Spielplatz-Test

So kinderfreundlich ist Duisburg: Wenig Geld für wenig Spielplätze

Der Waldspielplatz an der Sechs-Seen-Platte ist bei den Kindern sehr beliebt.

Der Waldspielplatz an der Sechs-Seen-Platte ist bei den Kindern sehr beliebt.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Statistisch gesehen teilen sich in Duisburg 231 Kinder einen Spielplatz, in Moers sind es gerade einmal 87 Kinder, die auf einen Spielplatz kommen.

Über 67.000 Kinder hat die Stadt Duisburg, Tendenz steigend. In Bezug auf die Gesamtbevölkerungszahl liegt der Anteil der Kinder bis 14 Jahre in Duisburg bei 7,25 Prozent. Statistisch gesehen teilen sich in Duisburg 231 Kinder einen Spielplatz, in Moers beispielsweise sind es gerade einmal 87 Kinder, die auf einen Spielplatz kommen.

Auch beim Budget liegt Duisburg hinter den Städten in der Umgebung: 300.000 Euro gibt die Stadt für Sanierungsmaßnahmen pro Jahr aus. Pro Spielplatz also gerade mal 1034 Euro. Das ist weniger als die Hälfte der Summe, die die Nachbarstädte zur Verfügung stellen. Mit Ausnahme von Dinslaken. Dort wird noch weniger investiert.

So sieht ein moderner Spielplatz aus

Welche Kriterien sollte aber eigentlich ein moderner Spielplatz erfüllen? Laut dem Juristenportal jura.forum.de sollte das Gelände durch Zäune, Buschwerk oder andere Barrieren von umliegenden Gefahrenquellen abgetrennt sein. Das sind nicht nur Straßen, genauso gefährlich sind Flüsse, steile Abhänge oder Seen. Wenn Zäune gezogen wurden, ist es ganz wichtig, dass sie keine spitzen Enden oder Kanten haben, an denen die Kinder sich verletzen könnten. Außerdem sollten sie nicht zum Klettern verleiten.

Altersgerechte Spielgeräte

Die Bodenbeschaffenheit sollte aus weichen Materialien bestehen. Beliebt sind hier Rindenmulch und Sand, aber auch gepolsterte Matten oder abgeschliffene Flusskiesel bieten einen guten Schutz vor Sturzverletzungen.

Die vorhandenen Pflanzen sind ungiftig. Die Abstände zwischen den einzelnen Geräten sollten nicht zu gering sein. Die Kinder sollten sich nicht gegenseitig behindern, wenn sie von einem Gerät zum anderen laufen. Das gesamte Spielplatzgelände ist frei von spitzen Gegenständen. Glasscherben oder Hundekot sind ein Tabu. Es sind Abfalleimer vorhanden, die auch regelmäßig geleert werden.

Die Spielgeräte sind fest im Boden verankert. Die Oberflächen sämtlicher Attraktionen sind unbeschädigt, das heißt, es gibt keine sichtbaren Schäden wie Risse, Splitter oder Rost. Es stechen keine Nägel, Schrauben, Metallstücke oder andere spitze Teile hervor.

Wippen und Rutschen haben ausreichend Haltegriffe. Die Rutschen haben keine größeren Risse oder Unebenheiten, an denen die Kinder mit ihrer Kleidung oder Kordelzügen der Jacke hängen bleiben könnten. Alle Ecken und Kanten sind abgerundet.

Und: Der Spielplatz sollte altersgerechte Spielgeräte für mehrere Entwicklungsstufen haben.

Der schattige Waldspielplatz an der Wedau ist auch für Eltern Erholung pur 

Wer den idyllischen Waldspielplatz an der Wedau finden möchte, muss und darf sich ganz und gar auf seine Ohren verlassen. Hinweisschilder gibt es nicht. Die braucht es auch nicht, denn die akustische Navigation ist hier eindeutig. Hier haben kleine und auch größere Kinder richtig viel Spaß. Wer vor dem Freibad Wolfssee in Wedau rechts einbiegt, läuft einfach 200 Meter geradeaus und hört dann schon von links begeisterte Jungen und Mädchen die Rutsche herunter düsen oder den Balancier-Parcours meistern.

Spielend die Natur erleben

Umgeben von Schatten spendenden Bäumen wird geschaukelt, balanciert und geklettert, was der Hosenboden hergibt. Auch Timo und Lukas sind absolute Fans dieses Spielplatzes und kommen oft hierher. „Ich mag am liebsten die große Rutsche, die ist total schnell“, sagt der elf-jährige Timo. Sein kleiner Bruder Luke nickt zustimmend, hat aber im Moment mehr Lust dazu, auf dem sich drehenden, etwa zwei Meter großen Metallteller herumzuwirbeln. Anwesenden Erwachsenen wird da schon beim Zuschauen schwindelig. Die genießen hier auch viel lieber den wunderbaren Blick über den Wolfssee.

