Berufswahl

Die Schere auf dem Ausbildungsmarkt geht weiter auseinander

Die Bilanz der Arbeitsagentur Coesfeld: Zum Ende des Ausbildungsjahres sind noch 355 Lehrstellen unbesetzt, das sind 3,7 Stellen für jeden der aktuell noch 95 unversorgten Bewerber.

Die Bilanz der Arbeitsagentur Coesfeld: Zum Ende des Ausbildungsjahres sind noch 355 Lehrstellen unbesetzt, das sind 3,7 Stellen für jeden der aktuell noch 95 unversorgten Bewerber.

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Kreis Borken.  Im aktuellen Ausbildungsjahr standen jedem Bewerber bei der für Isselburg zuständigen Arbeitsagentur 1,2 Ausbildungsstellen gegenüber.

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Weniger Bewerber, aber mehr Ausbildungsstellen verzeichnete die Agentur für Arbeit Coesfeld, die auch für das komplette Isselburger Stadtgebiet zuständig ist, im Ausbildungsjahr 2018/2019, zu dem sie jetzt Bilanz zieht. Während sich die Situation der Bewerber weiter verbesserte, weil sie immer häufiger aus verschiedenen Stellen wählen können, ist die Perspektive der Unternehmer eher eine andere. Für sie wird es zunehmend schwieriger Nachwuchskräfte zu finden.

Rein rechnerisch: Mehr als eine Lehrstelle pro Bewerber

Im aktuellen Ausbildungsjahr standen jedem Bewerber 1,2 Ausbildungsstellen gegenüber. „Vor einigen Jahren hatten wir das Problem, das wir trotz intensiver Bemühungen nicht für jeden Jugendlichen einen Ausbildungsplatz gewinnen konnten“, berichtet Johann Meiners, der Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld, und ergänzt: „Heute steht rechnerisch sogar mehr als eine Lehrstelle für jeden zur Verfügung. Das zeigt sehr deutlich, wie sich der Ausbildungsmarkt gewandelt hat.“

Zwei Gründe für die Entwicklung

Für diese Entwicklung gibt es zwei Gründe: Mit 4238 Jugendlichen und jungen Erwachsenen meldeten sich im Ausbildungsjahr 2018/2019 genau 506 Jugendliche weniger als Bewerber bei der Agentur für Arbeit als noch im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zum anderen meldeten die Unternehmen und Verwaltungen in den Kreisen Borken und Coesfeld mit 5173 Ausbildungsstellen 482 mehr als im Vorjahreszeitraum. „Die Schere geht hier weiter auseinander“, erklärt Meiners.

Kaufmännischer Bereich hat wenig Probleme

Unternehmen, die Ausbildungsmöglichkeiten in kaufmännischen Berufen anbieten, haben bislang wenig Probleme die freien Stellen zu besetzen, denn diese stehen bei den Jugendlichen hoch im Kurs. In Handwerks- oder Pflegeberufen sieht das jedoch anders aus: „Hier müssen die Ausbildungsbetriebe intensiv werben und auf sich aufmerksam machen, um interessierte Jugendliche zu gewinnen.“, rät Meiners.

So sind zum Ende des Ausbildungsjahres noch 355 Lehrstellen unbesetzt, das sind 3,7 Stellen für jeden der aktuell noch 95 unversorgten Bewerber. „Für die Bewerberinnen und Bewerber, die derzeit weiterhin suchen, ist das eine große Chance, doch noch einen Ausbildungsplatz zu finden“, zeigt Meiners auf.

Bewerber und Stellen passen nicht immer zusammen

Doch er macht auch deutlich, das Bewerber und Stellen nicht immer zusammenpassen: „Die Vorstellungen von Bewerbern und Arbeitgebern sind oft unterschiedlich. Auch räumliche Distanzen machen es immer wieder schwer, beide Seiten zusammen zu bringen.“

Der Arbeitsmarktexperte ist aber sicher, dass für die derzeit noch wenigen unversorgten Jugendlichen Möglichkeiten gefunden werden können: „Unser Ziel ist es, jedem betroffenen Jugendlichen ein Angebot zu machen. Wer sich flexibel zeigt, hat sogar gute Chancen, auf eine der noch freien Ausbildungsstellen nachzurücken. Aber auch viele andere Alternativen möchten wir mit ihnen diskutieren.“

Unterschiedliche Wünsche

Die beliebtesten Berufe waren im abgelaufenen Ausbildungsjahr Industriekaufmann, Kaufmann für Bürokommunikation und Kaufmann im Einzelhandel. Etwas anders sieht der Blick auf die Wünsche nach Geschlechtern aus. Bei den Mädchen war die Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten am gefragtesten, während die Jungen am häufigsten eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker suchten.

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