Stadtgeschichte

Filmspaß mit 800 Zuschauern in Duisburg-Walsum

Das Schloß-Theater an der Friedrich-Ebert-Straße in Walsum im Jahre 1952. Repro.

Das Schloß-Theater an der Friedrich-Ebert-Straße in Walsum im Jahre 1952. Repro.

Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Walsum.   In der einstigen Bergbaustadt Walsum existierten bis in die 1970er Jahre sechs Kinos. Der Chef des Heimatvereins, Helmut Schorsch, erzählt aus der Zeit der „Lichtspielhäuser“.

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„Nicht nur Hamborn hatte sechs Kinos. Walsum auch!“ Es liegt reichlich Stolz in der Stimme, als Helmut Schorsch das sagt. Der Chef des Walsumer Heimatvereins will damit sagen: Selbst das kleine Städtchen konnte mit der längst zu Duisburg geschlagenen einstigen selbstständigen Großstadt Hamborn in diesem Punkt problemlos mithalten. Und auch mit der benachbarten Kreisstadt Dinslaken. Mitte der 1950er Jahre zählte Walsum selber gerade mal gut 35.000 Einwohner.

Über jedes einzelne Kino gibt es Karteikarten, die fein säuberlich in den Aktenschränken des Vereins aufbewahrt werden. Dazu gibt es reichlich Fotos: Von den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Häusern, in denen sich so genannte „Lichtspielhäuser“ befunden hatten, aber auch von den wieder aufgebauten Gebäuden, in die in den Wirtschaftswunder-Jahren Kinos einzogen.

Zum ersten Mal erlebten die Walsumer die „laufenden Bilder“, als „Weidenauers Kinematograph“ während der Aldenrader Kirmes im Jahr 1907 zu einem Besuch einlud. Die Menschen waren begeistert: Fotos, die kannten sie, „Daumenkinos“ auch. Aber dass die Bilder buchstäblich „laufen lernten“, das war neu.

Bevölkerung pilgerte zum Lichtspielhaus

Es sollte jedoch noch elf Jahre dauern, bis das erste Kino unter dem Namen „Walsumer Lichtspiele“ 1918 an der heutigen Dr.-Wilhelm-Roelen-Straße eröffnete.

Die Bevölkerung pilgerte bei jeder Gelegenheit dorthin, wollte sich von den noch ruckelnden Bildern berieseln lassen. Das Unternehmen gehörte Arnold Brücker. Er benannte sein Lichtspielhaus mehrfach um, weil er mit der Zeit gehen wollte. Zuletzt hieß es „Rex“. „Damals“, erinnert sich Helmut Schorsch, „waren Kinos ja mehr als reine Lichtspielhäuser. In den Sälen fanden auch andere Veranstaltungen statt, zum Beispiel Varieté-Vorstellungen. Deshalb hatte Brücker sein Haus zwischenzeitlich auch mal Buntes Theater Walsum genannt.“ Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg liefen dort noch Filme. „Heute“, sagt der Heimatfreund, „steht nur noch die Ruine. Am alten Schachteingang.“

Das zweite Kino nannte sich „Filmeck“ und war kurz nach dem Krieg eröffnet worden. Es befand sich an der Kolpingstraße/Ecke Friedrich-Ebert-Straße. Es war in der einstigen Gaststätte Tofahrn eingerichtet worden und bot sage und schreibe 800 Personen Platz. Und nicht selten, erinnert sich Schorsch, „war die Tropfsteinhöhle“ ausverkauft. So wurde die Einrichtung im Volksmund genannt, weil durch die Decke manchmal Regenwasser sickerte. Der Bau war nach dem Krieg nur notdürftig wieder hergerichtet worden und hatte kein Dach. Deshalb waren Hut oder Regenschirm nützliche Begleiter.

Die "Glück-Auf-Lichspiele" eröffneten in den 1950er

Die Nummer „Drei“ waren die „Glück-Auf-Lichtspiele“, die im einstigen Ledigenheim Wehofen in den frühen 1950er Jahren eingerichtet worden waren. „Manchmal waren ein paar Reihen gesperrt“, schmunzelt Schorsch und kratzt sich verlegen an der Backe: „Wegen Ungeziefer.“ Läuse und Flöhe fühlten sich dort offenbar wohl.

Die „Barbara-Lichtspiele“, die 1952 eröffneten und 600 Sitzplätze am Franz-Lenze-Platz boten, existierten wie die meisten Kinos bis in die 1970er, 1980er Jahre. Dann machte das Fernsehen Häusern wie dem „BaLi“ – so nannte sich das Vierlindener Haus auch – immer mehr Konkurrenz. Mit der Folge, dass eines nach dem anderen schließen musste. Die Menschen, die früher insbesondere an Wochenenden und in den Ferien mehrere Vorstellungen an einem Tag besuchten, setzten sich ins Pantoffelkino und machten es sich dort mit einem kühlen Blonden oder einer Limo bequem.

Das letzte Kino eröffnete 1958

Kino Nummer fünf war das Schloßtheater neben dem Waldschlößchen an der Friedrich-Ebert-Straße (früher Provinzialstraße). 787 Zuschauer hatten dort Platz. Es war das einzige Haus mit einem Balkon, weshalb man in den 1950er Jahren überlegte, es zum Theater umzubauen. „Aber: das Geld fehlte“, weiß Schorsch. Dort traten viele Berühmtheiten der damaligen Zeit auf, darunter Drafi Deutscher, erinnert sich der Walsumer Heimatvereins-Chef.

Das letzte Kino, das 1958 eröffnete, waren die „Gloria-Lichtspiele“ mit Platz für 600 Personen. Die damals noch selbstständige Gemeinde Walsum war wirklich stolz: „Jetzt haben wir genau so viele Kinos wie die Kreisstadt Dinslaken“, freuten sich die Bürger und die Mitarbeiter der Verwaltung.

Heute ist die Situation anders: Das 50.000 Einwohner zählende Walsum ist kinofreie Zone und Dinslaken erfreut sich regen Zulaufs in der Lichtburg.

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