Der Spielplatz öffnet sich zur einen Seite hin zum Wasser und erfreut damit nicht nur die Kleinen, sondern auch die Eltern, deren Erholungspotenzial hier mindestens genau so groß ist, wie das ihrer Kinder. Oder sie toben einfach mit. Semiha Kam und Cetty Galioto haben momentan keine Zeit für pittoreske Landschaftsimpressionen. Sie haben gemeinsam mit ihren Söhnen die Nestschaukel erobert und schwingen mindestens genau so ausgelassen hin und her wie der Nachwuchs. Warum auch nicht? Weit weg von Abgasen und Autolärm darf hier jeder die Natur und Klettergerüste genießen.

Hier ist nichts kaputt oder nicht bespielbar

Die Elemente sind hauptsächlich aus Holz gefertigt, sodass sich die Spielinsel im Wald wunderbar in die Umgebung fügt. Die komplette Spielfläche ist in runde Kieselsteine und Rindenmulch gebettet. Das Laufen ist herrlich anstrengend und erinnert an das Einsinken im Dünensand. Weh tun die Steinchen nicht, verhindern aber härtere Stürze. Mit High Heels ist man hier fehl am Platze. Auch lässt sich der Spielplatz nicht mal eben mit dem Auto anfahren, damit die Kinder sich vor dem Abendessen noch einmal kurz austoben können. Der Waldspielplatz an der Wedau will erobert werden, und zwar erst nach mindestens 300 Metern unebenem, nicht asphaltiertem Naturboden. Aber es lohnt sich. Mit Picknickdecke und Verpflegung ist der Sonntag hier im Nu verflogen. Die Kinder sind sich einig: Der Spielplatz ist super. Alle Geräte funktionieren, nichts ist kaputt oder nicht bespielbar.

Der Städte-Vergleich - So machen es die Nachbarn 

Dinslaken: 83 Spielplätze, die sich auf 8300 Kinder (0 bis 14 Jahre) verteilen – das ergibt in Dinslaken ein recht glattes Ergebnis von 100 Kindern pro Spielplatz. Damit liegt die Stadt direkt hinter Moers, was die niedrigste Kind-Spielplatz-Dichte angeht. Dafür bildet Dinslaken mit großem Abstand das Schlusslicht bei den jährlichen Sanierungsarbeiten: 50 000 Euro werden pro Jahr ausgegeben, das sind etwa 602 Euro pro Spielplatz.

Oberhausen: Die Stadt bietet ihren 26.745 Kindern (0 bis 14 Jahre) insgesamt 121 Spielplätze; somit kommen rund 221 Kinder auf einen Spielplatz – nur in Duisburg müssen sich mehr Kinder einen Spielplatz teilen. Pro Jahr investiert die Stadt rund 320 000 Euro in ihre Spielplätze, so dass theoretisch für jeden Spielplatz 2644 Euro zur Verfügung gestellt werden. Allerdings ist dieser 320 000-Euro-Haushalt nicht nur für Spielplätze vorgesehen. Auch die Außengelände der Schulen und Kitas sollen mit diesem Geld saniert werden.

Mülheim: 103 Spielplätze für 20.031 Kinder (0 bis 14 Jahre): Damit teilen sich rund 194 Kinder einen Spielplatz. Für Ausbesserungen und Reparaturen an Spielgeräten und Co. gibt die Stadt pro Jahr 150 000 Euro aus. Ein Spielplatz bekommt somit im Durchschnitt 1456 Euro zugeteilt – nur Duisburg und Dinslaken kommen auf weniger.

Düsseldorf: Im ganzen Stadtgebiet gibt es 451 Spielplätze, die sich 76 601 Kinder (0 bis 14 Jahre) teilen. Rein rechnerisch kommen damit etwa 170 Kinder auf einen Spielplatz. Im vergangenen Jahr lag der Sanierungsetat für städtische Spielplätze noch bei insgesamt 1 090 000 Euro, dieser wurde für 2016 allerdings gekürzt auf 1 062 000 Euro. Pro Spielplatz wird hier im Durchschnitt 2354 Euro ausgegeben.

Krefeld: In der Nachbarstadt im Südwesten wohnen 29 664 Kinder (0 bis 14 Jahre), die Auswahl zwischen 162 öffentlichen Spiel- und Bolzplätzen haben. Im Durchschnitt kommen so 183 Kinder auf einen Spielplatz. Pro Jahr stehen der Stadt 425 000 Euro für die Sanierung und Umgestaltung der Spielplätze zur Verfügung – das sind 2623 Euro pro Spielplatz.

Moers: Die Stadt bietet seinen 12 117 Kindern (0 bis 14 Jahren) insgesamt 140 Spielplätze. Damit kommen etwa 87 Kinder auf einen Spielplatz – die niedrigste Dichte im Gesamtvergleich. Pro Jahr werden 300 000 Euro für Spielplätze ausgegeben, sei es für Sanierungen oder neue Anschaffungen. Für einen Spielplatz stehen somit durchschnittlich 2142 Euro pro Jahr zur Verfügung.

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