Körperverletzung

Freispruch für Emmericher wegen fehlender Beweise

Ein 42-jähriger Emmericher wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen.

Ein 42-jähriger Emmericher wurde vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen.

Foto: Kurt Michelis

Emmerich.  Ein 42-jähriger Emmericher musste sich wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er wurde freigesprochen.

Die Tat, für die sich der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht in Emmerich jetzt verantworten musste, liegt schon fünf Jahre zurück. Der 42-jährige selbstständige Gartenbauer soll seine damalige Ehefrau zuhause im Streit über den Boden vom Wohnzimmer in die Küche geschleift und dort mit dem Kopf vor den Backofen gestoßen haben. So jedenfalls schilderte die Ex das Geschehen. Freispruch, lautet das Urteil – weil die Vorwürfe nicht bestätigt wurden, so das Gericht.

Angezeigt hatte das Opfer und jetzige Zeugin die von ihr vorgeworfene Tat aber erst Jahre später, „aus Rücksicht auf die Kinder“, wie sie sagte. Als ihr Mann, von dem sie sich einvernehmlich 2016 hat scheiden lassen, jedoch die jüngere Tochter, die bei der Mutter lebt, als Alkoholikerin bezeichnete, ging sie zur Polizei und erstattete Anzeige – wegen Verleumdung. „Da hat die Polizei gefragt, wie so meine Ehe war“, sagte sie. Dann habe sie erzählt.

Krach mit dem Ehemann wegen dessen Frauengeschichten

Eben, dass sie an dem besagten Tag im Jahre 2014, das genaue Datum wusste sie nicht mehr, wieder mal Streit hatte mit ihrem Mann, wegen dessen Frauen-Geschichten. Der Krach sei eskaliert, er habe sie in die Küche geschleift, dort gegen den Backofen geschubst. „Ich lag am Boden, blutete aus dem Ohr, musste mich übergeben“, schilderte sie die Situation. Die Kinder hätten das von der Treppe oben mitbekommen.

Was nur die jüngere Tochter, die als Zeugin geladen war, zumindest teilweise bestätigte. Dass der Vater die Mutter geschlagen hätte, habe sie nicht gesehen. Die ältere Tochter, die vor einem Jahr zum Vater gezogen war, schilderte das alles etwas anders. Kontakt zwischen Vater und der 18-Jährigen einerseits und der Mutter mit der 17-Jährigen andererseits gibt es keinen mehr.

Staatsanwältin: viele widersprüchliche Aussagen

Wegen der jetzt vor Gericht „doch recht vielen widersprüchlichen Aussagen“ des Opfers, und weil es keine Beweise für die Vorwürfe gebe, sprach sich die Staatsanwältin für einen Freispruch aus. Ebenso der Anwalt des Angeklagten, der mit Blick auf die Ex-Frau davon sprach, dass die falsche Person auf der Anklagebank sitzen würde, wegen der seiner Meinung nach „falschen Aussagen“, die sie gemacht habe.

Das wiederum sah der Anwalt der Frau, die als Nebenklägerin aufgetreten war, völlig anders. Dass sie nicht gleich nach der Tat vor fünf Jahren zum Arzt und dann zur Polizei gegangen wäre und Anzeige erstattet hätte, „ist klassisches Opferverhalten“. Sie habe nicht den Mumm gehabt, mit dem Kopf aus der Deckung zu kommen.

„Was da genau passiert ist“, sagte Richterin Mareen Hölker, „weiß ich nicht. Deshalb entscheide ich im Zweifel für den Angeklagten.“

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