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Alleinkämpferin hält das Tafelhaus in Emmerich am Leben

Es ist in diese Tagen für Miriam Tiemer nicht leicht. Aber die Betreiberin des Tafelhaus in Emmerich gibt sich kämpferisch. Sie muss die Baustellenphase am Neumarkt überstehen.

Es ist in diese Tagen für Miriam Tiemer nicht leicht. Aber die Betreiberin des Tafelhaus in Emmerich gibt sich kämpferisch. Sie muss die Baustellenphase am Neumarkt überstehen.

Foto: Thorsten Lindekamp / Funke Foto Services GmbH

Emmerich.  Die Neumarkt-Baustelle macht es dem Tafelhaus in Emmerich schwer. Miriam Tiemer musste alle Mitarbeiterinnen entlassen. Sie kämpft nun alleine.

Sie ist eigentlich eine positiv gestimmte Frau, lacht gerne und ist stets optimistisch. Miriam Tiemer vom Tafelhaus mag keine Negativatmosphäre. „Bei der IHK lernt man aber, was der Worst Case ist.“ Also das schlechteste Szenario. Es sei immer schlimmer mit den Umsatzzahlen ihres so geliebten Porzellan, Haushalts- und Geschenkegeschäfts im Laufe der letzten Monaten geworden. „Die Luft wird immer dünner und dünner. Die Kundschaft bleibt fern.“

Einzig und allein die schon wieder gefühlte sechs Wochen brachliegende Baustelle in unmittelbarer Nachbarschaft sei der Grund dafür: „Der Neumarkt zwingt mich in die Knie“, erklärt die engagierte Unternehmerin, die im Dezember Zehnjähriges mit ihrem Geschäft feiert. Ende Juni 2019 musste sie sich von ihrer ersten Mitarbeiterin trennen, am verkaufsoffenen Sonntag zu Emmerich im Lichterglanz im Juli hatten die beiden verbliebenen Angestellten ihren letzten Tafelhaus-Arbeitstag.

Es fehlt derzeit die Laufkundschaft

„Ich bin jetzt Alleinkämpferin“, so Miriam Tiemer: „Mein Tagesplan ist straffer geworden. Ich muss vieles vor, nach der Arbeit und am Wochenende erledigen, wo mich bisher meine Mitarbeiterinnen unterstützten.“ Unter diesen ist auch diejenige, die bereits seit Eröffnung im Dezember 2009 ihr zur Seite stand. Mit viel Herzblut habe man gemeinsam das Tafelhaus nachdem das Porzellangeschäft Schuster-Fassin am Alten Markt kurz zuvor geschlossen wurde, aufgebaut. „Auch um die Branche für die Emmericher vor Ort zu erhalten.“

Man merkt Miriam Tiemer an, dass sie die ganze Sache sehr mitnimmt. „Ich kriege das Heulen, wenn ich nur an diese Entwicklung denke. Es ist eine Blamage fürs Stadtbild, was auf dem Neumarkt seit Jahren passiert. Und mir fehlt die Laufkundschaft. Kein Wochenmarkt, keine belebter Neumarkt – alles ist weg.“ Man könne sich nicht nur auf die schöne Rheinpromenade ausruhen, gibt die Geschäftsfrau zu bedenken.

Noch nicht mal Kurzzeitparker auf dem Neumarkt

Mit Blick auf den großen Sandberg am Neumarkt, auf dem Unkraut und Bäume sprießen, erzählt sie von einem Gespräch, „in dem man nett geplaudert“ habe, das sie noch im Juli mit Bürgermeister Peter Hinze und der neuen Wirtschaftsförderin Sara Kreipe führte. „Mein Vorschlag: wenigstens Kurzzeitparken vor dem Deutsche Bank-Gebäude am Sandberg zuzulassen.“ Das Stadtoberhaupt winkte ab, da der Platz für Rettungsfahrzeuge frei gehalten werden müsse. Wohlwissend, dass dort stets immer wieder, vielfach auch Niederländer, ihre Fahrzeuge im Halteverbotsbereich abstellen.

Das Geschäft mit den Kunden aus dem Nachbarland, dass zu Tiemers Zeiten bei Fassin noch florierte, habe sich gewandelt. Wenn eine Busgruppe den Laden betrete, könnte man ja denken, dass würde für guten Umsatz sorgen. „Ist aber nicht so. Es sind vornehmlich Gucker und nicht mehr Käufer“, erzählt sie. Da nützte auch nichts, dass sie einen Teilräumungsverkauf mit satten Rabatten bis zu 50 Prozent derzeit habe. „Täglich werde ich angesprochen, ob ich nicht doch schließen würde.“ Nein, Tiemer hat einen langen Atem.

Grund für den Rabattbonus sei, dass das Geschäft eine neue Decke, Beleuchtung und einen frischen Anstrich erhalte. Miriam Tiemer liebt ihren Laden, ihren Job und ihre Kunden. Und hofft nunmehr, dass die langjährige Kundschaft trotz längere Wege jetzt erst recht den Weg zum Tafelhaus findet. Vielleicht ja auch, dass der ein oder andere der Jüngeren vor Drücken des Bestellknopfes am PC hier kauft, hofft sie. Ein netter Plausch, ein Lächeln und ein hübsch eingepacktes Geschenk – alles inklusive.

>> Vernetzung und Öffnungszeiten

  • Es geht auch gemeinsam. Vor Kurzem besuchte eine Bochumerin Lars Hövelmanns Kaffeegarage und kaufte eine Maschine, holte sich noch das ein oder andere bei Becker und Scholz und wurde für weitere Artikel ans Tafelhaus verwiesen. Mit Navi machte sich die Frau auf die Suche. „Als sie hier eintraf gab’s einen tiefen Seufzer. Bis ich sie mal hinter dem Sandberg hier gefunden habe“, erklärte die Kundin.
  • Übrigens Miriam Tiemers Tafelhaus hat geänderte Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 10 bis 18, samstags von 10 bis 13 Uhr. Montags ist wie bei vielen Geschäften in der Nachbarschaft Ruhetag.

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