Kammerkonzert

Schauspielerin Martina Gedeck begeistert beim Kammerkonzert

Martina Gedeck ist aus vielen Filmen bekannt. Ihre Sprachkunst nimmt die Besucher ab der ersten Silbe gefangen.

Martina Gedeck ist aus vielen Filmen bekannt. Ihre Sprachkunst nimmt die Besucher ab der ersten Silbe gefangen.

Foto: Zoltan Leskovar

Duisburg.   Martina Gedeck rezitiert Texte von Else Lasker-Schüler und wird von den Musikern Avi Avital und Dávid Aodrján begleitet. Gelungen!

Selbst Schauspieler der Extraklasse haben es manchmal schwer gegen die emotionale Kraft der Musik anzutreten. Eine kleine Geigenmelodie kann einem Rezitator schon mal die Schau stehlen. Nicht so bei Martina Gedeck: Die aus vielen hochkarätigen Filmen bekannte Darstellerin präsentierte nun im Rahmen der Kammerkonzerte mit Avi Avital an der Mandoline und dem Cellisten Dávid Adorján einen Abend mit Texten von Else Lasker-Schüler.

„Mein Herz“ ist das Motto des Abends, der durch die Unterstützung der Peter-Klöckner-Stiftung ermöglicht wird, und der hier aus Anlass des 150. Geburtstags der aus Elberfeld stammenden expressionistischen Autorin stattfindet. Martina Gedecks Sprachkunst nimmt ab der ersten Silbe gefangen. Sie rezitiert die Gedichte, Geschichten und Briefe nicht einfach, sondern macht sie sich ganz zu eigen.

Stephan Barbarino führt Regie

Manche Texte erzählt sie auswendig, andere liest sie ab. Aber auch diese Texte bekommen einen solch starken Ausdruck, dass sie wie aus dem Moment entstehen. Die Regie von Stephan Barbarino verleiht den Texten zusätzliche Energie: Mal sitzt Gedeck auf einem Tisch, und baumelt mit den Beinen, dann schlendert sie über die Bühne und lässt sich in einen Sessel fallen. Das Ganze wirkt nie aufgesetzt, sondern unterstreicht stets die Stimmung und den Inhalt die Texte.

Drei großformatige Stoffbilder heben den szenischen Anspruch des Abends hervor. Links sehen wir einen Schlafraum mit hellem Fenster, hinter dem in der Mittel platzierten Sessel sieht man einen auf Stoff gemalten Wandteppich und rechts befindet sich ein gemalter öffentlicher Raum, vielleicht eine Kneipe. Vor diesem Bild sitzen die Musiker Avi Avital und Dávid Aodrján.

Die Musikstücke unterstreichen die Stimmung der Texte oder setzen diese fort. Meist erklingen die Musiken als Zwischenspiele, manchmal begleiten sie aber auch die Texte. Zwar ist die Kombination von Text und Musik stets schlüssig, sie hätte aber noch runder sein können, wenn man nur Musik ausgewählt hätte, die zur Else Lasker-Schülers Lebzeiten komponiert wurde.

Avi Avital und Dávid Aodrján begleiten die Texte

Jörg Widmanns „Valse bavaroise“ passt zwar in seiner ironischen Brechung von Volksmusik gut zu den verfremdeten Wirklichten der Dichterin, stammt aber aus dem Jahr 2008. Auch ist der Impressionist Maurice Ravel nicht die naheliegende Untermalung der expressionistischen Texte. Punktgenau schmiegen sich allerdings Bela Bartoks Duos und Erwin Schulhofs „Zingaresca“ an die Texte an.

Avi Avital ist ein großer Virtuose an der Mandoline und hat das Instrument mit einigen aufsehenerregenden Aufnahmen aus seinem Nischendasein befreit. Hier gibt er sich aber ganz Bescheiden und lässt der Dichtung den Vortritt. Trotzdem überrascht er mit der Vielseitigkeit des Instrumentes, seinem virtuosen Können und der Bandbreite seines Musizierens. Mit „Nigun“ von Ernest Bloch spielt er ein großartiges Solo, in dem er beweist, dass die Mandoline nicht nur in Volks- oder Barockmusik einsetzbar ist.

David Ardojan ist bei den vielen Duos, die hier erklingen mit seinen gestrichenen Tönen das perfekte Gegenstück zu den gezupften Mandolinen-Saiten. Lyrisch und gewitzt musiziert er Ausschnitte aus Hans Werner Henze Serenade von 1949. Das Publikum in der Mercatorhalle lauscht dem Zusammenspiel von Literatur und Musik mit großer Konzentration. Zum Abschluss gibt es viel Beifall und sogar Bravo-Rufe. Wann erlebt man es schon einmal, dass Literatur so gefeiert wird?

>> Nächstes Kammerkonzert am 16. Juni

Das 9. Kammerkonzert findet am Sonntag, 16. Juni, um 19 Uhr in der Mercatorhalle statt. Zu Gast ist das Internationale Streichorchester „Les Essences“. Es spielt unter Leitung von Önder Baloglu.


Tickets zum Preis von 10-25 Euro (ermäßigt 5,50-13 Euro) gibt es ab sofort im Vorverkauf.

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