht hatten. Anscheinend nicht vor dem Schild auf der Brückenstraße, wo sich die Kaffeelöffel und Zigarettenkippen schon wieder häufen.

Jährlich 7000 wilde Müllkippen in Duisburg

Die Wirtschaftsbetriebe Duisburg entsorgen jährlich 7000 wilde Müllkippen, „ein Drittel davon in Hochfeld“, sagt Norbert Lorenz, Geschäftsbereichsleiter der Stadtreinigung. Die Nutzung des öffentlichen Raumes habe sich massiv verändert, Zugezogene würden sich viel draußen aufhalten, „sie haben aber wenig Empathie zum Thema Müll“. Rund 200.000 Euro kostet die Entsorgung.

Es fehlt noch ein Mittel gegen Vandalismus. 20.000 Euro wurden 2018 in neue Scheiben investiert. Aktuell seien auch schon wieder 18 Fenster kaputt. „Trotzdem soll das hier das Zentrum von Hochfeld sein“, betont Ibsch fast trotzig und mit ihm die Mehrheit der Kirchengemeinde. Sagt es und weist zugleich auf die Leere des Platzes: „Die Außenmöblierung haben vermutlich Schrotthändler abgeflext.“ Auch Blitzableiter, Abflussrinnen – nichts bleibt, wie es ist.

Persönliche Ansprache auf nachbarschaftlicher Ebene

Willhardt war erst kürzlich in Schumen in Bulgarien, wo viele der Neu-Hochfelder herkommen. Dort gebe es ebenso Mülltrennung wie hier, das Fehlverhalten werde also nicht importiert. Es handele sich bei den Neu-Hochfeldern um „schlecht erzogene Menschen“ mit minimaler Schulbildung, ohne Berufsabschluss, und die wolle man mit den Piktogrammen und persönlicher Ansprache auf nachbarschaftlicher Ebene erreichen. Ibsch ergänzt, dass es Geduld brauche, Menschen zu integrieren, mit Italienern, Türken und anderen sei das über die Jahre ja auch gut gelungen.

Der Hochfelder Gerhard Knoblich glaubt nicht, dass gelbe Karten und Piktogramme helfen. Seit zehn Jahren lebe er in Hochfeld, hoffte auf eine Art Kreuzberger Kiez im Westen – jetzt würde er am liebsten wegziehen. „Mehr Kameras, mehr Ordnungsamt, mehr Kontrolle“, fordert er und setzt bis dahin auf die „Reinigungsklasse P, P für privat“.

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