Trockenheit

Reeser Landwirte nutzen illegal Löschwasser zur Berieselung

Die Felder sind staubtrocken, dennoch dürfen Löschbrunnen nicht angezapft werden.

Die Felder sind staubtrocken, dennoch dürfen Löschbrunnen nicht angezapft werden.

Foto: dpa

Rees.   Die Ordnungsbehörde Rees weist darauf hin, dass das Anzapfen von Löschwasserbrunnen verboten ist. Wer das dennoch tue, gefährde den Brandschutz.

Sie sind kaum zu übersehen, die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die mit Stromaggregat und Pumpe vorfahren. Was auch den städtischen Mitarbeitern, die regelmäßig im Stadtgebiet unterwegs sind, nicht verborgen geblieben ist. Wiederholt haben insbesondere Landwirte in den vergangenen Tagen öffentliche Löschwasserbrunnen genutzt, um ihre Felder zu bewässern.

Die Anzahl der Missbräuche wird nicht genannt

„Ihre Anzahl will ich nicht nennen, aber es waren schon einige“, sagt Frank Postulart, Leiter der Ordnungsbehörde. Aus diesem Grunde gibt die Stadt Rees die folgenden Informationen zur Nutzung öffentlicher Löschwasserbrunnen:

„Bei öffentlichen Löschwasserbrunnen handelt es sich um Einrichtungen des Brandschutzes, deren Funktion uneingeschränkt sichergestellt werden muss. Beschädigungen an Löschwasserbrunnen durch missbräuchliche oder unsachgemäße Nutzung müssen daher ausgeschlossen werden.

Außerdem besteht die Gefahr, dass sich eine unkontrollierte Nutzung über einen längeren Zeitraum hinweg, je nach Ergiebigkeit des jeweiligen Grundwasserleiters, negativ auf den Grundwasserhaushalt auswirken kann. Insgesamt kann dies die Sicherstellung des Brandschutzes gefährden – insbesondere bei lang andauernder Trockenheit, wie im Moment.

Bewässerungsbrunnen können beantragt werden

Für den Betrieb öffentlicher Löschbrunnen seien wasserrechtliche Genehmigungen der Unteren Wasserbehörde des Kreises Kleve nötig. Entsprechend dieser Genehmigungen seien öffentliche Löschbrunnen gegen eine unbefugte Nutzung – dazu zählt auch die Bewässerung von Feldern – zu sichern. „Die widerrechtliche Nutzung öffentlicher Löschbrunnen stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann“, stellt Postulart klar.

Allerdings wird seitens der Stadt Rees darauf hingewiesen, dass Landwirte, die ihre landwirtschaftlichen Flächen bewässern möchten, die Möglichkeit haben, eigene Bewässerungsbrunnen zu beantragen und zu errichten. Die dazu notwendigen wasserrechtlichen Genehmigungen der Unteren Wasserbehörde des Kreises Kleve kosten im Normalfall einmalig 200 Euro und gelten für 20 Jahre.

Auf 20 Jahre kostet so ein Brunnen 250 Euro im Jahr

Mit dieser Genehmigung kann der Landwirt dann eine entsprechende Fachfirma mit der Errichtung eines Bewässerungsbrunnens beauftragen. Diese Information sei den Landwirten aus entsprechenden Fachpublikationen bekannt, heißt es aus dem Rathaus

„Der Bau eines Brunnens selbst kostet zwischen 2500 und 5000 Euro“, hat sich Postulart erkundigt. Gehe man von einer Abschreibungszeit von 20 Jahren aus, mache das jährlich 250 Euro aus. „Für diesen Betrag mag wohl kein Landwirt seine Ernte gefährden“, sagt Postulart. Denn Wasserkosten entstehen nicht, weil es sich um Grundwasser handelt.

Der Brandschutz hat Priorität

„Wir haben natürlich großes Verständnis für die missliche Lage, in der sich die Landwirte aufgrund der langen Trockenphase momentan befinden“, so Ordnungsamtschef Frank Postulart. Schließlich sprechen die Bauern von Ernteaussfällen bis zu 70 Prozent.

„Wir bitten aber auch um Verständnis, dass der Brandschutz bei uns oberste Priorität hat – erst Recht bei dieser Trockenheit. Schließlich wolle niemand, dass sein Haus oder Hof abbrenne, weil der entsprechende Löschbrunnen zuvor durch eine unsachgemäße und missbräuchliche Nutzung beschädigt worden sei und nicht mehr zum Löschen eingesetzt werden könne.

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