Kantpark

Streetworker betreuen Drogenszene im Duisburger Kantpark

Im Kantpark, Richtung Friedrich-Wilhelm-Straße, versammelt sich die Szene. Polizei und Ordnungsamt rücken regelmäßig zu Einsätzen aus. Die Streetworker versuchen derzeit, Vertrauen aufzubauen.

Im Kantpark, Richtung Friedrich-Wilhelm-Straße, versammelt sich die Szene. Polizei und Ordnungsamt rücken regelmäßig zu Einsätzen aus. Die Streetworker versuchen derzeit, Vertrauen aufzubauen.

Foto: Foto: Christoph Wojtyczka

Dellviertel.  In der Vergangenheit haben sich immer wieder Passanten gestört gefühlt. Vier Streetworker sind nun vor Ort. So schätzen sie die Lage ein.

Der Kantpark bleibt, auch nach der Umgestaltung, beliebter Treffpunkt der Szene, die vor Ort Drogen konsumiert. In der Vergangenheit haben sich immer wieder Nachbarn gemeldet, vom „Angstraum Kantpark“ berichtet und dass sie sich unwohl fühlen, wenn sie dort vorbeilaufen. Polizei und Ordnungsamt führen deshalb verstärkt Kontrollen durch. In dieser Woche gab es eine Schwerpunkt-Kontrolle. Im Mai hat der Suchthilfeverbund an der Gutenbergstraße eine Anlaufstelle eröffnet, in der die Menschen sich duschen, Wäsche waschen oder über Probleme reden können. Seit September gibt es zudem vier Streetworker - umgerechnet zwei Stellen – die die Szene regelmäßig besuchen. Deborah Pelzer, Lisa Marie Kröll, Natalie Stein und Peter Selisko teilen sich die Arbeit. Ein Gespräch über ihre ersten Eindrücke und darüber, wie sie sich die Arbeit in Zukunft vorstellen.

Können Sie die Szene in Duisburg kurz beschreiben und was sie ausmacht?

Kröll: Es gibt mehrere Szenen, die sich überschneiden. Zum einen diejenigen, die eher Alkohol trinken und sich in der Innenstadt rund um den Schäferturm aufhalten. Zum anderen die Personen, die Drogen konsumieren und sich im Kantpark treffen. Die Alkoholabhängigen sind selten im Kantpark, aber natürlich gibt es auch manchmal Überschneidungen.

Dusch- und Waschmöglichkeit an der Gutenbergstraße

Ist die Gutenbergstraße nicht ein bisschen weit weg, um die Szene im Kantpark zu erreichen?

Stein: Unsere Arbeit ist ja erst seit sechs Wochen in vollem Gange. Wir gehen jeden Tag in wechselnden Teams in den Kantpark, rein in die Gruppe, sagen Hallo und erklären, was wir sonst noch für Hilfe anbieten. Es braucht Zeit, bis Vertrauen aufgebaut wurde. Die Kontakt– und Anlaufstelle wird sehr gut angenommen.

Der Suchthilfeverband, der die Anlaufstelle an der Gutenbergstraße betreibt, sitzt mit am Runden Tisch Kantpark. Dort treffen sich regelmäßig Vertreter des Amtes für Umwelt und Grün, der Museen, Ehrenamtliche von Kants Garten, Polizei, Ordnungsamt und andere Beteiligte, die die Entwicklung im Kantpark begleiten.

In der Gruppe sind vorwiegend Männer. Haben Sie einen leichteren Zugang zu ihnen?

Selisko: Das würde ich so nicht sagen. Aber es gibt Menschen dort, die vielleicht lieber mit einem Mann sprechen.

Stein: Der Vorteil von wechselnden Besetzungen ist, dass sich jeder seinen Ansprechpartner aussuchen kann. Außerdem kann so auch in Urlaubszeiten die Arbeit sicher gestellt werden. Können Sie verstehen, dass einige Personen Angst haben, dort vorbei zu gehen?Stein: Wir gehen natürlich in unserer Rolle als Streetworker in den Kantpark, das strahlen wir aus. Aber ansonsten tun die Konsumenten niemandem etwas.

Pelzer: Die Menschen sind froh über unsere Hilfsangebote, die wir ihnen machen. Man muss nicht glauben, dass es die Leute schön finden, auf der Straße zu konsumieren. In anderen Städten dieser Größenordnung wie Düsseldorf oder Essen gibt es überall einen Konsumraum.

Selisko: Die Szene sucht sich natürlich einen Ort, der gut für sie erreichbar ist.

Stein: Wir sind überrascht, wie viele Personen unsere Anlaufstelle nutzen, um sich hier zu duschen oder die Wäsche zu waschen. Hier können sie in der Zeit einen Kaffee trinken und mal in Ruhe durchpusten. http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/227128231

Sie versuchen auch Personen in Wohnungen zu vermitteln. Sind alle Menschen, die sich im Kantpark treffen, obdachlos?

Pelzer: Das ist unterschiedlich. Einige haben noch eine Wohnung und treffen sich nur tagsüber im Kantpark. Andere fallen durch sämtliche soziale Systeme. Wenn sie eine Zeit lang auf der Straße gelebt haben und es negative Schufa-Einträge gibt, ist es sehr schwer, eine Wohnung zu bekommen; die Hemmschwelle ist hoch. Hinzu kommt der angespannte Wohnungsmarkt. Selbst die Leute, die nur ein kleines Einkommen haben, haben dann bessere Chancen auf eine Wohnung. Als Streetworker wollen wir auch Ansprechpartner für Vermieter sein und die Personen auch dann betreuen, wenn sie eine Wohnung gefunden haben. Wir würden uns freuen, wenn sich Vermieter bei uns melden würden, die Interesse haben, unsere Arbeit zu unterstützen und die mit uns zusammen arbeiten möchten.

Selisko: Ohne festen Wohnsitz ist es sehr schwierig, eine Arbeit zu finden. Ohne Arbeit ist es schwierig die Situation zu durchbrechen. Da beißt sich die Katze dann wieder in den Schwanz.

Mein Eindruck ist, dass es weniger weibliche Obdachlose gibt.

Kröll: Das stimmt. Die Frauen schlüpfen eher mal bei einem Bekannten unter oder übernachten bei Freunden.

Wie sehr beeinflussen die Polizeieinsätze im Kantpark ihre Arbeit?

Stein: Wir verstehen natürlich, dass die Polizei den Dingen eine Strafverfolgungspflicht hat. Aber wenn kurz vorher ein Einsatz war, ist eine Arbeit fast nicht möglich, weil die Szene sich erst einmal verstreut hat. Besonders schädlich wäre es, wenn wir gerade da sind und dann die Polizei kommt - dann könnten wir unter Umständen mit der Polizei in Verbindung gebracht werden. Das ist zum Glück aber noch nicht passiert.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Stein: Das Projekt läuft erst einmal bis 2020. Es wäre natürlich gut zu wissen, dass es weiter geht.

Pelzer: Nicht nur für uns, sondern auch für die Klienten, zu denen wir ja Vertrauen aufgebaut haben, ist das wichtig.

Kröll: Wir sind außerdem auf Spenden angewiesen. Wir verbrauchen ziemlich viel Waschmittel und Hygiene-Artikel, damit haben wir in der Form gar nicht gerechnet. Natürlich haben wir auch ein Handgeld mit dem wir mal etwas bezahlen können, aber eigentlich ist das Geld dafür gedacht, dass wir davon zum Beispiel Passbilder bezahlen, wenn einer der Klienten einen neuen Ausweis braucht. Wichtig wäre zudem, dass ein Konsumraum eingerichtet wird.

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