Amputationen

Benefizkonzert für Rumelnerin Katrin van gen Hassend

Katrin van gen Hassend (3.v.l.) mit ihrer Familie im Grammatikoff.

Katrin van gen Hassend (3.v.l.) mit ihrer Familie im Grammatikoff.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Benefizkonzert für Katrin van gen Hassend brachte 2500 Euro. 28-jährige Rumelnerin kämpft sich nach mehreren Amputationen zurück in den Alltag.

Rheinhausen. Angenehme Temperaturen, der Innenhof vom Grammatikoff am Dellplatz in der Innenstadt weitestgehend schattig, der Grill wird langsam heiß für all die Leckereien zur Stärkung. Allmählich kommen immer mehr und mehr Gäste gemischten Alters. Viele gehen zunächst schnurstracks zu einem besonderen Tisch. Katrin van gen Hassend sitzt dort mit ihren Eltern und ihrer Schwester. Die 28-Jährige ist der Mittelpunkt des Events.

Ein selbstbestimmtes Leben führen

Ihre Kollegen des Medizinischen Versorgungszentrums Duisburg-West, Schmerzzentrum Duisburg in Rheinhausen haben das Benefizkonzert organisiert, fanden vom Grammatikoff-Team sofort Unterstützung wie auch von den Bands Soundrooms, Fresh Game und Kupferwerk Gold, die den Gästen einen Abend zum Abrocken boten und mal für zwei Stunden von einer traurigen Geschichte ablenkten.

Wie berichtet hat sich die junge Frau nach einer schweren Blutvergiftung, hervorgerufen durch einen sogenannten Krankenhauskeim, ins Leben zurückgekämpft. Durch diese Blutvergiftung traten massive Durchblutungsstörungen auf, beide Füße, die rechte Hand und Teile der linken Hand mussten amputiert werden. Ihr Ziel ist, künftig ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Doch ohne diverse Hilfsmittel, einem entsprechend umgebauten Auto und einer behindertengerecht ausgebauten Wohnung ist es nicht zu schaffen. Patienten und Kollegen zogen an einem Strang, starteten Spendenaufrufe bei Facebook, veranstalteten einen Sponsorenlauf im OSC und stellten jetzt das Benefizkonzert auf die Beine.

Die Fäden der Organisation liefen bei der Kollegin der jungen Frau, Susanne Backes, zusammen. Deren Patientin Andrea Sowa ist Stammgast im Grammatikoff, kennt den Geschäftsführer Rolf Stanietzki gut. Der stellte sofort die Räumlichkeiten unentgeltlich zur Verfügung. Andere Patienten halfen bei der Verlosung, besorgten die Gutscheine.

Ohne Gage spielten die drei Bands Soundrooms, Kupferwerk Gold sowie Fresh Game. Ein besonderes Erlebnis für Katrin van gen Hassend. Sie erlebte an dem Abend ihren Chef Dr. Günther Bittel (Facharzt für Anästhesiologie und Allgemeinmedizin), sowie ihre Kollegin Karin Heyer mal von einer anderen Seite. Beide sind Bandmitglieder von Fresh Game, spielen Cover-Versionen sowie eigene Stücke mit der Richtung Polit-Rock und sind auch als Partyband unterwegs. Für eine tolle Atmosphäre hatte allerdings schon vorher während des Grillabends das Gesangsduo „Mid of March“ mit Gudrun Binger und Christian Zydeck gesorgt. Katrin van gen Hassend genoss den Abend bis zum Schluss, freute sich über die vielen Gästen, rund 200 waren gekommen, und vor allem, dass auch so mancher dabei war, der selbst nicht richtig laufen kann.

Über 70.000 Euro Spenden

„Mir geht es ganz gut“, sagt die junge Frau. Zu der Spendensumme von rund 70.000 Euro kommt jetzt noch der Erlös des Benefizkonzertes und der Verlosung von exakt 2516 Euro hinzu. Die 28-Jährige will Teile des Geldes unter anderem in Prothesen investieren, „die schöner aussehen und mit denen ich schwimmen kann.“

Aber jetzt konzentriert sie sich erst mal auf ein neues Ziel: Im September zieht sie mit ihrem neuen Lebensgefährten in eine Wohnung in Rumeln ein. Diese wird zurzeit noch behindertengerecht saniert.

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