WAZ öffnet Pforten

WAZ-Leser erforschen das Duisburger Gewässerzentrum

Im Biologie-Trakt mikroskopieren WAZ-Leser Bachflohkrebse und nehmen Muscheln unter die Lupe.

Im Biologie-Trakt mikroskopieren WAZ-Leser Bachflohkrebse und nehmen Muscheln unter die Lupe.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Duisburger Leser erhalten Einblick in die Labore des NRW-Gewässerzentrums: Digitale Infos in Echtzeit zu Wasserqualität und Wetterprognosen.

Bachflohkrebse, Zebra-Muscheln und Fliegenlarven liegen in Lupendosen, konserviert in Alkohol. 16 WAZ-Leser stürzen sich auf die reißnägelgroßen Tierchen, um sie zu genauer zu inspizieren. Im NRW-Gewässerzentrum des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) werden die Besucher der Serie „WAZ öffnet Pforten“ zu Forschern und Entdeckern.

Nachhaltiger Neubau

Seit März diesen Jahres ist die Behörde nahe des Hauptbahnhofs offiziell eröffnet: Im 66 Millionen Euro teuren Neubau arbeiten rund 400 Lanuv-Mitarbeiter in Büros und Laboren. 90 Meter misst das Laborgebäude, 52 Meter der Bürotrakt; ein Übergang verbindet beide Teile. Auf der rund 16.000 Quadratmeter großen Fläche werden alle Flüsse und Seen im Land sowie das Grund- und Trinkwasser überwacht.

Klaus Furtmann, zuständig für Umweltanalytik beim Lanuv, betont zudem die „nachhaltige Bauweise“: Dank Wärmedämmung und Klimatechnik wird die Gebäudeheizung kaum gebraucht, eine Photovoltaikanlage auf den Dächern liefert einen Großteil des Stroms, Regenwasser durchspült die Toiletten und in der Kantine werden nur regionale und saisonale Produkte verwertet.

Sorge um Niedrigwasser

Nach der Einführung geht’s weiter; durch lichtdurchflutete Gänge führt Furtmann die Truppe in den Bereich der Hydrologie – Pegelstand, Fließgeschwindigkeit und Wetterprognosen werden von tausenden Messstationen digital ins Lanuv-Datennetz eingespeist. „So können wir rechtzeitig Hochwasser berechnen und gegebenenfalls davor warnen“, erklärt Abteilungsleiter Roland Funke. Allerdings dreht’s sich seit einiger Zeit um Niedrig- anstatt Hochwasser. Funke zeigt auf einen großen Monitor; dort erkennt man Flüsse und verschiedenfarbige Kästchen: Grün bedeutet, „der Fluss führt genügend Wasser.“ Entgeisterung in den Gesichtern der Besucher, als sie erkennen, dass fast alle Quadrate gelb oder rot angezeigt werden. „Die Flüsse führen viel zu wenig Wasser, es regnet einfach nicht genug“, berichtet Roland Funke. Selbst 2018 sei die Lage nicht so prekär gewesen. Sein Appell: „Seien sie sich bewusst, wie viel Wert Wasser hat.“ Die Stimmung lockert sich aber spürbar, als Funke die Wetterprognosen auf den Monitor aufruft: „Wie wird’s denn Anfang August in Schleswig-Holstein – da mache ich Urlaub“, witzelt WAZ-Leser Jürgen van der Noort. Roland Funke drückt ein paar Mal auf die Tastatur, es erscheint eine Deutschlandkarte vom genauen Zeitraum mit Prognosen: „Wahrscheinlich bleibt’s trocken, aber sicher kann man sich da nie sein.“

Muscheln mikroskopieren

Die Gruppe macht sich auf den Weg in den Biologie-Trakt. Auf dem Flur „riecht es wie früher in der Schule – kurz vor dem Bio- oder Chemieraum“, meint Besucher Norbert Kopka. Als die 16-köpfige Gruppe den Raum betritt, entdecken einige der Teilnehmer ihren inneren Forscher: Sie mikroskopieren Flohkrebse, nehmen Muscheln und Fliegen wortwörtlich unter die Lupe. „Ein bisschen unheimlich, aber total faszinierend“, findet die Neudorferin Ursula Schmitz. Die Kleinstlebewesen und einige Pflanzen werden vom Lanuv aus Flüssen und Bächen entnommen, um Rückschlüsse auf die Wasserqualität zu erhalten. Die Räume im Bio-Trakt sind spärlich besetzt, die meisten Mitarbeiter sind nämlich – wie die meiste Zeit zwischen Frühjahr und Herbst – im Außendienst tätig.

Das „Kerngeschäft“ sind Keime

Als sich die Besucher doch noch von den konservierten Kleintieren losreißen können, müssen sie weiße Kittel anziehen – es geht in die Labore zu den Chemikern und Chemielaboranten. Das ist ein zentraler Punkt für das Gewässerzentrum; denn erst in den Laboren lassen sich Mikroschadstoffe wie Antibiotika-Rückstände, Mikroplastik oder resistente Keime untersuchen. Auch Legionellen und anderen wassergetragenen Krankheitserregern ist das Lanuv auf der Spur. Mithilfe von modernsten Laborgeräten, die bis zu 500.000 Euro kosten, untersucht das Lanuv Wasser – „speziell in der Nähe von Kläranlagen, meistens unangekündigt, damit wir ‘sicheres’ Wasser im Umlauf haben“, erklärt Klaus Furtmann. Auch bei akuten Gefahren, etwa bei Schiffsunfällen, kann das Lanuv schnell reagieren. Das Laborschiff Max Prüss ist rund um die Uhr einsatzbereit, um Wasser-Schnelltests an Unfallstellen durchzuführen. „Unglaublich – die moderne Ausstattung und die Arbeitsplätze der Mitarbeiter. Macht bestimmt Spaß hier zu arbeiten“, findet Leser Klaus Bongart nach einer etwa zweieinhalb Stunden langen Führung durch das Lanuv.

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