Zukunft offene Jugendarbeit

Politik fordert zwei Jugendzentren in Duisburg-Rheinhausen

Wohin führt der Weg des Katholischen Jugendzentrums Sankt Peter? Wenn es nach dem Willen der Duisburger Verwaltung geht, zieht es ins Haus der Jugend an der Friedrich-Alfred-Straße.

Wohin führt der Weg des Katholischen Jugendzentrums Sankt Peter? Wenn es nach dem Willen der Duisburger Verwaltung geht, zieht es ins Haus der Jugend an der Friedrich-Alfred-Straße.

Foto: tost / Tost

Duisburg-Rheinhausen.  In Hochemmerich soll es weiter zwei Einrichtungen geben. Darauf einigte sich die Bezirksvertretung. Wo, hieß es, sei erst einmal zweitrangig.

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Nach einer einstündigen, kontroversen Diskussion stand in der Bezirksvertretung überraschend dann doch ein einstimmiger Beschluss. Dass es in der Debatte um die vom städtischen Jugendamt vorgeschlagenen Einschnitte in die offene Kinder- und Jugendarbeit dazu kam, lag an einem einzigen, unscheinbar wirkenden Wort, mit dem SPD-Fraktionschef Marcus Mellenthin zuletzt seinen Antrag modifizierte. Das Wörtchen „derzeit“ lässt ein Hintertürchen offen, das es der CDU ermöglicht, der abgelehnten Schließung zuzustimmen. Ziel müsse es sein, da stimmte CDU-Fraktionschef Ferdi Seidelt zu, dass in Hochemmerich weiterhin zwei Jugendzentren bestehen bleiben. Wo, ist erst einmal zweitrangig. Der Beschluss, wird er vom Rat nicht kassiert, ermöglicht der Verwaltung flexible Verhandlungen mit der Kirche.

Das Jugendamt hatte vorgeschlagen, dass das Jugendzentrum St. Peter von der Schwarzenberger Straße ins Haus der Jugend an der Friedrich-Alfred-Straße zieht. Die Gemeinde habe der Stadt signalisiert, so Jugendamtsleiter Hinrich Köpcke, dass sie perspektivisch ihren Standort aufgeben muss, weil dieser nicht mehr zeitgemäß und unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten auch nicht zukunftsfähig gemachte werden könne. Einen konkreteren Termin nannte Köpcke aber nicht. Die städtischen Stellen würden in den Norden des Stadtgebietes verlagert.

Die SPD brachte wie angekündigt in der Sitzung Alternativstandorte wie das leerstehende städtische Gebäude an der Händelstraße ins Spiel, in dem zuletzt die Gesundheitsberatung untergebracht war. Für den Umzug ins Haus der Jugend habe die Gemeinde bereits Sympathien zu erkennen gegeben, sagte Köpcke, obwohl bislang noch nichts entschieden sei und auch der Bischof noch nicht eingeschaltet sei. „Wir können erst loslaufen, wenn es eine politische Entscheidung gibt, auf deren Basis wir verhandeln können“, erklärte Köpcke den aktuellen Stand. Für Seidelt schien die kategorische Ablehnung der SPD zunächst heikel. Wenn die Kirche am Haus der Jugend unbedingt festhalten wolle, ginge der Schuss womöglich komplett nach hinten los.

Besondere Probleme in Duisburg-Hochemmerich

Zuvor hatte die SPD Zug um Zug die statistische Grundlage der Verwaltung zerpflückt. Das Grundproblem besteht darin, dass Köpcke aus gesamtstädtischer Perspektive argumentiert und versucht, einen Ausgleich zwischen den einzelnen Stadtteilen zu erzielen. Und all das muss auch noch kostenneutral erfolgen. Da die Stadt zusätzliches Geld des Landes an die freien Träger weitergibt, spricht er sogar von einer Stärkung der Jugendarbeit. „Dass Sie als Bezirksvertretung das anders sehen, kann ich verstehen“, räumte er ein. Rheinhausen sei nicht absolut, sondern nur im Vergleich zu anderen Stadtteilen überversorgt. Dafür wurden eine Fülle von Kriterien herangezogen und die Stadtteile in eine Rangfolge sortiert. Köpcke warb dann um Solidarität zwischen den Stadtteilen. Karin Hanske (SPD) zeigte aber an mehreren Beispielen aus der städtischen Sozialraumanalyse, dass gerade Hochemmerich zu den Quartieren mit besonderen Problemen zähle. Bei der Gesamtbeurteilung Rheinhausens würden diese Probleme durch sozial bessere Quartiere aber mehr als ausgeglichen. Köpcke konterte diese Kritik, dass es neben der offenen Jugendarbeit noch zahlreiche weitere Programme gebe, die auf bestimmte Probleme wie die Integration von Flüchtlingen ausgerichtet seien.

Auch Mellenthin zeigte an Beispielen, dass Rheinhausen auf dem Niveau von Duisburg-Mitte liege und hier keinesfalls eine Überversorgung bestehe. Gefragt nach dem Kriterium für die Rangfolge nannte Köpcke Kosten pro Einwohner. In Rheinhausen liegen diese derzeit bei 90,18 Euro und in Mitte nur bei 38,62 Euro. Nach der Umsetzung schrumpfe die Spanne nur auf 73,76 und 44,08 Euro. Kein Wunder, stellte Mellenthin empört fest, da die freien Träger einen Eigenanteil tragen, sei es für die Stadt günstiger und die Kosten damit nicht zu vergleichen.

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