Vergessene Urkunde

Erfolgreiche Suche nach Rheinhauserin: „Das ist die Inge!“

Inge Vaasen, hier als junge Frau Anfang 20 auf dem Bild, das die Urkunde aus dem Jahr 1951 ziert. Die Rheinhauserin hat das Schriftstück nie abgeholt. Anlass für einen Aufruf aus Cochem an der Mosel.    

Inge Vaasen, hier als junge Frau Anfang 20 auf dem Bild, das die Urkunde aus dem Jahr 1951 ziert. Die Rheinhauserin hat das Schriftstück nie abgeholt. Anlass für einen Aufruf aus Cochem an der Mosel.    

Duisburg-Rheinhausen.  Ein Ehepaar hat die junge Frau auf der Urkunde anno 1951 erkannt. Die beiden gingen mit ihr in die Volksschule

Günter Hans Bosch und seine Frau Anna Maria sind aufmerksame Zeitungsleser. Den beiden Senioren entgeht nichts. Und so traute Bosch seinen Augen kaum, als er unsere Samstagsausgabe aufschlug und die Schwarz-Weiß-Fotografie einer jungen Frau erblickte. Gibt’s doch nicht, staunte der 90-Jährige verblüfft. Und, zu seiner Frau: „Guck mal, das ist ja die Inge!“

Der Artikel, um den es hier geht, handelte von einer Urkunde aus dem Jahr 1951, die in einem Nachlass an der Mosel aufgetaucht war. Ein ehemaliger Ratsherr hatte sie im Haushalt eines verstorbenen Bekannten entdeckt und sich an diese Zeitung gewandt. Vielleicht, überlegte er, würde die Urkunde auf diesem Weg doch noch zu ihrer Besitzerin gelangen.

Der Pokal wurde „mit einem Schluck feurigen Moselweins“ eingeweiht

Auf dem Bild, das das Schriftstück ziert, sieht man eine junge Frau im Blumenkleid mit flotter Kurzhaarfrisur, die einen imposanten Pokal in den Händen hält. Diesen hatte sie offenbar im August 1951 im Ratskeller von Cochem feierlich eingeweiht. Die dazugehörige Urkunde jedoch, die holte sie nie ab. „Ehren-Urkunde über die Einweihung des Ehrenpokals der Duisburger Reisegesellschaft“ steht über dem Unikat. Und: „Am 27. August 1951 wurde im Ratskeller zu Cochem an der Mosel der Ehrenpokal der Duisburger Reisegesellschaft durch die Reiseteilnehmerin Inge Vaasen aus Rheinhausen mit dem ersten Schluck feurigen Moselweins eingeweiht.“ Unterschrift: Der Bürgermeister der Stadt Cochem.

Günter Hans Bosch reagierte prompt. Er ließ uns wissen: Er und seine Anna Maria kennen Inge Vaasen aus Kindertagen. In den 30er Jahren gingen sie mit ihr in Bergheim in die Volksschule an der Lange Straße. Man blieb in losem Kontakt, auch als Erwachsene traf man sich immer mal wieder, zuletzt öfter auf dem Rheinhauser Markt beim Einkaufen.

Inge heißt eigentlich Ingeburg und müsste heute 89 Jahre alt sein

Günter Hans Bosch ist 1929 geboren, seine Anna Maria 1930. Inge Vaasen, eigentlich Ingeburg, müsste heute im Alter seiner Ehefrau sein, weiß Bosch. Damals gingen die beiden Mädels in dieselbe Klasse, während er zusammen mit Inges älterer Schwestern Edith die Schulbank drückte. Vor etwa fünf Jahren hat Günter Hans Bosch Inge Vaasen das letzte Mal getroffen. Er weiß, dass sie geheiratet hat und später Kühnapfel hieß. Ein älteres Telefonverzeichnis half ihm weiter. Die Spur führte nach Friemersheim.

Am Sonntag machte sich das Ehepaar Bosch dann persönlich auf die Suche. Und siehe da: Der Nachname der ehemaligen Klassenkameradin steht noch an der Tür. „Aber leider“, bedauert Bosch, „hat keiner aufgemacht. Wir wissen also nicht einmal, ob Inge noch lebt. Vielleicht wohnen dort ja auch Verwandte.“

Die beiden würden sich freuen, wenn sie dazu beigetragen hätten, dass Inge Kühnapfel ihre Urkunde doch noch erhält. Die Suche geht also weiter.

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