Kleinkunst

Kabarettistische Lebenshilfe in der Bibliothek Rheinhausen

In der Bezirksbibliothek Duisburg-Rheinhausen: Kabarett-Gastgeber Matthias Reuter, Helmut Sanftenschneider, Bibliotheksleiterin Jutta Flaßhove, Sabine Domogala und Lennart Schilgen (v.l.n.r)

In der Bezirksbibliothek Duisburg-Rheinhausen: Kabarett-Gastgeber Matthias Reuter, Helmut Sanftenschneider, Bibliotheksleiterin Jutta Flaßhove, Sabine Domogala und Lennart Schilgen (v.l.n.r)

Foto: Erwin Pottgiesser

Duisburg-Rheinhausen.   Beim letzten Kabarett vor der Sommerpause boten Matthias Reuters Gäste Lebenshilfe. Oder sie spielten Gitarre - fast so schön wie auf der Aida.

Berlin, Bonn, Herne – der Oberhausener Kabarettist Matthias Reuter schafft es in seinem Format „Kabarett in der Bibliothek“ immer wieder, eine große Bandbreite des Humors, über den deutschlandweit gelacht wird, in Rheinhausen zusammenzubringen. Um die Stimmung anzuheizen, forderte er in der Galerie der Bezirksbibliothek „einen riesigen Rheinhauser Begrüßungsapplaus“ für seine Mitstreiter ein.

Selbst erzählt Reuter von einem Auftritt in der Ludwigshafener Stadthalle, bei dem er anfangs vor leeren Sitzen stand. „Der Veranstalter sagte mir, die Reihe läuft langsam an. Am Ende haben die Organisatoren einige Bewohner aus dem nahe liegenden Seniorenheim herübergeholt.“ Das braucht Reuter in der Bibliothek inzwischen nicht mehr.

Etwa 100 Gäste kamen freiwillig in die Galerie, auch um Sabine Domogala zu sehen, die aus Bonn angereist war. Die Mittdreißigerin ist Motivations- und Lebenstrainerin, und kann anscheinend auch bei ihren Auftritten nicht ganz von ihrem Beruf lassen. Nach ersten Motivationsversuchen des Publikums („Ja, Sie müssen es fühlen“) erzählt sie von einem einsamen Busfahrer, den sie während einer Fahrt betreut und ihm Mut zuspricht: „Klasse, dass Sie sich für die Kurve entschieden haben.“

Dies ist der Tag des Wankelmuts

Einer Hand werkenden, talentfreien Amateurin rät sie bei der Ausstellung ihrer Bastelkollektion auf einem Kunsthandwerkermarkt in Bonn: „Dann packen Sie doch wenigstens einen Arm in eine Schlinge und stellen Sie eine Krücke vor den Stand!“

Soweit zu den Motivationsansätzen der „spätberufenen Lebenstrainerin.“ Zum Schluss, in einem Anflug von Yoga und Pilates, lässt sie das Publikum den „Igel“ machen, eine Übung, die sie selbst erfunden hat: „Da können Sie mal in sich kehren.“ Großes Gelächter ob dieser interaktiven Selbsterfahrung.

Die Schule des 2015 verstorbenen Liedermachers Christof Stählin hat der Songwriter Lennart Schilgen genauso wie Matthias Reuter durchlaufen. So sind natürlich einige linksintellektuelle Protestsongs in seinem Repertoire zu vermuten, die der dreißigjährige Berliner aber konsequent ad absurdum führt. So wird ein Song mit dem Titel „Entschlossenheitslied“ letztlich mit der Textzeile versehen: „Es ist der Tag des Wankelmuts – wir entscheiden uns nicht!“ Und die Zuschauer schmunzeln, als Schilgen ihnen rät: „Beim Refrain können Sie eine Faust machen – oder Sie lassen es einfach.“

Die allerbesten Kreuzfahrt-Lieder

In einem anderen Lied klingt er wie Reinhard Mey und spielt die Akkorde zu „Ich wollte wie Orpheus singen“ auf der Klampfe dazu. „Ich wollte wie Elvis singen“ wird allerdings ironischerweise daraus. „Und mit der Hüfte dabei schwingen“, singt Schilgen weiter – nur merkt der spindeldürre Liedermacher selbst, dass er eben nicht über das zugehörige „Becken“ (engl. Pelvis) verfügt.

Viel unterwegs im Ruhrgebiet ist der aus Herne stammende Helmut Sanftenschneider. Die besten Lieder, die am meisten auf Kreuzfahrten gehört werden, spielte der studierte Flamenco-Gitarrist - und 100 Zuschauer rasteten wie auf der Aida dazu aus.


>>> Matthias Reuters Kabarett macht Pause <<<

Über die Sommermonate ist eine Pause für das „Kabarett in der Bibliothek“ vorgesehen.

Weiter geht es am Mittwoch, 25. September um 19.30 Uhr mit Gunzi Heil, Alexx Marrone und Michael Holtschulte. Die Karten kosten an der Abendkasse 15 Euro, im VVK 12 Euro. Kartenbestellung unter 02065/9058467

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