Traditionsrummel

Rückläufige Besucherzahlen: Kritik an Beecker Kirmes wächst

Blick auf die Beecker Kirmes am vergangenen Samstag.

Blick auf die Beecker Kirmes am vergangenen Samstag.

Foto: Fabian Strauch / Fabian Strauch / FUNKE Foto Services

Duisburg.  In sozialen Netzwerken und per Leserbrief haben Duisburger die Beecker Kirmes stark kritisiert. Die Besucherzahlen sind rückläufig.

Am Abend wird die 480. Beecker Kirmes mit einem Feuerwerk ihr Ende finden. Ein fulminanter Abschluss für die fünftägige Veranstaltung im Duisburger Norden. In den sozialen Netzwerken sorgt der Traditionsrummel aber eher für Ernüchterung. Die Kirmes habe schon lange nicht mehr den Charme vergangener Jahrzehnte. Einen Niedergang des Rummels belegen auch die Besucherzahlen.

„Wir sind zufrieden“, sagt Marc Engel, Sprecher von Duisburg-Kontor. 200.000 Besucher werden bis zum Abschluss der Kirmes erwartet. Im Jahr 2017 waren es noch rund 100.000 Gäste mehr.

Viel Kritik in den sozialen Netzwerken

Die Bilanz der Schausteller fällt durchwachsen aus: „Es ist akzeptabel“, sagt Mike Bengel, Sprecher der Duisburger Schausteller. „Wir kommen klar.“ Gerade der Samstag sei aus gastronomischer Sicht enttäuschend gewesen. Am Nachmittag hatte es sich zugezogen, Regen ergoss sich über die Besucher, die schlagartig flüchteten.

„Die Beecker sind schockiert, wie sich die Kirmes entwickelt hat“, sagt etwa Torsten Karau. Der 47-jährige Beecker blickt auf Facebook auf vergangene Zeiten zurück. Die Gruppe „Erinnerungen aus Beeck“ zählt mehr als 1.000 Mitglieder. Mehrheitlich wird von den Usern Kritik an der Kirmes vor der Haustür geäußert. „Zu wenig Fahrgeschäfte“, lautet ein Urteil. „Die Kirmes ist zusammengeschrumpft“, sagt Karau. „Früher war es immer voll, man hat keinen Parkplatz bekommen“, erinnert er sich.

Kirmes im Wandel der Zeit

Was deutlich wird: Volksfeste wie die Kirmes befindet sich in einem Transformationsprozess. „Eine Kirmes wie vor 50 Jahren würde heute nicht mehr funktionieren“, sagt Engel. Höher, schneller und weiter seien die Extreme, nach denen Besucher streben. „Von den Attraktionen her war das Niveau der Kirmes noch nie so hoch wie heute“, urteilt Bengel. „Früher war alles besser hat aber mein Opa schon gesagt“, doch damals gab man sich vor der Haustür mit weniger spektakulären Fahrgeschäften zufrieden.

Bei dem Urteil der Attraktivität handle es sich oft um ein emotionales Empfinden, welches stark mit Erinnerungen verknüpft wird. „Als 15-jähriger habe ich eine Kirmes auch anders wahrgenommen“, sagt Engel. Die erste Autoscooterliebe oder Erfolge am Greifautomat – Erwachsene erlebten den Ausflug auf die Kirmes im Vergleich zu ihrer Jugendzeit anders. Nicht so die Kinder: Überall hat Bengel an den vergangenen fünf Tagen strahlende Kinderaugen gesehen.

Neuer Termin der Grund für den Besucherschwund?

Die rückläufigen Besucherzahlen erklärt der Beecker Karau auch mit dem neu etablierten Termin der Kirmes. Bis vor zwei Jahren war der Rummel in seiner langen Historie untrennbar mit dem Bartholomäustag verbunden. Der wird am 24. August gefeiert und immer am Sonntag danach kamen Kirmesfans in Beeck auf ihre Kosten.

Der Entschluss, die Kirmes fortan immer am ersten Sonntag im Juli zu eröffnen, sollte mehr Besucher anlocken und für ein attraktives Angebot sorgen. „Wenn man mit einer Tradition bricht, gibt es immer Kritik“, sagt Engel. Der Veranstalter ist überzeugt: „Es war die richtige Entscheidung.“ Die zeitliche Nähe etwa zur Sterkrader Kirmes bringe attraktive Schausteller auch nach Duisburg. Es sei so für die Schausteller aus logistischer Sicht einfacher, wenn zwei Termine in räumlicher Nähe nah beieinander liegen. „Es war auch wichtig an den Anfang eines Monats zu gehen“, so Engel. Dann sitze das Geld noch lockerer.

Beecker Kirmes: Auch ein Zeitungsleser äußert Kritik

Kritik wird aber nicht nur im Internet geäußert: „Nach nur 45 Minuten hatte ich, bei eher mittelmäßigem Besuch, meine Runde über die Beecker Kirmes bereits beendet und zog enttäuscht ab“, schreibt Rainer Pollert dieser Redaktion in einem Leserbrief. „In Beeck gibt es seit Jahren immer mehr Lücken.“ Diese versuche man mit „Alt-Karussells vergangener Jahrzehnte, teils mit recht verblichenem Lack“ aufzufüllen. Der Konkurrenz der Nachbarstädte sei man nicht mehr gewachsen, so Pollert.

Für das kommende Jahr wünscht sich Schausteller Bengel mehr Werbung. Große Plakate vermisse er im Stadtbild. Gerade die Sterkrader Kirmes in Oberhausen habe der Veranstalter „massiv gute Werbung gemacht.“ Kirmes sei da zu einem Markenzeichen geworden. Es ist aber kein Geheimnis, dass auch in Sterkrade die Besucher- und Schaustellerzahlen in den vergangenen Jahren spürbar rückläufig waren – so wie bei vielen traditionsreichen Kirmesevents.

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