Stahlindustrie

Atempause bei Thyssenkrupp: Keine Kündigungen bis Jahresende

Vor der Betriebsrätekonferenz demonstrierten Beschäftigte von Thyssenkrupp Steel vor der Rheinhausen-Halle.

Vor der Betriebsrätekonferenz demonstrierten Beschäftigte von Thyssenkrupp Steel vor der Rheinhausen-Halle.

Foto: Erwin Pottgiesser

Duisburg.  Durch die geplatzte Fusion mit Tata treten weitreichende Garantien bei Thyssenkrupp nicht in Kraft. Die Betriebsräte wollen das nicht hinnehmen.

Alle Arbeitsplätze, alle Anlagen, alle Standorte bleiben bei Thyssenkrupp Steel nach der abgeblasenen Fusion mit Tata zumindest bis zum Jahresende unangetastet. Das haben IG Metall und der Vorstand der Thyssenkrupp AG am Montagabend vereinbart. Über diesen Ergänzungstarifvertrag wurden am Dienstag rund 250 Betriebsräte aller deutschen TKS-Standorte in der Rheinhausen-Halle informiert.

Mit dieser Vereinbarung bekomme die Belegschaft „Sicherheit und Schutz, bis ein neues Zukunftskonzept für Stahl entwickelt wird“, erklärte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Tekin Nasikkol. Jetzt sei der Stahlvorstand gefordert, bis zum Jahresende ein Konzept für die Zukunft der Stahlsparte von Thyssenkrupp vorzulegen. Dann werde man über einen „Tarifvertrag Zukunft 2.0“ verhandeln. Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall NRW: „Im Laufe dieses Jahres muss der Vorstand liefern.“

Klares Nein zu betriebsbedingten Kündigungen

Im Vorgänger-„Tarifvertrag Zukunft“ hatten Arbeitnehmer und Arbeitgeber für den Fall eines Zusammengehens mit der Stahlsparte von Tata eine Garantie der Arbeitsplätze und der meisten Standorte von Thyssenkrupp Steel bis 2026 vereinbart. Ähnlich Qualitäten solle auch der künftige Tarifvertrag aufweisen, fordern die Arbeitnehmervertreter. „Rote Linien“ für die Gewerkschaft, so Giesler am Dienstag, seien generelle Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen. „Es gab bei uns noch nie betriebsbedingte Kündigungen, und das wird es auch nicht geben“, stellte Nasikkol klar.

Belegschaft ist kampferprobt

Auch ohne eine längerfristige Bindung ähnlich der Garantien bis 2026 will die IG Metall einen neuen Tarifvertrag nicht akzeptieren. Giesler: „Wir werden uns nicht zufrieden geben mit einem Tarifvertrag, der nur eine kurzfristige Wirkung hat.“ Auch einen Abbau von 2000 Stellen im Stahlbereich, wie er vom Konzernvorstand bereits am Freitag angekündigt wurde, werde man nicht hinnehmen, machten IG Metall und Betriebsrat deutlich. Man sei sich bewusst, dass es Einsparungen geben werde, aber über einen Stellenabbau werde erst geredet, wenn ein Zukunftskonzept für die Deutschlands größten Stahlproduzenten vorliegt.

Komme es im Verlaufe dieses Jahres nicht zu einer aus Arbeitnehmersicht akzeptablen tarifvertraglichen Regelung, kündigte Nasikkol an, sei man bereit mit einer bekanntermaßen „kampfstarken Belegschaft“ in die Auseinandersetzung mit dem Vorstand zu gehen. Der werde sich auf „harte und lange Auseinandersetzungen mit den Beschäftigten und der IG Metall“ einstellen müssen.

>> INVESTITIONEN FÜR HÜTTENHEIM

Für Standorte wie das Grobblechwerk in Hüttenheim fordert Dieter Lieske, 1. Bevollmächtigter der Duisburger IG Metall, endlich wieder angemessene Investitionen.

Weltweit gebe es rege Nachfrage nach Grobblech von renommierten Verarbeitern: „Damit kann man richtig Geld verdienen.“

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