Rundgang

Rundgang erweckte das mittelalterliche Duisburg zum Leben

Autorin Jennifer Becker liest beim literarischen Spaziergang durch die Altstadt von Duisburg aus ihrem Liebesroman „Die Rache der Verführerin“.

Autorin Jennifer Becker liest beim literarischen Spaziergang durch die Altstadt von Duisburg aus ihrem Liebesroman „Die Rache der Verführerin“.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg-Altstadt.  Auf den Spuren des historischen Liebesromans „Die Rache der Verführerin“ führten die Autorin und ein Historiker durch die Duisburger Altstadt.

Am Samstagvormittag erwachten der Alte Markt und ein noch mit Häusern bebauter Burgplatz wieder zum Leben. Fakten und Fiktion wurden gekonnt von der Autorin Jennifer Becker und dem Historiker Jonas Krüning vermischt, als sie in historischen Gewändern eine Gruppe von rund 25 Zuhörern auf den historischen Spuren des Liebesromans „Die Rache der Verführerin“ wandeln ließen.

Fakten und Fiktion wurden vermischt

Der Roman spielt im Duisburg des 15. Jahrhunderts. Zwar sind die darin vorkommenden Hauptpersonen fiktiv, die Umgebung ist allerdings historisch genau angelegt. Dafür hat die Autorin lange und genau recherchiert. Dabei wurde auch die Bürgerinitiative „Mercators Nachbarn“ auf sie aufmerksam. Die Idee einer gemeinsamen Führung war geboren. Krüning war am Samstag hauptsächlich für die historischen Fakten zuständig, übernahm aber auch einige Rollen bei der Lesung aus dem Buch.

Die Führung begann, wie das Buch, auf dem Burgplatz vor dem Rathaus. Die Hauptakteurin Katharina von Volden lebt dort nämlich in einem der Häuser auf der Burg. Dies sei den oberen Gesellschaftsschichten vorbehalten gewesen, erklärte Jonas Krüning. Denn sie durften ihre Häuser direkt an die Pfalz des Kaisers anbauen, mussten dafür allerdings auch den so genannten Reichszins entrichten. Selbst dann noch, als Duisburg unter klevischer Herrschaft gar keine richtige Reichsstadt mehr war. „Das ist wie mit dem Soli heute“, rief da einer der Zuhörer lachend ein.

Katharinas Vater ist ein erfolgreicher, aber sehr geiziger, verwitweter Kaufmann. Er gönnt weder sich selbst, geschweige denn seiner Tochter etwas. Statt sich verheiraten zu lassen, will sie lieber als Weinhändlerin auf eigenen Füßen stehen. Auch ihr Vater ist ein Wein- und Tuchhändler, traut der Tochter es aber nicht so recht zu, in seine Fußstapfen zu treten. Helfen könnte ihr dabei ein schroffer Landadeliger.

Wichtiger Handelsstandort für Wein

In einem anderen Handlungsstrang flüchtet eine Bürgerstochter vor einem Medicus, der sie zur Ader lässt, nach Duisburg. Die Stadt sei bis etwa ins 16. Jahrhundert ein wichtiger Handelsstandort für Wein gewesen, erläutert Krüning. Das habe an der günstigen Lage des Rheins gelegen, der dann allerdings sein Flussbett verlegte. Genauso wie der alte Rheinarm versandete auch der Weinhandel in Duisburg.

Im Roman wandeln die Frauen dabei durch allerlei historische Orte und Ereignisse: den historischen Markt, die damals mit 400 Metern als lang geltende Beekstraße und natürlich die Salvatorkirche. Katharina ist außerdem als Wartfrau unterwegs. „Als am 12. März 1445 der Kölner Erzbischof Duisburg überfallen wollte, haben die Frauen die Stadtwache gewarnt“, erzählte Jonas Krüning. Denn sie hätten im Mittelalter auf vorgezogenen Posten außerhalb der Stadtmauer Wache halten müssen. Der Angriff wurde zurückgeschlagen, und lange Jahre war der 12. März als Krekelen-Tag ein Feiertag in Duisburg. Krekelen ist die altdeutsche Bezeichnung für Brezeln. Die wurden an diesem Tag dann auch verteilt. „Er ist aber irgendwie in Vergessenheit geraten“, bedauert Krüning.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben