Prozess

Spielhallen-Räuber vergisst Schraubenzieher am Tatort

Ein Duisburger muss sich vor dem Landgericht Essen wegen schweren Raubes verantworten.

Ein Duisburger muss sich vor dem Landgericht Essen wegen schweren Raubes verantworten.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen  Zwei Spielhallen in Duisburg und Bottrop hat ein 28-Jähriger überfallen. Bei den Taten ging aus seiner Sicht allerdings einiges schief.

Reumütig gibt er sich, schuldbewusst. Für zwei Raubüberfälle in Bottrop und Duisburg hat sich der 28 Jahre alte Duisburger Ergin B. seit Dienstag vor dem Landgericht Essen zu verantworten. Ein Profi scheint er nicht zu sein. Laut Anklage hat er am Bottroper Tatort sogar die Tatwaffe, einen Schraubenzieher, vergessen.

Vor der XXV. Strafkammer gesteht er die beiden Überfälle vom 20. und 21. Oktober vergangenen Jahres. Belastet hatte ihn schon sein mutmaßlicher Komplize, der ihn sogar als treibende Kraft für die Taten beschuldigt hatte. Der Mittäter schweigt allerdings am Dienstag als Zeuge, weil er noch sein eigenes Verfahren erwartet.

Mit dem Mercedes zur Spielhalle gefahren

Am 20. Oktober waren die beiden laut Geständnis kurz nach Mitternacht mit ihrem alten C-Klasse-Mercedes zu einer Spielhalle in der Prosperstraße in Bottrop gefahren. Vermummt und mit Schraubenzieher beziehungsweise Golfschläger bewaffnet, bedrohten sie die weibliche Mitarbeiterin: „Überfall. Geld her. Oder ich erschlage Sie.“

Sie blieb ruhig, öffnete die Kasse, löste einen stillen Alarm aus. Münzgeld nahm der Komplize heraus, verlangte aber auch die Öffnung des Tresors. Doch dafür fehlte ihr der Schlüssel, was sie den beiden auch mitteilte.

Flucht mit Beute von 1400 Euro Bargeld

Ergin B. versuchte noch, einen Geldwechsler gewaltsam zu öffnen, schließlich brachen die beiden ihr Vorhaben aber ab und flüchteten mit einer Beute von 1400 Euro. In der Aufregung vergaß Ergin B. den Schraubenzieher am Tatort.

Einen Tag später, erneut kurz nach Mitternacht, steuerten sie eine Spielhalle an der Grabenstraße in Duisburg an. Wieder waren sie vermummt, trugen Handschuhe. Diesmal bedrohte der Angeklagte die Angestellte mit einem Messer. Sie erbeuteten 700 Euro aus der Bargeldkasse und 20 Euro aus der Kaffeekasse. Als sie mitbekamen, dass die Mitarbeiterin den Alarm ausgelöst hatte, suchten sie das Weite.

Festnahme in einer Verkehrskontrolle

Sieben Tage später gerieten sie in Düsseldorf in eine Verkehrskontrolle und wurden festgenommen. Beide waren zur Fahndung ausgeschrieben.

Bei der Bottroper Spielhallenaufsicht entschuldigt sich Ergin B. im Prozess: „Es tut mir leid, dass ich Ihnen Angst gemacht habe.“ Sie nickt. Das nimmt er wohl als Zustimmung und fügt hinzu: „Wenn ich auf freiem Fuß bin, komme ich vorbei, um mich persönlich zu entschuldigen.“ Heftig schüttelt sie den Kopf. Nein, das will sie auf keinen Fall.

Opfer will Ersatz fürs zerstörte Handy

Eine Bitte hat die von einem Kripobeamten als „taff“ bezeichnete Frau noch. Was denn mit ihrem beim Überfall zerstörten Handy sei? Sie sei nicht versichert. Noch bevor Richter Markus Dörlemann antworten kann, schaltet sich der Angeklagte ein. Bei ihm seien bei der Festnahme 277 Euro sichergestellt worden. Davon könne die Frau sich doch ein neues Telefon kaufen.

Der Richter nimmt das zu Protokoll, warnt die Zeugin aber: „Was sich hier so einfach anhört, ist viel komplizierter.“ Denn das Geld sei bei der Staatsanwaltschaft. Es komme darauf an, wofür sie es verwenden wolle. Der Prozess wird am 19. März fortgesetzt.

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