Brauchtum

So zäh war noch kein Vogel beim Baerler Kaiserschießen

Offizier Holger Warnecke zielt auf den Vogel, rechts neben ihm stehen Präsident Rolf Dresler und Pressesprecher Klaus Moeller.

Offizier Holger Warnecke zielt auf den Vogel, rechts neben ihm stehen Präsident Rolf Dresler und Pressesprecher Klaus Moeller.

Foto: Ulla Michels

Duisburg-Baerl.   Mehr als tausend Schüsse hielt der Vogel aus, bevor Heinz Frütel ihn um 21.24 Uhr von der Stange holte: Der amtierende König wird Kaiser.

1126 Schüsse hat der Vogel der Bürger-Schützengesellschaft Baerl von 1485 am Samstag ausgehalten, bevor ihn um 21.24 Uhr der amtierende König Heinz Frütel herunterholte. Er darf sich nun nicht nur König nennen, sondern auch Kaiser. Gegen zehn andere noch lebende ehemalige Könige hatte er sich beim Kaiserschießen durchgesetzt. „Das ist das Tüpfelchen auf dem I“, jubelte Frütel nach seinem erfolgreichen Abschuss. Angefangen hatten die Schützen bei sprichwörtlichem Kaiserwetter um 11 Uhr auf dem Dorfplatz an der Grafschafter Straße. Am Nachmittag sorgte allerdings ein heftiger Regenschauer für eine kurze Abkühlung.

Vor den Königen durften auch die „normalen“ Schützenbrüder schießen. Es galt, die fünf Insignien des Vogels (linker und rechter Flügel, Zepter, Krone, Reichsapfel) herunter zu holen, bevor die Könige um den Rumpf schossen.

Ähnlich wie beim alle drei Jahre stattfindenden Schützenfest ist auch beim Kaiserschießen die Beteiligung der Baerler Dorfgemeinschaft rege. Während mittags noch bei Kaffee und Kuchen gemütlich beieinander gesessen wurde, war der Platz vor der Schießstange am Nachmittag proppenvoll – natürlich mit Ausnahme der Regenzeit.

„Das Kaiserschießen findet immer im Jahr nach dem Schützenfest statt“, sagt BSG-Sprecher Klaus Moeller. Organisiert wird es vom Offiziercorps unter Major Bernhard Müller. Seit 1977 gibt es diese Tradition, auch um die Zeit zwischen den Festen zu verkürzen. „In jedem Jahr ein Schützenfest zu veranstalten, wäre einfach ein zu großer Aufwand“, so Moeller. Während nicht geschossen wurde, wurden am Samstag zum ersten Mal beim Kaiserschießen langjährige Mitglieder des Vereins für 25- oder 40-jährige Treue geehrt.

Beim letzten Kaiserschießen holte Rainer Pütz, König im Jahr 2003, den Vogel erst um 22.40 Uhr mit dem 393. Schuss herunter. Zur Zählweise muss man wissen, dass diese Schüsse erst gezählt wurden, nachdem die Kaiser angefangen hatten zu schießen. Reine Kaiserschüsse gab es in diesem Jahr 476. Diesmal sollte es nicht bis in die Dunkelheit dauern, hatten die Schützen gehofft. „So spät wird es in diesem Jahr nicht“, sagte der stellvertretende Präsident Peter Gratenberg noch im Vorfeld. „Wir haben wieder so einen schönen Vogel wie beim Schützenfest im letzten Jahr, und der ist ja wie geplant von der Stange gefallen.“

Manch einer war nicht so treffsicher wie geplant

Allerdings sei der ein oder andere nicht so treffsicher gewesen wie geplant. An dem Holzvogel gibt es extra gelbe Linien, auf die man schießen sollte, um Insignien und Rumpf herunter zu holen. „Aber der Vogel wurde halt nicht nur da, sondern überall getroffen“, sagte Klaus Moeller nach einer Analyse der Reste am Boden. Gefeiert wurde danach trotzdem bis in den späten Abend hinein. Denn wenn die Schützen zum Feste laden, sind die Baerler da.

>>> DIE ERGEBNISSE DES PREISSCHIESSENS:

Die Insignien trafen folgende Schützen: Linker Flügel – Peter Gratenberg (283. Schuss), Rechter Flügel – Gerrit Knoll (344. Schuss), das Zepter ging an Stefan Klömpken (447. Schuss),den Reichsapfel sicherte sich Heiner Thomas (568. Schuss) und die Krone – Peter Neuhaus (635. Schuss).

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