Evakuierung

Zwei Altro-Mondo-Mieter blieben im geräumten Hochhaus zurück

Allein im Hochhaus: John Radcliffe am Sonntagmittag auf dem Balkon seiner Wohnung im geräumten Altro-Mondo-Hochhaus an der Wetzlarer Straße in Duisburg-Obermeiderich.

Allein im Hochhaus: John Radcliffe am Sonntagmittag auf dem Balkon seiner Wohnung im geräumten Altro-Mondo-Hochhaus an der Wetzlarer Straße in Duisburg-Obermeiderich.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die Stadt räumte vorige Woche drei Altro-Mondo-Häuser wegen „massiver Brandschutzprobleme“. Zwei Mieter wollen die Evakuierung verschlafen haben.

„Die haben uns vergessen – das ist Wahnsinn!“ Horst Ravens (74) empört sich am anderen Ende der Telefonleitung, er könne nicht glauben, was ihm und seinem Mitbewohner John Radcliffe (45) passiert sei: Das Bauordnungsamt erklärte vorige Woche drei Wohnhäuser der Immobiliengruppe Altro Mondo an der Wetzlarer Straße wegen „massiver Brandschutzprobleme“ für unbewohnbar. Die Mieter der Nummer 31 mussten ihre Wohnungen am Donnerstag binnen weniger Stunden verlassen. Ravens und Radcliffe behaupten, sie hätten die Räumung im Wortsinne verschlafen. Noch am Sonntag sind sie jedenfalls allein im evakuierten Hochhaus und Radcliffe beklagt: „Wir kommen nicht raus.“

Altro-Mondo-Mieter lebt seit 36 Jahren im Hagenshof

Die beiden schildern ihre kuriose Geschichte am Sonntagmittag so: Ravens lebt seit 36 Jahren im Obermeidericher Hagenshof, inzwischen in einer Wohnung mit Radcliffe, dem Sohn seiner verstorbenen Frau. Und mit Katze Timmy. Ravens ist Herzpatient, verlässt die Wohnung „fast gar nicht mehr. Ich lege mich jeden Mittag hin und schlafe bis zum Abend.“ Auch Radcliffe habe sich am Donnerstag nach seiner Schicht als Küchenhilfe aufs Ohr gehauen.

Von der Evakuierung wollen sie bis Samstagmorgen nichts mitbekommen haben. Dann erst habe Radcliffe die Räume im sechsten Stock verlassen und auf der Wohnungstür die Kritzelei entdeckt, die dort wohl ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes hinterließ: „WE 108 16 Uhr?“ Der 45-Jährige sagt: „Wir dachten, wir müssen bis 16 Uhr raus.“ Schnell habe ihr Plan festgestanden: „Wir haben ein paar Sachen gepackt und um halb zwei ein Taxi gerufen.“

Sie wollten demnach in ihre neue Altro-Mondo-Wohnung in Haus Nummer 47, in die sie laut Mietvertrag bereits am 1. Oktober hätten einziehen sollen, erläutert Radcliffe: „Wir wollten einen Schlüsseldienst rufen, um reinzukommen, und für den Übergang Klappbetten bei Real kaufen.“ Warum sie nicht wie geplant Schlüssel bekommen haben? Ravens glaubt, der zuständige Mitarbeiter sei nicht mehr bei Altro Mondo.

Nur noch wenige Mieter im Hochhaus

Sie seien am Samstag also mit ihren Koffern im Aufzug nach unten gefahren, hätten dann aber vor der mit Metall und Holzlatten verriegelten Haustür gestanden. Über die Stille im Haus hätten sie sich zuvor nicht gewundert, da von den 70 Wohnungen nur noch „geschätzt acht bis zehn“ bewohnt seien: „Die Flüchtlinge sind irgendwann alle ausgezogen.“

Bei Altro Mondo riefen Vater und Ziehsohn nicht an – „da bekommt man schon unter der Woche keinen“. Danach hätten sie entschieden: „Wir gehen erst Montag raus, so lange haben wir hier alles.“ Die Stadt wisse schließlich seit Monaten von den Mängeln, „da kann es hier so gefährlich nicht sein“, meinte Radcliffe. Am Samstagabend schrieb er unserer Redaktion eine E-Mail, um sich über die Stadtverwaltung zu beschweren.

„Wir schellen an jeder Wohnung, in der Mieter gemeldet sind“

Die städtischen Mitarbeiter müssen bei Räumungen kontrollieren, ob Gebäude menschenleer sind. „Wir schellen an jeder Wohnung, in der Mieter gemeldet sind, und machen Horchkontrollen“, erläuterte Stadtsprecherin Anja Kopka das grundsätzliche Vorgehen. Zur Evakuierung vom Donnerstag konnte sie am Sonntag keine näheren Angaben machen. Möglicherweise waren Ravens und Radcliffe schon nicht mehr in ihrer alten Wohnung gemeldet. Wurde an ihrer Tür nicht geklingelt? „Wir haben nichts gehört“, versichert Radcliffe, „wir haben ja geschlafen.“

Stadtsprecherin Kopka warnte am Sonntag vor den „wirklich lebensgefährlichen Verhältnissen“ im Gebäude. Darum sollten auch Ravens und Radcliffe schnellstmöglich raus, inzwischen gegen deren Willen. Sie fürchteten, ohne Schlüssel nicht in ihre neue Wohnung zu gelangen und Katze Timmy nicht mit in die Notunterkunft an der Memelstraße nehmen zu dürfen.

Polizistin: „Die beiden Männer sind absolut unauffindbar“

Die alarmierten Polizisten suchten die beiden an der Wetzlarer Straße vergeblich, teilte eine Beamtin am Abend mit: „Die beiden Männer sind absolut unauffindbar.“ Die Polizei habe Bauordnungsamt und Hausmeister eingeschaltet. Auch auf Anrufe reagierten Ravens und Radcliffe bis zum Abend nicht mehr.

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