Sexueller Missbrauch

Sexualdelikt in Rees: Opa missbrauchte seine Enkelin

Im Landgericht Kleve wurde die Verhandlung geführt.

Im Landgericht Kleve wurde die Verhandlung geführt.

Foto: AG / NRZ

Rees.  Wegen Missbrauchs an seiner dreijährigen Enkelin und Vergewaltigung der Ehefrau muss ein 60-jähriger Mann aus Rees vier Jahre ins Gefängnis.

Die Brutalität der Taten, die Häufigkeit und der lange Leidensweg einer Familie waren Gründe für das Strafmaß von vier Jahren. Damit blieb die Große Strafkammer des Landgerichts Kleve unter der Führung des Vorsitzenden Richters Henckel nur wenig unter der Forderung der Staatsanwältin von 4,6 Jahre. Der Nebenkläger schloss sich den Ausführungen und dem Strafmaß der Staatsanwältin an. Er vermisste außerdem die Reue und ehrliche Entschuldigen des Angeklagten.

Enkelin missbraucht

Das Gericht sah es nach zwei Prozesstagen als erwiesen an, dass der Angeklagte im Zeitraum 2018/19 seine dreijährige Enkelin dreimal sexuell missbrauchte und über einen längeren Zeitraum seine Ehefrau vergewaltigte. Bereits am 1. Prozesstag belastete die ganze Familie, Mutter, Tochter und Sohn den Angeklagten. Die ungezügelte sexuelle Triebhaftigkeit brachte über Jahre viel Leid über die Familie, an der sie schließlich zerbrach.

Richter Henckel erinnerte noch einmal an den 1. Prozesstag als der Sohn schilderte wie er den Vater von der Mutter zog, wenn die Mutter den Geschlechtsverkehr verweigerte und den brutalen Zwang zum Oralverkehr. Ohne Rücksicht auf die Familie lebte der Angeklagte seine sexuelle Triebe rücksichtslos aus. Der Vorsitzende Richter wörtlich: „Hier hätten sie ihr Verhalten noch abstellen können“. Strafmildernd wertete die Strafkammer die Geständigkeit des Angeklagten und dessen Selbstanzeige. Ohne diese Selbstanzeige wäre der Missbrauch an der dreijährigen Enkelin nicht nachweisbar gewesen, da nur die Aussage der Tochter des Angeklagten im Raum stand.

Der Angeklagte ist voll schuldfähig

Um die Schuldfähigkeit des Angeklagten eindeutig zu klären wurde von einem Sachverständigen ein Gutachten erstellt. Da das Gutachten zum Prozessbeginn nicht vollständig war, unterbrach das Gericht extra für 1,5 Stunden die Sitzung, damit restliche Fragen durch den Sachverständigen geklärt werden konnten. Auf der Grundlage von psychologischen Test und intensiven Gesprächen kam der Gutachter zum Schluss, dass beim Angeklagten keine schwere Persönlichkeitsstörung vorliegt und er voll schuldfähig ist.

Des Weiteren verwies der Gutachter auf die Einsichtsfähigkeit des Angeklagten, die sich darin auch zeigte, dass er ein „Nein“ zum Sexualverkehr mittlerweile auch akzeptiert. Wieso es dann zu den Taten kam konnte der Gutachter auch nicht eindeutig klären. Er sah das wiederholte Verhaltensmuster des Angeklagten beim Missbrauch der 3-jährigen Enkelin und meinte, dass eine Wiederholung der Tat nicht auszuschließen sei.

Keine echte Entschuldigung

Der Verteidiger sieht in dem Beklagten nicht den typischen Kinderschänder und versuchte den Angeklagten als hilfsbereiten empathischen Mitmenschen darzustellen, der sich z. B. im Fußballverein engagierte und stellte die Frage: „Passen Hilfsbereitschaft und Empathie zusammen mit Missbrauch eines Kindes“? Des Weiteren ist sein Klient weiter in ärztlicher Behandlung und nimmt u.a. Antidepressiva und Psychopharmaka gegen Aggressivität. Der Sachverständige konterte detailliert, dass Empathie Kindesmissbrauch nicht ausschließt. Der Verteidiger plädierte für eine Haftstrafe von zwei Jahren. Das letzte Wort hatte der Angeklagte. Wer auf echte Entschuldigungen und Reue hoffte wurde enttäuscht. Unter Tränen stammelte er etwas von Entschuldigung.