Gericht

Freiheitsstrafe wegen Begünstigung von Diebstahl in Emmerich

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung.

Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung.

Foto: Kurt Michelis

Emmerich.  Weil er sich nicht gewehrt hat, dass Diebesgut in seinem Zimmer in der Obdachlosen-Unterkunft abgestellt wurde, erhielt Pole (43) Freiheitsstrafe.

Er lebt seit 2005 mit Unterbrechung in Deutschland, ist arbeitslos und wohnt in der Obdachlosen-Unterkunft an der Tackenweide. Im Februar geschah dort etwas, quasi im Schlaf, für das sich der 43-jährige Pole jetzt vor Gericht verantworten musste. Denn in seinem Zimmer wurde Diebesgut abgelegt. Und er hatte es, wohl betrunken wie er war, nicht verhindert. Dafür verurteilte ihn das Gericht jetzt wegen Beihilfe von Diebstahl in einem besonders schweren Fall zu einer dreimonatigen Freiheitsstrafe, und zwar auf Bewährung.

Der Angeklagte, der nach eigenen Angaben vom Sammeln leerer Pfandflaschen lebt, wie die Dolmetscherin übersetzte, hatte am Abend des 14. Februar mit seinem Zimmer-Genossen erst in der Stadt, dann in der Obdachlosen-Unterkunft getrunken und sich dann schlafen gelegt. Wobei sie als „Gast“ noch eine Person im Zimmer untergebracht hatten für einige Tage.

Firma, in die eingebrochen wurde, liegt nur etwa 100 Meter von Unterkunft entfernt

Der, so schilderte sowohl der Angeklagte als auch der Zimmer-Genosse als Zeuge, hatte wohl irgendwann den Zimmerschlüssel gestohlen – und dann in der Nacht mit einem Kumpan Diebesgut nach einem Einbruch in einer Firma, die sich nur rund 100 Meter von der Unterkunft entfernt befindet, in dem Zimmer abgestellt.

„Das habe ich nicht gemerkt. Ich bin nur mal aufgewacht, hab gesehen, dass das wohl Diebesgut ist, bin aber gleich wieder eingeschlafen“, sagte der Pole vor Gericht aus. Sein Mitbewohner äußerte sich ähnlich. Er hatte aber am nächsten Tag wohl die Polizei über die gestohlenen Gegenstände informiert, weshalb er nicht angeklagt wurde.

Die beiden Haupttäter waren nicht zur Verhandlung erschienen

Die beiden Haupttäter, die nicht zur Verhandlung erschienen waren, hatten in der besagten Nacht aus der Firma jede Menge Werkzeug, unter anderem auch einen Werkzeugwagen, zwei Laptops und ein teures Diagnostik-Gerät, mitgehen lassen und in der Obdachlosen-Unterkunft versteckt. „Das hatte alles zusammen einen Wert von gut 30.000 Euro“, sagte ein Mitarbeiter der Firma, der als Zeuge aussagte. Die Beute habe er am nächsten Tag fast komplett zurückbekommen.

Auch wenn er nur einen kleinen Anteil an dem Verbrechen habe, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, „haben Sie sich der Begünstigung schuldig gemacht“. Das sah Richterin Mareen Hölker ebenso. „Sie haben gemerkt, dass Diebesgut in ihr Zimmer gebracht wurde, und sich nicht dagegen gewehrt“. Damit hätte der Angeklagte den Haupttätern geholfen.

Verurteilter muss zudem 100 Sozialstunden ableisten

Weil er geständig sei, und auch nicht vorbestraft, hätte sie ihn nur zu der eher geringen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, sagte die Richterin mit Blick auf den hohen Wert des Diebesgutes. Der 43-Jährige muss zudem, wie von der Staatsanwalt gefordert, 100 Sozialstunden ableisten.

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