Politisches Nachtgebet

Marxloher reden über Verhältnis von Christen und Muslimen

Pfarrer Jens Dallmann hatte mit Tijmen Aukes, Referent für interreligiösen Dialog vom Evangelischen Kirchenkreis Duisburg, einen Experten in Marxloh zu Gast.

Pfarrer Jens Dallmann hatte mit Tijmen Aukes, Referent für interreligiösen Dialog vom Evangelischen Kirchenkreis Duisburg, einen Experten in Marxloh zu Gast.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Marxloh.  Beim Politischen Nachtgebet tauschten sich Pfarrer und Bürger über den Zustand der Dialogbereitschaft bei Christen und Muslimen aus.

Schlägerei am Pollmann-Eck, Finanzierung der Moscheen, muslimische Vereine, vor allem aber: den Dialog suchen und Kontakte zum Islam knüpfen – das waren die thematischen Schwerpunkte beim Politischen Nachtgebet in der Marxloher Kreuzeskirche. Seit mittlerweile 20 Jahren gibt’s dieses Nachtgebet im rötlich gefärbten Gotteshaus. Gesellschaftliche Angelegenheiten werden hier seitdem jeden ersten Montag im Monat mit dem Pfarrer, einem Experten und den Bürgern diskutiert.

An diesem Montag ging es um den christlich-muslimischen Dialog im Stadtteil. Anlass für „einen Beitrag zum Frieden in unserer Stadt“ – so stand es in der Ankündigung – war der noch nicht lange zurückliegende Tag der deutschen Einheit. Der 3. Oktober ist seit 1997 auch der Tag der offenen Moscheen.

Seit Jahrzehnten begegnen sich Muslime und Christen in Duisburg. Der Bürgerdialog in der Kreuzeskirche sollte die aktuelle Lage aufzeigen und sowohl die Experten als auch die Bewohner zu Wort kommen lassen. Pfarrer Jens Dallmann hatte den Referenten für interreligiösen Dialog vom Evangelischen Kirchenkreis Duisburg eingeladen, Pfarrer Tijmen Aukes. In einem Interview am Altar fragte Dallmann vor etwa 30 Besuchern unterschiedliche Themengebiete ab. Und Tijmen Aukes, der Kirchen- und Moscheengänge beruflich verknüpft, stellte zunächst klar: „Wir sollten mehr mit- statt übereinander reden. Direkte Gespräche suchen – das ist die Basis für Dialoge.“

Das Interesse am Gegenüber sei unterschiedlich stark ausgeprägt. Während dialogbereite Muslime – meist Jugendliche und Frauen – viel über das Christentum wüssten und Weiteres erfahren wollten, seien nach Aukes Beobachtungen die deutlich älteren Christen eher zurückhaltend. „Bei verschiedenen Dialog-Veranstaltungen war ein klares Ungleichgewicht zu erkennen“, sagte der Experte. Vermutlich sei auch der Stellenwert des eigenen Glaubens ein Grund dafür, meinte Aukes.

Erinnerungen an den beginn des Irak-Kriegs kamen hoch

Pfarrer Dallmann wollte erfahren, wo und an wen man sich denn wenden könne, wenn man vorhabe, Kontakt zu Muslimen oder zum Islam herzustellen. „Die Ditib-Begegnungsstätte und VIKZ Hamborn sind gute Ansprechpartner in der Nähe“, antwortete der Mann vom Evangelischen Kirchenkreis.

Dann konnten auch die anwesenden Marxloher ihre Fragen stellen und Anmerkungen abgeben. Wolfgang Köhler erinnerte sich noch an den Anfang des Irak-Krieges, als plötzlich eine Menschenmenge am August-Bebel-Platz aggressiv gepöbelt habe: „Dank des Einsatzes der Pfarrer und des Imams beruhigte sich die Lage.“ Damals hätten die Marxloher Geistlichen gemeinsam klargemacht: „Das ist nicht unser Krieg!“ Allerdings sehe Köhler eine Gefahr durch extreme Polarisierung, woran er sich auch im September bei der Schlägerei am Pollmann-Eck erinnert fühlte. „Plötzlich waren da zig Leute, die mit der Ausgangssituation nichts zu tun hatten.“

Dennoch sei Köhler optimistisch, nicht zuletzt durch seinen Besuch am 3. Oktober in der Merkez-Moschee. „Dort verteilten Muslime ein Heft, das Heimat thematisierte.“ Darin sei an Moses und Jesus erinnert worden, die ebenfalls Wanderer waren, Migranten sozusagen. „Menschen finden dort ihre Heimat, wo sie Frieden und Respekt finden“, meinte der Marxloher.

Konsens: Mehr Interesse am Gegenüber zeigen

Ein anderer Besucher merkte die nicht-transparente Finanzierung von Moscheen und muslimischen Vereinen an: „Oftmals finanzieren das Staaten wie Saudi-Arabien“, vermutete er. Ob sich dadurch Moscheen nicht abhängig machten, fragte er Tijmen Aukes. „Ja, das Problem gibt es“, stellte Aukes fest. Transparenz könne eine Lösung sein. Doch auch hier betonte der Referent, dass es problematisch sei, alle Vereine oder Moscheen zu verdächtigen: „Viele Muslime spenden, Veranstaltungen bringen Einnahmen, auch das sollte man nicht vergessen.“

Die anderen Besucher hatten diesem Politischen Nachtgebet nichts hinzuzufügen. Einig war man sich im Anschluss, dass gemeinsame Gespräche und auch ein gewisses Interesse am Gegenüber helfen, Vorurteile abzubauen, voneinander zu lernen und weiterhin friedlich zusammenzuleben.

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