Wasserverschwendung

Supermarkt kühlt Ware mit Rasensprenger – Verkaufsverbot

An warmen Tagen ist der Rasensprenger rund um die Uhr im Einsatz, um die Kühlanlage des Edeka-Markts in Duisburg herunterzukühlen.

An warmen Tagen ist der Rasensprenger rund um die Uhr im Einsatz, um die Kühlanlage des Edeka-Markts in Duisburg herunterzukühlen.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Buchholz.  Der Edeka in Duisburg-Buchholz kühlt seine Kühlung mit Rasensprenger. Das reicht nicht: Tiefkühlware darf ab 27. Juni nicht mehr verkauft werden.

Die „Buchholzer Wasserfälle“ sind nicht nur Wasserverschwendung, sondern auch gesundheitlich bedenklich: Lebensmittel aus der Tiefkühltheke dürfen nur noch heute verkauft werden; einen Verkauf ab Donnerstag untersagt die Lebensmittelüberwachung der Stadt. Der Grund: Obwohl seit Wochen massenhaft Wasser an der Kühlanlage des Edeka-Marktes an der Düsseldorfer Landstraße 107 hinabfließt, sind die Lebensmittel in der Tiefkühltheke nicht ausreichend gekühlt. Molkereiprodukte und Wurstwaren in der Kühltheke hat die Lebensmittelüberwachung nicht beanstandet; sie dürfen weiterhin verkauft werden.

Ein Edeka-Mitarbeiter packt anonym aus

Lesern dieser Zeitung war aufgefallen, dass hinter dem Supermarkt die Kühlanlage mit einem Rasensprenger gekühlt wird. Sie benötigt zehntausende Liter Wasser am Tag, die auf die Straße laufen. Ein herkömmlicher Rasensprenger entsprechender Bauart versprüht nach Herstellerangaben zwischen 800 und 1200 Litern – pro Stunde.

Einer, der sich auskennt, ist ein Edeka-Mitarbeiter, der deshalb anonym bleiben möchte. Bei der Wasserverschwendung handelt es sich seiner Aussage nach um ein Phänomen, das seit Jahren im Sommer zu beobachten sei. „Es wird mit einem Rasensprenger die Rückwand der Kühlanlage bespritzt, um diese herunterzukühlen. Diese ist im Sommer durch ihr hohes Alter immer vollkommen überlastet. Anders scheint es nicht möglich, die Kühlung aufrecht zu erhalten“, schreibt er. An warmen Tagen hänge der Rasensprenger dort rund um die Uhr. „Anstatt die Kühlanlagen zu erneuern, wird massig Trinkwasser verschwendet, damit die Lebensmittel innen halbwegs gekühlt werden können.“ Er gehe in dem Markt nicht mehr einkaufen.

Anwohner bestätigen Mitarbeiter-Aussagen

Seine Aussage bestätigt Dagmar Vecchi, die an der Gasteiner Straße wohnt. Seit Jahren sei im Sommer eine zusätzliche Kühlung notwendig. „Zwischenzeitlich war ein Aggregat so laut, dass man die Fenster schließen musste.“ Die Aufwendung dieser enormen Wassermassen sei nicht normal. „Wäre es das, würde man diese Situation bei jedem Supermarkt vorfinden. Ich denke, hier müsste einmal investiert werden, um energieeffizient und umwelttechnisch vernünftig zu agieren.“

Tatsächlich tropft das Wasser an den Kühlaggregaten an der Rückseite des Gebäudes nicht nur, es ergießen sich buchstäblich Sturzbäche auf den schmalen Weg. „Eine sumpfige Landschaft – ich laufe da nur mit hochgezogenen Hosen durch“, beschreibt Reinhard Rahmacher, der ebenfalls auf der Gasteiner Straße wohnt. „Das Wasser nährt das Unkraut, das durch den Gully wächst“, klagt er. „Auf dem schmalen Weg sind viele Radfahrer und Menschen mit Rollator unterwegs. Ich warte drauf, dass der Erste ausrutscht und fällt.“ Regenwasser lasse man schließlich auch nicht einfach auf die Straße laufen. Im Markt sei es ähnlich: „Da liegen Lappen auf dem Boden, weil Kühlwasser aus den Theken austritt. Montags sind die noch sauber, im Laufe der Woche aber nicht mehr.“

Funktionieren tun die Geräte immerhin: An den Kühltheken wird eine Temperatur zwischen 3 und 7 Grad angezeigt. Im Buchholzer Markt verweist man an Edeka Rhein-Ruhr, wozu die Filiale gehört. „Uns sind da die Hände gebunden“, sagt ein Mitarbeiter.

Edeka Rhein-Ruhr: Die Wasserverschwendung ist normal

Edeka Rhein-Ruhr entgegnet auf Anfrage der Redaktion: „Bei hohen Außentemperaturen ist es notwendig, dass Anlagen unterstützend gekühlt werden. Das ist aber kein Hinweis darauf, dass die Anlage marode wäre oder ein Qualitätsproblem vorliegt“, heißt es aus der Presseabteilung. Auch bei neueren Anlagen verfahre man so. Dass – wie in Buchholz – Rasensprenger benutzt werden, sei nicht außergewöhnlich. Wie hoch der Wasserbrauch ist, kann Edeka Rhein-Ruhr nicht sagen. „Es handelt sich aber nicht um eine Dauerlösung“, versichert das Unternehmen. Bisher hätten sich keine Kunden darüber beschwert.

Die Kühlanlagen entsprächen allen gesetzlichen und qualitativen Vorschriften. „Grundsätzlich wird die Kühlung kontinuierlich überwacht und ist über eine Datenfernübertragung mit einem Serviceunternehmen verbunden. Temperaturüberschreitungen werden sofort gemeldet. Bei Ausfällen gibt es ein strenges Protokoll, dass eingehalten wird.“ Ungekühlte Waren würden dann aus den Verkaufsräumen entfernt. Das muss der Edeka-Markt ab Donnerstag auf Anweisung der Lebensmittelüberwachung mit seiner Tiefkühlware tun – bis die nötige Kühltemperatur wieder garantiert werden kann. Dazu muss die Anlage repariert werden, teilt die Stadt auf Anfrage mit.

Der Edeka in Buchholz soll modernisiert werden

Langfristig will Edeka Rhein-Ruhr den ganzen Markt modernisieren, auch die Technik soll umgebaut werden. Dem Unkrautwuchs draußen will das Unternehmen zügig beikommen.

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