Umwelt

Hövelmann Logistik aus Rees rüstet Lkw auf Gasbetrieb um

Fahrertrainer Carlo Raaijman (li.) und Bernd Hövelmann vor einem der neuen Gas-betriebenen Zugmaschinen. Die ist noch in weiß lackiert, weil sie von Iveco so auf Halde produziert wurde.

Fahrertrainer Carlo Raaijman (li.) und Bernd Hövelmann vor einem der neuen Gas-betriebenen Zugmaschinen. Die ist noch in weiß lackiert, weil sie von Iveco so auf Halde produziert wurde.

Foto: Erwin Pottgiesser

Rees-Millingen.  Hövelmann Logistik aus Rees rüstet immer mehr der 230 Lkw auf Gas-Betrieb um. Fünf sind bereits auf den Straßen. Was fehlt, sind LNG-Tankstellen.

Dass er wirtschaftlich denken und handeln muss, versteht sich von selbst. Denn Bernd Hövelmann ist einer von drei Geschäftsführern von Hövelmann Logistik in Millingen, und damit verantwortlich für 700 Mitarbeiter in der gesamten Gruppe. 230 Lastwagen sind für das Familien-Unternehmen zur Zeit auf der Straße – „Fünf davon fahren mittlerweile mit Gas“, sagt der 50-Jährige. Gerade auch als Unternehmer will er seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

„Ich habe Kinder“, sagt der Millinger. Ihm sei schon sehr wichtig, dass die Umwelt für die nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Auch deshalb habe man sich in der Firma entschieden, Anfang des Jahres die ersten fünf Iveco-Zugmaschinen anzuschaffen, die statt mit Diesel mit LNG-Gas betankt werden. „Der Kraftstoff ist viel umweltfreundlicher, hat extrem niedrige Schadstoff-Emissionen“, erzählt Bernd Hövelmann.

Erdgas wird auf minus 162 Grad gekühlt

Schwefeloxid und Feinstaub sind überhaupt kein Thema mehr, Stickoxide fallen 80 bis 90 Prozent weniger an, der Kohlendioxid-Ausstoß verringert sich um 15 Prozent, zudem verbrauchen die 460-PS-starken Maschinen im Schnitt bis zu 18 Prozent weniger Treibstoff – und die Lkw sind viel leiser. „Mit den neuen Fahrzeugen gibt’s null Probleme“, weiß er mittlerweile nach einem halben Jahr im Einsatz.

LNG-Gas (Liquified Natural Gas), erklärt der Spediteur, ist ein klarer, farbloser, nicht-toxischer flüssiger Kraftstoff, der durch Kühlung von Erdgas auf minus 162 Grad produziert wird. „Und mittelfristig sogar als Bio-LNG auf den Markt kommt, sprich als Methan“, blickt der Geschäftsmann in die Zukunft.

Maut-Befreiung gilt bis Ende 2020

Dass Hövelmann erst seit diesem Jahr Gas-betriebene Lastwagen im Einsatz hat, liegt an der jetzt erst angelaufenen Förderung von 12.000 Euro als Zuschuss. Denn die Zugmaschinen kosten mit zirka 150.000 Euro etwa ein Drittel mehr als Diesel-Lastwagen. „Was zudem durch eine Maut-Befreiung bis Ende 2020 und geringerem Spritverbrauch wirtschaftlich interessant geworden ist“, sagt Hövelmann. Und rät der Politik dringend, die Maut-Befreiung zu verlängern.

Dazu kommt ein weiteres, mindestens ebenso bedeutendes Problem. „Wir haben nur wenige LNG-Tankstellen in Deutschland“, beklagt er. Die nächsten hier in der Region sind in Duisburg und Köln, außerdem in Ulm und im Osten. Aus diesem Grund müssen die Gas-Lkws so eingesetzt werden, dass es wegen der Betankung wirtschaftlich Sinn macht. „Deshalb wollen wir auf dem Gelände unserer Niederlassung in Osterweddingen bei Magdeburg eine LNG-Tankstellen bauen lassen“, so Hövelmann.

Bei 20 bis 25 Befüllungen pro Tag lohnt sich Bau einer LNG-Tankstelle

Das Gleiche würde er gerne in Rees machen. Auf einem Vortrag, den er im April vor Spediteurs-Kollegen und unterstützt durch die Energie-Agentur NRW in Kleve gehalten hat, stellte er seine Pläne vor – die Reaktion war aber verhalten. „Bislang sind wir in der Region die einzigen, die schon Teile der Lkw-Flotte mit Gas betreiben“, bedauert Bernd Hövelmann. Wenn aber pro Tag etwa rund 20 bis 25 LNG-Lkw betankt werden könnten, würde sich die Investition von bis zu einer Million Euro für eine Tankstelle rechnen.

Die „Blauen“, wie sie in der Branche wegen der Fahrzeug-Lackierung auch genannt werden, setzen jedenfalls weiter kräftig auf die deutlich umweltfreundlicheren Gas-Zugmaschinen. Der Kauf von 13 weiteren Lkw mit LNG-Motoren stehe unmittelbar bevor, sagt Hövelmann.

Sie sollen von Ostdeutschland aus operieren. „Wenn wir hier eine Tankstelle hätten, bestellen wir sofort weitere zehn Zugmaschinen, die auf Gas laufen“, unterstreicht Bernd Hövelmann, der fürs operative Geschäft im Betrieb verantwortlich ist.

35 Zugmaschinen werden ausgetauscht

Die Lkw-Fahrer müssen übrigens extra geschult werden für die Gas-Betankung. „Sie tragen unter anderem Augenschutz“, sagt Carlo Raaijman (47), einer der beiden festangestellten Fahrertrainer bei Hövelmann. Nur für den Fall, dass man beim Tanken Spritzer des 162-Grad-kalten Gases ab bekommt.

Was die Verbräuche der modernen Diesel-Zugmaschinen betrifft, starten die „Blauen“ eine weitere Offensive. „35 Zugmaschinen, die etwa jeweils vier Jahre alt sind, werden wir in Kürze austauschen und durch neue, noch deutlich sparsamere Fahrzeuge ersetzen“, kündigt er schon mal an. Die Verhandlungen liefen gerade.

>> Hövelmann Logistik beschäftigt 330 Lkw-Fahrer

Insgesamt beschäftigt Hövelmann Logistik momentan 330 Lkw-Fahrer und macht in der Gruppe einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Weitere Geschäftsführer sind die Geschwister Ruth und Dirk Hövelmann.

In Irxleben bei Magdeburg, direkt an der A2 und etwa 150 Kilometer von Berlin entfernt, hat Hövelmann an seinem neuen zusätzlichen Standort mit 6000 m2 Lagerfläche auf einem 105.000 m2 großen Grundstück drei weitere, jeweils 4500 m2 große Hallen gebaut.

Und es geht weiter: Gleich nebenan wurde ein zusätzliches, 100.000 m2 großes Grundstück erworben. Der Werkstatt-Standort, auf dem neben der Diesel- auch eine LNG-Tankstelle entstehen soll, liegt etwa 15 Kilometer entfernt.

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