Konzertabend

Nicolas Altstaedt spielt Bachs Cello-Suiten in Duisburg

Als Benefizkonzert spielte Nicolas Altstaedt interpretiert alle sechs Cello-Suiten Johann Sebastian Bachs im Lehmbruck-Museum.

Als Benefizkonzert spielte Nicolas Altstaedt interpretiert alle sechs Cello-Suiten Johann Sebastian Bachs im Lehmbruck-Museum.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.   Der ehemalige Residenzkünstler der Duisburger Philharmoniker stellt sich der Herausforderung. Nach zweieinhalb Stunden feiert ihn das Publikum.

Er hat sein Versprechen eingelöst, dem Duisburger Publikum alle sechs Suiten für Violoncello solo von Johann Sebastian Bach in zyklischer Geschlossenheit zu schenken. Und das verband Nicolas Altstaedt, der ehemalige „Artist in Residence“ der Duisburger Philharmoniker und Träger des Duisburger Musikpreises, gleich mit einem Benefizkonzert zugunsten der Plant-for-the-Planet Foundation „Wir pflanzen Bäume für eine bessere Welt“ im nahezu voll besetzten Lehmbruck-Museum.

Eine gewaltige Herausforderung für Musiker und Publikum

Diesmal hielten die Saiten und das „Alte Testament“ der Cello-Literatur konnte Altstaedt ohne Störung aufblättern. Verbunden mit gewaltigen physischen und mentalen Herausforderungen für jeden Musiker, die Altstaedt mit bewundernswerter Kondition und Konzentration bewältigte. Immerhin gilt es, eine reine Spieldauer von gut zwei Stunden allein auf dem Cello zu stemmen, und das mit einer Musik, die angesichts ihrer kompositorischen Komplexität und geistigen Tiefe als Konzentrat der Bachschen Ästhetik bezeichnet werden kann. Keine leichte Kost also: weder für den Künstler noch für das Publikum.

36 Sätze zyklisch musiziert

Man mag angesichts solch anspruchsvoller Literatur über den Sinn einer zyklischen Aufführung streiten. Auch Altstaedt kann nicht jeden der 36 Sätze mit gleicher Intensität bedienen und jedem Satz ein eigenes Profil verleihen. Insgesamt nähert sich Altstaedt den Werken ohne jeden dogmatischen und traditionellen Ballast. Er geht einem romantisierenden Bach-Bild ebenso aus dem Weg wie historischen Aufführungspraktiken. So konzentriert er sich der Musik zuwendet, so distanziert klingt manches. Wohl wissend, dass diese Suiten auf dem Tanzboden nichts mehr zu suchen haben. Vor allem in den Préludes, Allemandes und Sarabandes legt er deshalb mehr Wert auf die rhetorische Ausdruckskraft der Musik, wobei er die Tempi der Allemandes bisweilen auf die der getragenen, aber klanglich dennoch schlank gestalteten Sarabandes zurückschraubt. Um so stärker dreht er in den Courantes und Gigues an der Tempo-Schraube, wodurch die letzten tänzerischen Elemente eliminiert werden. Musik, die im Rausch an den Ohren der Zuschauer vorbeifliegt und die formale Übersicht erschwert.

Konzept spieltechnisch perfekt umgesetzt

Besonderheiten wie in dem an Bachs Orgelmusik orientierten Prélude zur 5. Suite arbeitet er ebenso markant heraus wie die konzertant-virtuosen Einflüsse in der 6. Suite. Und auch auf das introvertierte, schwer zu bändigende Prélude der 2. Suite in d-Moll findet er eine überzeugende Antwort, ohne den Satz zu zergrübeln. Dass Altstaedt sein Konzept spieltechnisch perfekt umsetzen kann, ist angesichts seines Rangs selbstverständlich. Dass seine Botschaft angekommen ist, bewies das Publikum nach zweieinhalb fordernden Stunden mit überwältigenden Ovationen.

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